Digitalisierung: Bundeszerredungsrepublik Deutschland

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Digitalisierung: Bundeszerredungsrepublik Deutschland

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Ordnung. Struktur. Organisation. Wir Deutschen haben im Ausland ein gewisses Image, das ein Faible – und wohl auch eine Neigung – für Ordnung, Planbarkeit und Zuverlässigkeit erwarten lässt. Doch immer öfter frage ich mich: Wieso eigentlich? Die letzten Monate haben doch gezeigt, dass andere Länder in diesen Disziplinen offensichtlich viel besser sind als wir.

In der Demokratie sind immer Kompromisse gefragt; Rechte: WDR/Schieb

In der Demokratie sind immer Kompromisse gefragt

Andere Länder sind schneller und besser organisiert

Viele asiatische Länder waren wirklich exzellent auf eine Pandemie vorbereitet und haben ohne Zögern und Zaudern auf die ersten Anzeichen einer Bedrohung reagiert – und vor allem auch agiert. Sie haben blitzschnell längst vorbereitete Notfallpläne aktiviert, Regeln durchgesetzt, konsequent auf Digitalisierung gesetzt, Apps entwickelt und an den Start gebracht. Es hat gut funktioniert und Erfolge gebracht.

Und warum müssen uns Israel, USA und Großbritannien zeigen, wie erfolgreich Impfen geht? Das hiesige Zuständigkeits-Chaos hat dazu geführt, dass die Terminvergaben überall anders gelöst wurden – und fast immer grottenschlecht. Zumindest am Anfang. Andere Länder vergeben die Termine digital – und haben auch gleich noch einen digitalen Impfpass. Den haben wir jetzt endlich auch: Eine Kölner Firma hat den Zuschlag für den deutschen digitalen Impfpass bekommen. Immerhin.

Vergabe der Impftermine: Schlecht vorbereitet und nicht wirklich digital

Politik-Bashing ist auch keine Lösung

Aber nur auf “die Pfeifen in der Politik” zu schimpfen, passt auch nicht. Die Sozialen Netzwerke haben einen erheblichen Anteil an der Misere. Denn so wie jeder vor dem Fernseher der bessere Schiedsrichter und die bessere Trainerin ist, kann natürlich auch jede/r mit einem Social-Media-Account besser regieren. Ist doch klar: Von der Tribüne aus der Geschehen zu kommentieren ist einfacher, als selbst auf dem Spielfeld zu stehen.

Es gibt eine gewisse Neigung, so ziemlich alles zu zerreden. Das war schon bei der Corona Warn App zu beobachten. Dass die Diskussionen dazu geführt haben, dass die Corona Warn App OpenSource ist, war zweifellos ein positives Ergebnis. Aber es wird auch wahnsinnig viel Unsinn verbreitet – und damit werden jede Menge Möglichkeiten ausgebremst.

Was mir am deutlichsten auffällt: Der ständige Vorwurf der Überwachung. Schon bei der Corona Warn App wurde unterstellt, sie diene vor allem der Überwachung. Das beklagen die Mahner dann ausgerechnet auf Facebook oder Instagram, die mehr über jeden einzelnen wissen als die Stasi damals.

Dasselbe Phänomen haben wir jetzt beim Thema Back-Tracing. Immer häufiger wird der Luca App unterstellt, die Bürger zu bespitzeln. Oder den Wettbewerb zu zerstören. Einfach nur Unterstellungen. Es scheint, kein gesundes Maß mehr zu geben – und der Nutzen scheint keine Rolle zu spielen.

QR Codes in Restaurants; Rechte: WDR/Schieb

Back-Tracing: Sinnvolle Daten für die Gesundheitsämter – keine Überwachung

Debatten in den Social Media

Am Ende ziehen sich – auch, nicht nur – deswegen Entscheidungen in die Länge, weil es so viele Bedenken gibt. Mit dem Ergebnis: Alles dauert ewig – und dann wird auch das wieder kritisiert und bemängelt. Motto: In Deutschland geht nichts voran.

Ja, die Politik hätte schon vor Monaten damit beginnen müssen, eine Lösung für die Gesundheitsämter zu finden, damit Back-Tracing schnell und zuverlässig möglich ist. Und das nicht nur mit einer App (wobei: das ist besser als keine).

Aber vielleicht sollten wir alle auch mal damit aufhören, immer nur das Schlimmste zu erwarten. Stichwort Überwachung: Die Verwendung der Daten lässt sich durch gesetzliche gesetzliche Regelungen lösen. Außerdem sollten wir nicht so häufig unsere eigenen Bedürfnisse über die aller anderen stellen. Und überhaupt davon ausgehen: Nur wenn ich zustimme, ist es eine gute oder überhaupt legitime Lösung.

Einfach auch mal machen. Lernen. Vorankommen. Besser werden. So handhaben die das im Silicon Valley.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. quit, quiet oder quid pro quo oder quote bis perfektioniert gepflegte ultima Irratio?

    Made in Germany ….
    ist bekannt für Qualität, je nach dem was mit wem wie verglichen wird oder als Ziel definiert wird. Mit anderen Worten jeder Zielkonflikt lässt sich wie jede Maskenaffäre bereits mit der richtigen Zieldefinition lösen. Gibt es dann noch immer Probleme hilft es meist die Peripherie zu adaptieren.

    Breitbandversorgung bis Digitalisierung, BER, Atomwirtschaft, Mili(ar)tär, Staat, Beamtenrenten, Zeitarbeit, Krankenkasse, Grundwasser & Gülleverklappung, Reinheitsgebot, …
    Alles irgendwie nicht schlecht, aber allesamt haben Krebsgeschwüre wie Politiker für Landwirtschaftsfragen die im Privatleben von Beruf Bauer sind und dergleichen Konstrukte die innert bedingt einfach NICHT IMMER das Allgemeinwohl als Ziel haben können und wollen.

    Nachhaltigkeitsfragen werden durch Subvention gelöst, wenn ein Neubau wesentlich mehr gefördert wird als Instandhaltung. Bezahlen darf und muss das aber immer der Steuerinsasse, egal ob der Bauherr anschliessend die Betriebssicherung über die Zeit sicher stellen kann oder gar möchte.

    Die Insassen, Du, jaa DUU, bist das belauschte & verarschte Volk, haben eine geistig ziemlich kleine Halbwertszeit oder wer erinnert sich an die Rente iss sicha, Möllemann, Guidos-Steuerbetrugsversprechen (das kaum wer hinterfragt hat), Barschel und ganz zu schweigen von Ehrenwort, Sträussschen-Starfighter & Co., Spendenaffären, … bis Atomkraftkosten von Planung bis Abrissende & Entsorgung hätte man ohne eine RIIIESEN-Betriebsgefährdung und Restwertprobleme eine stabile und nachhaltige Energieversorgung seid langem haben können, wenn man es nur gewollt hätte. Gleiches bei der antiquierten Freizeitlasterindustrie. 3-Wege Kat verpennt = > Förderung der Dummheit per Steuersubvention das sich mit der E-Mobilität jetzt zum 3. mal wiederholt, da zwischendurch das Protektorat durch gewollte Unwissenheit und de Jure Schutz in der Abgasaffäre. Wäre nicht das Kfz jeder Einzelperson die Betriebserlaubnis erloschen bei einer Prüfung bzw. bei Kenntnis von dem Umstand? Warum dann nicht en gro pauschal für alle betroffenen Kfz? Es ist doch das Problem eines jeden Arbeitnehmers wie Si/Er zur Arbeitsstelle kommt und nicht der Wirtschaft oder des Unternehmens.
    Gretchenfrage wie ist die Haftungsfrage geklärt bei einem Vattnstörfall? Wer Anlagen, Geräte usw betreibt hat die davon ausgehende allgemeine und besondere Gefährdung abzusichern = > HaftPFLICHT. Seid wann gibt es so etwas für AKWs?

    Die Insassen lassen sich eh verarschen, Gewinne privatisieren und Kosten den ‘Kleinen’ aufbürden (Bankenrettung, Atomkraft deren Problem wohl auch in 100 bis 1000 Jahren nicht gelöst sein wird, Ertrag und Kosten schön gerechnet werden) und die ‘Führer’ sich erfolgreich gegen eine autonome Kontroll- und Regressinstanz verwehren die zu Transparenz zwingt. Sollte irgendwer oder irgendwas das Wohl der Republik entgegenstehen, so hat wohl wer anderes bereits einen gravierenden Fehler gemacht und gehört verwertstoffelt und nicht der Fehler vergoldet.

    Dänemark macht zumindest im Polizeibereich da etwas, wo hier ganze Ämter wahrscheinlich geschlossen würden wegen Rechtsbeugung über sonst was bis Rassismus. Nur warum lernen von anderen wenn man historische Fehler neu erfinden kann?

    Das zieht sich von geächteten Kampfstoffen in Syrien bis in die verfügbare Historie retour, aus der man eigentlich locker die Mehrheit der Fehler erkennen sowie deren Umgehung lernen könnte. Guantanamo ist ein weiteres ‘lebendiges’ Beispiel für effektive Zieldefinition. Jaaaneee aber … SETZEN, SEX, bis zur nächsten Reife-Prüfung.

    BER und Olympiade in London bzw. der Anlagenbau dazu ein weiteres vergleichbares Beispiel für konträre Ziele auf so ziemlich allen Aspekten. Das eine ein ziemlich allen Projektdefinitionen: einmalig, definierter Umfang & Ziel, zeitlich begrenzt, budgetiert entsprechender Vorgang und BER das exakte Gegenteil davon.

    U-Bahnbau in Köln ist die Demonstration der inversen Perfektion:
    geplant und veranschlagt ohne fiskalischen, monetären, … Puffer, wo eine/e Jede/r (‘tschuldigung das AGG nötigt einem so a’ Käs’ ab) weiss was passiert wenn man in Köln ein Loch macht das tiefer als ein Köttelchen ist.
    Der Stahl wird von der Baustelle wird unter der Hand verkauft, weil ein Jede/r weiss:
    Wir hier in Köln sind perfektioniert und nicht nur perfekt: Wir bauen alles und das auch mit nichts.

    Wiefelspütz, Hütchen ab vor Ihm, wollte vor Dekaden bereits der legislativ protektorierten Schwarzarbeit zumindest einen Riegel vor setzen und ist betongepolstert vors Wändle gedackelt und hat zwei Gehält ähhh wie nennen sich die Bonniezahlungen bei ‘nicht vergleichbare’ Steuerpflichtigen? gezahlt.

    Datenschutz beginnt da aufzuhören wo die Legislative selbst am Zug ist: Stellenausschreibungen des Bundes fehlt(e) jedwede Option personenbezogene Daten vertraulich zu übermitteln.
    Schwärzen kompletter Akten für Untersuchungsausschüsse, Glanznummer NSU-Affäre, &&&&

    Der Einwand der asozialen Netze bzw. das sich dort über Datenschutz zu mockieren ist nicht ganz falsch, aber auch genau so ad absurdum oder wie war das “unter Freunden geht das gar nicht”? Wie war das mit der geistigen Halbwertszeit noch mal?

    Es ist ein leichtes den Verkehr über zentrale Systeme zu routen, sniffen und ggf. eine dauerhafte Vollkopie aka mirroring zu streamen. Man braucht lediglich adäquate Resourcen die di/er SteuerzahlerIn ohnehin finanzieren darf bzw. gerne zahlt.
    Patentklau, Wirtschaftsspionage, … auf Legislativer Ebene legalisiert.

    Patientenakte & Co gibt es nette Videos vom 3C. Was machbar ist wird auch gemacht, da immer noch zählt, wo kein Kläger kein da kein Richter dem wiederum das Prinzip zu Grunde liegt: Was ich nicht weiss macht keinen heiss.

    Fraglich ist wie eine Personenakte beim Bund einen roten Reiter mit der Aufschrift: “für Sicherheitsaufgaben ungeeignet” bekommt, wenn man verschlüsselt von Server zu Server kommuniziert und nur der empfangende Node unverschlüsselt transferiert.
    Da müssen eindeutig vertragliche wie gesetzliche Regeln gebrochen sein genauso wie der Provider einem Sonntags Morgen gegen 7 Uhr den Anschluss ausknippst und dann so damisch ist das schriftlich = justiabel zu fixieren und damit zu begründen das von meinem Zugang Spam verteilt wurde. Warum? Das ist die schriftliche Bestätigung das mein Mailverkehr eingesehen worden ist, da ohne dem keine Bewertung erfolgen kann.

    Die Erkenntnis ist das alle die hier rum lammentieren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mal eine Mailverschlüsselung eingerichtet haben und die Hand voll die es hat, es nur selten nutzt. => Mailvelope macht es dabei doch nun wirklich einfach für Laien.

    Man sollte den Snifferautomaten der Behörden WELTWEIT viel mehr Rentabilität geben, verschlüsseln und immer schön vermutliche Keywords einbauen die eine manuelle Bearbeitung erzwingen, das eine oder andere in entsprechend “feindlichen” Sprachen rein kopieren, ….
    Bei Zeitgemäßer Verschlüsselung und allgemeiner Nutzung wäre damit ein ansehnlicher Haufen Resourcen verhältnismässig sicher verwendet.

    no do ut des

    denn mann Snow

  2. Spacyalia am

    Das Projekte oder Ausführung von Gesetzen und Verordnungen meist so lange dauern ist unserer Geschichte geschuldet. Man hatte damals nie wieder eine Zentralregierung haben wollen und nun sind an Projekten dutzende Behörden und Institutionen beteiligt, das bremst. Dazu noch der Förderalismus, der bis auf die unterste Ebene der Kommunen geht.

  3. Andere Länder vergeben die Termine digital, wie in Deutschland nicht? Es geht beides. Rechtliche Regelung fordern und darüber schimpfen das viele Datenschutz fordern oder Überwachung kritisieren. Die Speicherung von Kfz Kennzeichen gehört auch dazu. Datenflut alleine bringt es oft nicht. Rasterfahndung? Hat es je eine Verhaftung deswegen gegeben? Ich habe noch gelernt: Wehret den Anfängen. Ein Vergleich mit anderen Ländern ist hilfreich wenn man nur einen Teil der läuft heraus sucht. Digital alleine macht es nicht. Estland wird so gelobt deswegen. 7‑Tage‑Inzidenz heute 735. D=65,4
    Digitalisierung in den Schulen gab es schon in den siebziger. Wir hatten bereits einen Taschenrechner. Ein direkter Vergleich von Ländern ist oft etwas “daneben”. Ausführungen führen hier aber vom Thema weg oder es wird ganz lang.

  4. Immer dann, wenn mal wieder irgendeine nicht durchdachte Maßnahme ganz schnell durchgedrückt werden soll, ohne überhaupt den Nutzen oder die Notwendigkeit geprüft zu haben, wird auf dem Datenschutz und deren Verfechtern rumgehackt.

    “Wir haben das jetzt jahrelang verschleppt und verpennt, jetzt brauchen wir es aber ganz schnell und der Datenschutz darf jetzt nicht bremsen sondern muss durchwinken”.

    Dabei werden Gesetze dann auch gerne ganz kurzfristig ergänzt und die Abstimmung darüber beim WM-Finale oder während Corona Hochphase durchgeführt, damit ja keine Diskussion darüber entsteht. Das schafft nicht gerade Vertrauen.

    Immer wieder werden bestehende Regelungen im Nachhinein aufgeweicht (siehe Steuer-ID, LKW-Maut-Scanner etc.) obwohl bei Einführung hoch und heilig versprochen wurde, dass man NIE NIE NIE diese Daten woanders nutzen wird. Alle Kritiker wurden gleich als Verschwörungsfanatiker diffamiert. Berechtigte Kritik und eine geordnete Diskussion über für und wider werden so im Keim erstickt.

  5. Auf der Internetsite der Fa. Ubirch sind Informationen zum durchaus sinnvollen Impfausweis nur nach Zustimmung zum “Gebrauch von Tracking Cookies” erhältlich. Das fördert Datenschutz-Zweifel.

  6. “Aber nur auf “die Pfeifen in der Politik” zu schimpfen, passt auch nicht.”.
    Jau! Aber das schreiben ausgerechnet Sie, der in gefühlt jedem zweiten Artikel die deutsche Politik kritisiert (“die Politik muss jetzt… / sollte jetzt… / … hat versagt / … reagiert nicht”)? “Besser regieren” kann man wohl auch als Blog-Autor in Diensten und unter einer URL des ÖRR!? ;) Wenn es hier doch so bescheiden ist, dann würde ich an Ihrer Stelle selbst in die Politik gehen oder in Ihr angepriesenes Silicon Valley (inkl. Chip unter der Haut, für optimiertes Tracking), nach Israel oder Asien auswandern. “Einfach auch mal machen.”!11! ;)

    • Nun, ich hoffe, es gibt da doch einen Unterschied zwischen Politik-Bashing (“Neuland Idioten”) und differenzierter, berechtigter Kritik. Es besteht kein Zweifel, dass die Politik in vielen Bereichen kein gutes Bild abgibt. Aber es ist auch immer eine gute Idee, nach dem eigenen Anteil zu fragen/forschen. Und ich sehe eben auch einen Anteil in den Strukruren und teilweise auch in den Debatten.

  7. “Was mir am deutlichsten auffällt: Der ständige Vorwurf der Überwachung. ”

    Sorry. Wir haben totale Überwachung.

    Prepaid Karten Registrierung? Bitte alle Daten abgeben. Unsere Kommunikation und alles andere lässt sich dank Digitalistan total überwachen. Immer mit dem Argumenten von Terror und Kriminalität. Ja, aber dafür muss man nicht alle Menschen in Geiselhaft nehmen. Unsere Freiheit geht aktuell, auch wenn wir wegen Corona alle zu hause sind, stück für stück verloren.

  8. Huch, der Tenor des Artikels kommt mir bekannt vor.

    Was war den zuerst da, der Artikel als Entwurf oder ein Kommentar jüngeren Datums ?

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