Corona-Datenspende: RKI-App soll Infektionsherde aufzeigen

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Corona-Datenspende: RKI-App soll Infektionsherde aufzeigen

Kommentare zum Artikel: 16

Na bitte, es geht doch – das mit der Digitalisierung: Das Robert Koch Institut (RKI) hat jetzt überraschend eine App vorgestellt, mit der alle Träger von Fitness-Armbändern und Smartwatches mit integrierter Health-Funktion pseudonymisiert Gesundheitsdaten abliefern können. Anhand dieser Daten wollen die Wissenschaftler das Infektionsgeschehen in Deutschland besser verstehen – und vor allem rechtzeitig erkennen, wenn sich neue Infektionsherde auftun.

Diese neu vorgestellte App ist übrigens nicht die derzeit diskutierte Tracking-App von Gesundheitsminister Jens Spahn, die mit Hilfe von Bluetooth arbeitet und dabei helfen soll nachzuvollziehen, wenn in den letzten 14 Tagen jemand Kontakt mit einer/einem Infizierten hatte. Die Bluetooth-App ist noch nicht veröffentlicht und wird für Ostern erwartet. Die am Dienstag (07.04.2020) vorgestellte App trackt keine Begegnungen der User.

Die App ist einfach zu bedienen und liefert pseudonymisiert Daten beim RKI ab; Rechte;: WDR/Schieb

Die App ist einfach zu bedienen und liefert pseudonymisiert Daten beim RKI ab

Pseudonymisiert Gesundheitsdaten abliefern

Die Idee: Wenn genügend Menschen ihre Gesundheitsdaten abliefern, lassen sich Entwicklungen erkennen und vorhersagen, etwa durch das Ansteigen von Körpertemperatur oder Ruhepuls. Welche Daten genau relevant sind (oder sein werden), lässt sich zunächst noch nicht sagen. Die abgelieferten Daten werden mit den Infektionsentwicklungen – auch regional – abgeglichen.

Die Gesundheitsbehörden lassen die Daten in die Analyse des aktuellen Infektionsgeschehens in Deutschland einfließen. Mit der App lässt sich keine tatsächliche Infektion erkennen, aber doch die Häufung typischer Symptome, vor allem bei Körpertemperatur, Ruhepuls und Schlafverhalten. All diese Daten erfassen viele mit Fitness-Trackern oder anderen Gadgets, etwa vernetzten Thermometern. Die Daten werden für die RKI-App pseudonymisiert, die Datensätze lassen also keinerlei Rückschlüsse auf die Person zu.

Corona Datenspende App: Gesundheitsdaten pseudonymisiert an RKI liefern

Datenschutz ist garantiert

Die Menschen geben also lediglich Daten an eine Behörde weiter, die Google, Apple oder Hersteller von Fitness-Trackern sowieso schon von ihnen bekommen haben. Der Nutzer gibt bei der RKI-App aber nicht seinen Namen an, sondern lediglich die Postleitzahl, sein Alter in 5-Jahres-Schritten, sein Gewicht und eben die Health-Daten.

Das alles wird mit einer zufällig generierten ID verknüpft. Die lässt sich jederzeit ändern – und eventuell übertragene Daten lassen sich manuell löschen. Alles fein also. Vor allem, da alles freiwillig ist.

Individuelle Risiko-Ermittlung; Rechte: WDR/Schieb

Bitte die neue RKI-App nicht mit Tracking-Apps verwechseln!

Webseite überlastet: Schlechtes Hosting

Punktabzug gibt es für die grottenschlecht gehostete Webseite. Unter corona-datenspende.de erscheint aktuell nur eine Fehlermeldung. Webseite überlastet. Dabei ist es kinderleicht, zumindest eine Landingpage so stabil einzurichten – und zwar in der Cloud! -, dass die garantiert erscheint. Selbst wenn eine Million Menschen gleichzeitig darauf zugreifen wollen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

16 Kommentare

  1. H.-W. Laumanns am

    Ich würde gerne mitmachen, mein Fitnessband Mi Band 3 wird jedoch von der App nicht unterstützt.

  2. Klaus Lohmann am

    “Datenschutz ist garantiert”- Aha. “Garantiert” so wie in “Niemand will eine Mauer bauen”?
    Die jetzt diskutierte Datensammelei wg. Corona ist vergleichbar mit dem Anfixen von latent Drogenabhängigen, was den Sabber der Politiker angeht, die schon immer den gläsernen Bürger haben wollten.

    • Richtig! Wäre – natürlich, nur bei Voraussetzung entsprechender Boshaftigkeit einer fiktiven Regierung ;) – eine einmalige, wenn nicht sogar d i e, Gelegenheit, den Bürgerinnen und Bürgern flächendeckend einen schmucken “Staatstrojaner” zu verpassen. Verteilt, z. B., von einer seriösen Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und natürlich closed source – der Demokratie wegen und so.
      “Hol’ auch Du Dir jetzt die App und schütze Dich und Deine Nächsten!”.
      App vorsätzlich nicht installiert, kein freiwilliger Datenspender? Unverzeihlich! Hat bestimmt was zu verbergen, dieser Demokratiefeind – vormerken! ;)

      • Du meine Güte. Viele wollen offensichtlich mit aller Kraft nicht daran denken, welchen Beitrag sie leisten können, die Wissenschaft zu unterstützen. Das ist sehr bedauerlich.

        • Welche Wissenschaft meinen Sie denn genau, Herr Schieb? Etwa jene Wissenschaft, die mir noch bis vor wenigen Tagen klarmachen wollte, dass flächendeckende Atemschutzmasken nichts bis wenig bringen (Spoiler: nur weil nicht genug vorhanden waren bzw. sind) und “Händewaschen mit Heißwasser und Seife” der beste Infektionsschutz ist? Und deren App soll ich nun uneingeschränkt vertrauen und freiwillig meine Daten spenden? Ganz genau, Herr Schieb: “Du meine Güte”! ;)

          • Jörg Schieb am

            Tja, ganz bestimmt wissen Sie viel mehr als die Forscher bei RKI und Co. Das ist beeindruckend. Mir ist ein Dr. Drosten, der aufgrund neuer Fakten und Daten eine Haltung revidiert und das auch zu begründen mag viel lieber — und ich habe Respekt davor! -, als jemand, der lediglich Vermutungen anstellt und mit Unteretellungen arbeitet und das für Fakten und überlegenes Wissen hält.

        • Klaus Lohmann am

          “Die Wissenschaft”, aha – Verallgemeinerung allez! Es sind zunächst Wissenschaftler der Biologie, Chemie und Medizin und keine der Informatik. Wer heutzutage ernsthaft darüber nachdenkt, Apps mit Nutzungszwang in der Bevölkerung zu verteilen, welche ein always-on-Bluetooth voraussetzen, der muss sich seine Unterstützung durch eben diese Bürger erst noch sehr hart erarbeiten.

        • DollyToll am

          Sehr geehrter Herr Schieb:,
          als W10M-Nutzer bin ich dann ein “Volksfeind”?, da keine App für mich … Jeden Jogger, der an mir noch nicht einmal auf Armlänge plötzlich Luft ausstöhnend von hinten an mir vorbeirennt, ist für mich die *reale* Virenschleuder-Gefahr!

          Wenn ich mir anschaue, wie schlampig SmartHome programmiert ist und der ePerso mit Sicherheitsmängel Schlagzeilen macht, ist dies alles nicht vertrauensfördernd!

          Blick in die Zukunft: Wir alle träumen von den ‘Vereinigten Staaten von Europa’ …

          So eine Kontakt-App in Händen von Staatslenkern wie Ungarn, Polen, Tschechin …

          Ja die Wissenschaft: Ich frage mich, wie unabhängig sie wirklich ist, wenn dann bei unangenehmen Ergebnissen für die Politik, die Forschungsgelder künftig ‘umgelenken’ werden …

          Die Ungeduld des akt. NRW-MPs ist schon verstörend!

    • Also, wer immer mit Unterstellungen arbeiten will, ignoriert natürlich gerne Fakten. Mir ist es schleierhaft, wie man annehmen kann, der Staat wäre besonders interessiert an Gesundheitsdaten einzelner Bürger – dauerhaft. Ganz zu schweigen von der rechtlichen Situatuion.

      Daher bevorzuge ich es, die Fakten zu kennen – und zu bewerten. Dabei kann ich falsch liegen, aber zumindest kommen die Fakten zur Sprache.

      Da sich niemand mit persönlichen Daten bei der App anmelden muss, setzt es schon kriminelle Energie voraus, den tatsächlichen Bereitsteller der Daten zu ermitteln. Ganz zu schweigen vom in meinen Augen nicht vorhandenen Interesse.

      By the way: Die Daten, die übertragen werden, sind ohnehin bei Google, Apple oder Fitness-Trackern hinterlegt. Wenn man Bauchscherzen haben möchte, doch dann damit. Dafür hätte ich eher Verständnis.

      • Klaus Lohmann am

        Wieso “Gesundheitsdaten”??? Es geht ganz einfach um Bewegungsdaten. Und es geht um die Sicherheit der eingesetzten Apps nach heutigem Standard. Da erwarte ich mehr als das “Die Rente ist sicher!”-ähnliche Gequatsche der Politiker. Solange, wie man uns zwecks Zurückhaltung der vorhandenen Vorräte für die Krankenhäuser und das Praxenpersonal einen von der Nutzlosigkeit der Atemschutzmasken vorgespielt und damit Zeit verloren hat, solange kann man nun auch in die Revision und ggfls. Korrektur dieser “Bundesviren-Apps” investieren, bevor das nächste Desaster droht – wenn sich vielleicht das ungeprüfte Verlassen auf die App als komplett trügerisch herausstellt.

      • Der Staat ist in dem Falle doch Herr Spahn, der so gern Big Data im Gesundheitswesen hätte und das auch vor den interessierten Lobbygruppen als Erfolg benennet; der neue Gesetze zum Sammeln von Gesundheitsdaten gern im Schnellverfahren und in aufmerksamkeitsarmer Zeit durchsetzen wollte und will, der die Daten nur der gesetzlich Versicherten zwangsweise in einen Datenpool einspeisen will, der alle Ärzte zwingt einen Gerät anzuschaffen, dass in Reihe geschaltet zum Einfallstor für Hacker wird. (Leider nur empfehlen die Ratgeber der Ärzte genau dies Reihenschaltung.) Und dieser Staat ist also nicht an unseren Gesundheitsdaten interessiert? Dieser Staat bekommt meine Daten nur, wenn garantiert ist, dass ich Herr über meine zwangsweise erhoben oder auch freiwillig übergebenen Daten bleibe. Wieso nur habe ich das Gefühl, dass wir von einem derartigen Zustand so weit entfernt sind? Wirklich gespannt bin ich, ob ich als Betroffener meine Krankenakte(n), oder vielleicht auch erstmal nur meine Corona-Daten ansehen und selbst verwalten kann.

    • DollyToll am

      Bei aller Technik-Gläubigkeit: entweder wir haben bald einen Impfstoff oder eine Herden-Immunität!
      Und bei Bluetooth wurde uns doch in der Vergangenheit immer vermittelt es abzustellen, da es ein Sicherheitsrisiko bedeutet … , Herr Bundesminister.
      Wenn dann Werbung für Strampler auf die Uhr kommt, dann haben sich alte Methoden erledigt …
      Frohe Ostern und bleiben Sie gesund!

  3. DollyToll am

    … und die Algos fügen dann verschiedene Datenbanken zusammen … Na super!
    Ich habe noch nirgends gelesen, wie lange diese Daten überhaupt gespeichert sein dürfen!
    Da werden Fakten geschaffen am Parlament vorbei, bei dem ich Bauchschmerzen bekomme!

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