Digitalisierung – wer ist da nochmal zuständig, Frau Bär?

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Digitalisierung – wer ist da nochmal zuständig, Frau Bär?

Kommentare zum Artikel: 5

Manche Erkenntnis ist so quälend offensichtlich, dass einen nur noch ein humorvoller Umgang damit rettet. Anders lässt es sich nicht erklären, dass wir Deutschen über Funklöcher, Papierformulare in Behörden und völlig unzureichenden Glasfaser-Ausbau nur noch ironische Bemerkungen machen: Weil wir es nicht anders kennen und – schlimmer noch! – gar nichts anderes mehr erwarten.

So funktioniert E-Learning in Deutschland; Rechte: WDR/Schieb

Mangelhafte Digitalisierung: So funktioniert E-Learning in Deutschland

McKinsey: Deutsche sind „Online-Muffel“

Als wäre das noch nicht demütigend genug, präsentieren die Unternehmensberater von McKinsey eine aktuelle Studie. Auch sie belegt mal wieder, wie desaströs es in Deutschland um die Digitalisierung bestellt ist. Allerdings überschreibt McKinsey seine Studie „Deutsche Verbraucher bleiben Europa Online-Muffel“.

Als wären die Verbraucher schuld. Zwar finden sich auch in der Studie Hinweise, dass unzureichende Angebote und schlecht gemachte Benutzeroberflächen von behördlichen Angeboten die Menschen verunsichern. Doch den Verbrauchern gewissermaßen die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist schon ein starkes Stück.

Vielen Standorte mit 5G bieten gar kein echtes 5G-Tempo; Rechte; WDR/Schieb

Witze über Funklöcher in Deutschland – eine Art Galgenhumor

Was macht eigentlich die Staatssekretärin?

Auch seien „Datenschutzbedenken so groß wie in keinem anderen Land Europas“, so die Studie. Zweifellos richtig, aber sicher nicht der Grund für die eigentlichen Probleme. Die da wären: schlechte Infrastruktur, unzureichend Glasfaser, zu wenig Sachkompetenz und Gestaltungswillen in den Ministerien.

Wozu haben wir eigentlich eine Staatssekretärin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt? Dorothee Bär (CSU) leitet zwar kein Ministerium und hat zweifellos auch nur eingeschränkte Mittel zur Verfügung. Aber wie wunderbar wäre es gewesen, hätte die Zuständige in gut drei Jahren Amtszeit mal konkrete Konzepte und Visionen entwickelt, wie sich Deutschland digitalisieren ließe? Umsetzbare Konzepte, die in den passenden Ministerien dann umgesetzt werden – oder wenigstens mal diskutiert.

Aber nichts ist passiert.

Keine Konzepte, keine Visionen

Digitalisierung der Behörden, des Gesundheitswesens, der Forschung und Bildung, Ausbau der Netze (mobil wie Glasfaser) – es gibt so viele drängende Themen. Aber sie sind alle liegen geblieben. Nichts ist vorangekommen.

„Dorothee Bär ist das fröhliche Gesicht der digitalen Misere in Deutschland“, schreibt der „Spiegel“ – und hat völlig recht damit. Zwar wäre es ein Fehler, den Eindruck erwecken zu wollen, Dorothee Bär hätte die alleinige Verantwortung. Aber sie gehört der Bundesregierung an und ist Mitglied der größten Fraktion im Bundestag. Was würde sie unternehmen, würde sie einem Digitalministerium vorstehen, sollte das jemals kommen? Es ist ihr nicht gelungen, dafür eine Phantasie zu entwickeln.

Dorothee Bär über Klarnamenpflicht

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Zitat: „Auch seien “Datenschutzbedenken so groß wie in keinem anderen Land Europas”, so die Studie.“
    Den Studienmachern möchte ich sagen: Zu RECHT! Wenn jeder völlig kritiklos seine Daten verteilt und den übergriffigen Datensammlern keine rechtlichen Grenzen gesetzt werden, dann hätte man bald chinesische Verhältnisse. Wollen wir das wirklich?
    Es ist Aufgabe des Staates, seine Bürger durch Vorgaben und Gesetze vor übermäßigem und schädlichem Datenklau zu schützen. Der Bürger selber muß verantwortungsvoll und überlegt mit seinen Daten umgehen. Und die freie Wirtschaft – respektive die Anbieter – sollten verpflichtet werden ein wirklich flächendeckendes Angebot für den Internetzugang anzubieten. Nicht sich nur die Rosinen rauspicken und nicht immer nur nach dem Staat rufen, der fein die „Hardware“ bezahlen soll, damit die Anbieter ihre „Software“ darüber laufen lassen und sich ein goldenes Näschen verdienen können…

  2. B. Franke am

    Für diese Erkenntnis hat „Der Spiegel“ aber recht lange gebraucht.
    Das „Handelsblatt“ (online, H. Siebenhaar) bemerkte bereits am 12.3.2018:
    (Zitat) „Digitalministerin Dorothee Bär ist eine Luftnummer – Die designierte Digitalministerin ist mit wenig Kompetenzen ausgestattet. Sie ist vor allem eine Meisterin der Selbstdarstellung.“.
    Ich schaue trotzdem immer wieder mal in den Himmel, in der Hoffnung, endlich mal eins dieser Flugtaxis fotografieren zu können (vgl. Morgenpost, online, „‚Flugtaxi‘ – Wie sich Dorothee Bär blamierte“, 6.3.2018).
    „Luftnummer“, „Selbstdarstellung“, „blamiert“ etc.. Das wäre in der freien Wirtschaft mehr ein KO- denn ein Qualifikationskriterium für höhere Aufgaben.
    In unserer Regierungspolitik ist das freilich anders.
    Vielleicht hat sie das alles auch nur „versehentlich“ gesagt. Aber lassen wir das lieber … ;-)

  3. Carsten Mohr am

    Herr Schieb, wie reden Sie denn über die Leistungen der Frau Bär? Sie haben sie doch seinerzeit selbst mit größter Freude zum Interview empfangen und sich über das Thema lebhaft unterhalten.
    Aber es ist schon richtig, dass das zählt, was unten heraus kommt. Und da kam, vermutlich, zuwenig.

    • Ich verstehe die Frage nicht so ganz. Ich vermute, sie ist nicht ernst gemeint. Was spricht dagegen, mit der Staatsministerin für Digitalisierung in einem Interview ausführlich zu sprechen – und sie dennoch(?) konkret zu kritisieren? Dorothee Bär ist sympathisch und leidenschaftlich im Thema, bewegt aber rein gar nichts (jedenfalls nicht das, was relevant wäre). Das spreche ich an, denn da bleibt sie hinter ihren Möglichkeiten zurück, finde ich.

      • Carsten Mohr am

        Ganz richtig, das war mit einem zwinkernden Auge gemeint. Sie „nehmen“ die Frau Bär ganz schön in die Pflicht. Zu Recht, wie ich auch finde.

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