Erneuter Datenskandal bei Facebook

https://blog.wdr.de/digitalistan/facebooks-verbrecherisches-handeln-neuer-datenskandal/

Erneuter Datenskandal bei Facebook

Kommentare zum Artikel: 22

Wenn irgendwann rauskommen sollte, dass Facebook nicht nur rund um die Uhr unseren Aufenthaltsort überwacht und  live an NSA und McDonalds weitergegeben hat, sondern auch unsere privaten Fotos auf unseren Klamottengeschmack hin untersucht und – trotz Verschlüsselung – alle gesprochenen WhatsApp-Nachrichten analysiert hat, um unsere Stimmung zu ermitteln: Ich fürchte, es würde kaum noch einen interessieren.  Was zwei Dinge zeigt: a) Wir sind bereits einiges von Facebook gewohnt, trauen dem Unternehmen also alles zu. b) Unsere Daten sind uns weitgehend egal.

Mark Zuckerberg hat den Bogen überspannt; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg hat noch mehr Daten veruntreut als bislang bekannt

Datendeals auf Kosten der arglosen User

Die New York Times berichtet aktuell über eine neue Dimension der Datenveruntreuung bei Facebook. Unternehmen wie Microsoft, Amazon, Yahoo, Spotify oder Netflix konnten demnach auf ungeahnte Datenmengen zurückgreifen – und diese Daten nutzen. Insgesamt habe Facebook mit rund 150 Unternehmen “gedealt”. Hier wird also niemand verharmlosend von einem “Datenleck” oder einer “Panne” sprechen können. Die Datenveruntreuung hatte System. Sie war gewollt. Und zweifellos auch von Mark Zuckerberg höchst persönlich abgesegnet, wenn nicht gar angeordnet.

Was die Unternehmen nicht alles erfahren haben. Wer ist mit wem befreundet? Selbst das Recht, private Nachrichten zu lesen, zu schreiben oder zu löschen, hatten Dienste wie Spotify oder Netflix den der Zeitung vorliegenden Dokumenten zufolge. Einblicke in die Nachrichten gab es laut Facebook zwar nur dann, wenn man sich über Facebook bei diesen Diensten eingeloggt hat. Aber soll das etwa eine Erklärung oder gar Entschuldigung sein? Yahoo soll sogar auf Postings von Freunden Zugriff gehabt haben … Die Veruntreuung ging demnach also bis in die Kreise von Freunden hinein.

https://vimeo.com/261094792

Wir erinnern uns: Cambridge Analytica Skandal im März

Entschädigt die Opfer: Facebook auflösen

Die Dimension der Datenveruntreuung hat offensichtlich gigantische Ausmaße angenommen. Der Sündenfall Cambridge Analytica ist im Vergleich dazu ein leichtes Aufwärmprogramm. Ich denke, man kann mit Fug und Recht von einer Art Organisierten Kriminalität sprechen. Denn hier haben sich offenbar gleich mehrere Riesen zusammengetan, um Daten abzuschöpfen – ohne die betroffenen User auch nur um Erlaubnis zu fragen. Und Facebook ist die Zentrale dieser Organisierten Kriminalität. Alle anderen, also Amazon, Microsoft, Yahoo, Netflix, Spotify und Co. können sich aber nicht herausreden. Sie haben von der Gier Facebooks profitiert – und ebenfalls Rechte der User missachtet.

Ich finde, es reicht. Das gesamte Privatvermögen des Mark Zuckerberg – etwa 18,8 Milliarden Dollar – gehört ihm auf der Stelle weggenommen. Und jeder Facebook-Nutzer bekommt eine Entschädigung. Das wäre ein Anfang.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

22 Kommentare

    • Ich bin kein Jurist und kann daher nicht beurteilen, ob das möglich wäre. Die DSGVO voll auszuschöpfen ist schon mal ein Anfang. Es reicht aber trotzdem nicht: Die Sozialen Medien sind “Phänomene”, die einer genauen Betrachtung und Regulierung bedürfen.

  1. Albrecht am

    Kurios finde ich, dass direkt unter diesem Artikel Der Button “mit Facebook teilen” ist.
    Der WDR bzw. alle öffentlich rechtlichen Sendeanstalten sollten meines Erachtens mit gutem Beispiel vorangehen und alle Links zu Facebook sofort von den Webseiten nehmen und die Nutzung von Facebook einstellen.
    Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Verlinkung mit Facebook nun strafbar sein könnte, da man damit ja wissentlich Nutzerdaten weitergibt.

    • Dieses Argument ist nicht neu. Die Diskussion darüber, ob man bei FB vertreten sein möchte, wenn man es kritisch sieht, ist erlaubt. Aber nicht alles, was man kritisiert, ist deshalb gleich tabu.

  2. Amazon/Alexa zeigt sich auch nicht viel besser:
    pcwelt.de/a/alexa-sprachaufzeichnungen-fallen-in-fremde-haende,3463433

  3. KEIN_MITLEID! am

    Geschädigte kann auch ein Mitverschulden treffen (§ 254 Abs. 1 BGB) und trifft stets auch eine sog. “Sc hadensminderungspflicht” (§ 254 Abs. 2 BGB).
    Das kann dazu führen, daß sich die Ersatzpflicht einer Schädigerin / oder Schädigers bis auf NULL reduzieren kann – nämlich dann, wenn das Mitverschulden eben bei 100 % liegt oder die Schadensminderungspflicht diese Höhe erreicht.
    Übertragen auf die Schäden, die Facebook (und immer auch, nicht zu vergessen, die anderen asozialen Medien!) bedeutet das für mich, sozusagen “übersetzt”:
    Alle Welt weiß doch entweder oder aber HAT zu wissen, wohinein man sich begibt, wenn man allen Ernstes selbst heute noch einen Account bei den asozialen Medien (oder Amazon oder Guhgl oder – oder – oder…) unterhält.
    Wer trotzdem davon nicht lassen will, ist selbst schuld und verdient weder Mitleid noch Entschädigung.
    Das kann nur dann u.U. anders sein, wenn die betreffende Person von den Schädigenden angefixt und in die Sucht getrieben worden ist – lt. “stern” der vorletzten Woche sind das mittlerweile mehrere zigtausend allein in Deutschland mit immenser Dunkelziffer.
    Denn die haben ja jegliche Steuerungsfähigkeit und damit die Kontrolle verloren.
    Aber selbst die trifft eine Schadensminderungspflicht.
    Und die sieht so aus, daß sie sich selbst gegenüber in der Pflicht sind, clean zu werden und abstinent zu leben.
    Übrigens: Ein Sozialgericht hat entschieden, daß kein Wegeunfall vorliegt, wenn die verletzte Fußgängerin, die auf dem Heimweg von der Arbeit war, deswegen überfahren worden ist, weil sie den Blick nicht vom Smartphone wenden konnte_wollte: Keinerlei Leistungen von der Berufsgenossenschaft!

      • KEIN_MITLEID! am

        Mag sein.
        Aber “eigenwillig” heißt ja noch nicht “abwegig” oder “daneben” oder “unzutreffend” oder “nicht stichhaltig”, nicht?
        Wünsche schöne Feiertage, Herr Schieb, und ich danke Ihnen dafür, daß Sie als einer der Wenigen hier sich nicht scheuen, auch die Sucht- und Überwachungsproblematik aufzugreifen – offenbar dankenswerterweise noch nicht vom allenthalben seuchenartigen um sich greifenden Digitalisierungswahn vernebelt! WEITER SO! :-)

        • Ich versuche, mich dem Thema differenziert betrachtend zu nähern. Ich denke nicht, dass Digitalisierung an sich gut oder schlecht ist. Es kommt immer darauf an, was man damit anstellen möchte – und kann. Deshalb sind Rahmenbedingungen so wichtig.

  4. Es sollte doch jedem bewusst sein, das im Internet nichts anonym ist. Mark Z. stellt jedem Facebook “kostenlos” zur Verfügung. Bei Benutzung muss man ihm keinen Euro überweisen. Er will auch keinen Euro von Dir, er will Deine Daten, die er zu Geld macht. Es ist nichts umsonst. Du bezahlst bei Facebook mit Deinen Daten. Wenn ich Facebook alles mögliche mitteile, brauch ich mich nicht zu wundern, das alle Welt über mich Bescheid weis. Daher muss sich kein Facebook Benutzter als Opfer fühlen. Warum bin ich Geschädigter, wenn ich alles Mögliche im Internet preisgebe? Es gab eine Welt vor Facebook (kann man sich anscheinend heutzutage gar nicht mehr vorstellen)

    • Ich denke, das ist jedem bewusst. Doch nicht anonym und wissentlich einen Teil seiner Daten herzugeben rechtfertigt nicht, dass Absprachen und sogar Gesetze gebrochen werden. Hier braucht es meiner Ansicht nach strengere Vorschriften.

      • Jau, danke!
        Habe den NYT-Artikel inzwischen gelesen.
        Das ist ja (wieder) ‘n Ding … habe den Eindruck, dass die einheitlichen Verlautbarungen von FB eine dicke Delle bekommen haben.
        ———–
        Selbst wenn FB eingestellt, dichtgemacht würde und es empfindliche Strafen gäbe – die wer-weiß-wie ausgewerteten Daten tummeln sich trotzdem noch auf irgendwelchen Servern, die wer-weiß-wer verwaltet.
        Ich beneide keinen, der diese Datenweitergabe nachvollziehen will oder muss!

  5. Find ich gut Herr Schieb! Vielleicht sollten nur die Nutzer eine Entschädigung erhalten, die sich überhaupt geschädigt fühlen :) Dann wäre es auch mehr als ein Taschengeld von 20 (?) Dollar…

  6. Zitat: „Das gesamte Privatvermögen des Mark Zuckerberg – etwa 18,8 Milliarden Dollar – gehört ihm auf der Stelle weggenommen. Und jeder Facebook-Nutzer bekommt eine Entschädigung. Das wäre ein Anfang.“

    Echt jetzt? Wegen ein paar Daten? Wieder mal etwas Hysterie verbreiten? Ah ja, demnächst bitte beim Autofahren nicht mehr blinken. Geht ja niemanden an, wo wir hinwollen. Und beim einkaufen die Mütze tief ins Gesicht ziehen.

    Mancher sollte sich mal hinterfragen, wovor er Angst hat, und ob es eventuell Gründe dafür gibt…

    • “ein paar Daten”??? Es sind hunderte Millionen von Nutzer betroffen. Veruntreuung in diesem Stil mit “Blinken” vergleichen? Wenn es ein Beispiel für Verharmlosung gebraucht hat, dann ist es hiermit abgeliefert.

      • Das Problem ist das er nur Theoretisch 18.8Mrd beseitzt (das ist alles in Aktien gebunden) wenn er davon ne Mrd. auf den Markt schmeißt ist der Rest sofort wertlos…

        • Ich weiss, Dieter. Das stimmt. Für dieses Problem ist mir auch keine Lösung eingefallen. Ich dachte auch: man könnte die gesamten 500 Milliarden Marktkapitalisierung von FB als Entschädigung ausschütten. Aber natürlich würde niemand diese Papiere kaufen, nicht zu dem Preis. Das ist schon alles Irrsinn. Zumindest aber wäre es eine Strafe, wenn das Geld weg wäre. :)

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