Liebe Gäste, diese Wohnung wird überwacht!

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Liebe Gäste, diese Wohnung wird überwacht!

Kommentare zum Artikel: 6

In vielen Haushalten stehen heute Sprachassistenten wie Alexa, Google Home oder HomePod. Die Bewohner sollten schon wissen, auf was sie sich da einlassen.

Aber was ist mit den Gästen, die die Wohnung betreten – und nicht wissen, dass möglicherweise Sprachfetzen aufgezeichnet werden? Mittlerweile ist hinreichend bekannt, dass Assistenten wie Alexa gerne schon mal Gespräche aufzeichnen und in der Cloud speichern – obwohl das dafür nötige Schlüsselwort gar nicht gefallen ist.

Lautsprecher wie Alexa und Co. können auch Besucher oder Kinder “bespitzeln”

Wer schützt Besuch vor dem Belauschtwerden?

Ein Aspekt, an den viele gar nicht denken: Wer gar nicht weiß, dass er möglicherweise abgehört wird, aber trotzdem von “smarten” Lautsprechern belauscht wird, geht ein erhebliches Risiko ein. Laut einer Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages ist das in der Tat problematisch.

Wie damit umgehen? Vielleicht mit Aufklebern, wie wir sie aus dem Öffentlichen Raum kennen: “Dieser Bereich wird video-überwacht”, steht meistens drauf – daneben eine Videokamera.

Wäre das nicht eine mögliche Lösung? Auf der eigenen Haustür klebt ein Sticker: “Achtung, in dieser Wohnung hört Alexa mit – und merkt sich alles!”. Amazon könnte die Aufkleber ja liefern.

https://vimeo.com/347057001

Sprachassistenten speichern eine ganze Menge (Angeklickt)

Politik mal wieder arglos: Kein Konzept

Das wäre tatsächlich zu überlegen. Denn wie jüngst festgestellt wurde: Selbst wenn ein User sich die Mühe macht und von Alexa aufgezeichnete Gesprächsfetzen aus der Cloud entfernt, sind diese trotzdem nicht wirklich und rückstandslos gelöscht. Ein guter Gastgeber müsste seinen Besuch schon umfassend aufklären, finde ich.

Und noch ein Problem gibt es laut Wissenschaftlichem Dienst: Kinder und Jugendliche. Auch wenn sie sprechen, hört Alexa zu und speichert das möglicherweise. Ohne dass die Eltern zustimmen würden.

Weiteres Problem: Kinder und Jugendliche könnten ggf. Inhalte abrufen, die gar nicht für Kinder und Jugendliche gedacht oder geeignet sind. Jugendschutz – bei Digitalen Assistenten bislang kein Thema.

Und die Politik? Zuckt mit den Achseln. Wie immer. Laut den Kollegen von heise.de hat sich das Bundesinnenministerium für nicht zuständig erklärt.

Wenn es darum geht, die aufgezeichneten Gespräche und Daten auszuwerten, fühlt sich das Innenministerium durchaus zuständig. Wenn es aber darum geht, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Bürger ggf. geschützt werden können, ist amtlich verordneter Tiefschlaf angesagt.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

6 Kommentare

  1. DollyToll am

    Wenn ich das richtig beobachtet habe, fährt Seehofers Mini-Eisenbahn nach Jahrzehnten immer noch im Rohbau-Modus … Was hat man da noch von einem Innenminister des Bundes zu erwarten … ? Ob er auch Alexa und Co. benutzt? Dann werden zu jedem Geburtstag 69 Amazone-Märklin-Teile bestellt! Automatisch!

  2. Ah, ja, bevor ich es ganz vergesse.
    Wer durchaus auch die Vorteile und das Potential in Spracherkennung und Sprachsteuerung sieht, aber nicht Cortana, Siri und Alexa seine Geheimnisse verraten möchte, der kann die “Common Voice” Initiative unterstützen.
    Einfach mit einer Suchmaschine wie Qwant, DuckDuckGo oder Startpage danach Ausschau halten.

  3. Wenn es bequem und hip ist akzeptiert der Endverbraucher fast alles. Die Politik hinkt dem digitalen Zeitgeschehen eh Jahrzehnte hinterher, wie unlängst hier auf “Digitalistan” schon festgestellt.
    Und all diejenigen die jetzt mit Schrecken auf die Lautsprecher schauen können Ihr eigenes Leben überdenken und wer wirklich offen ist findet etwas, vieles was eigentlich auch nicht ok ist, nur eben schon seit Jahrzehnten präsent, gewohnt und akzeptiert.
    Sprich niemand sollte zu selbstgefällig sein und immer erst auch eigene Lebensgewohnheiten hinterfragen.
    Dann kann man sich für all die gefundenen Dinge, welche auch andere Menschen tangieren, Aufkleber basteln und danach macht man sich an die Aufkleber für die neuen schlechten Gewohnheiten.

  4. Interessante (und erschreckende) Problematik, dafür den Daumen hoch! Früher war bestimmt nicht alles besser, aber so manches schon …

  5. Off_Leiner am

    “Wer schützt Besuch vor dem Belauschtwerden?”
    Ganz einfach: Diejenigen, die diesen gefährlichen Quatsch, den niemand braucht (außer den Überwachern, natürlich), gar nicht erst in ihr Leben und in ihre Wohnungen lassen.

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