FTC könnte Facebook zerschlagen

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FTC könnte Facebook zerschlagen

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Laut “Wall Street Journal” denkt die Kontrollbehörde Federal Trade Commission (FTC) ernsthaft darüber nach, Facebook in seine Bestandtteile zu zerschlagen. Facebook, WhatsApp, Instagram als eigene Marken und eigene Unternehmen. Wie es vor der Übernahme von WhatsApp und Instagram mal war. Kein abwegiger Gedanke. Denn die Richtung, die Facebook einschlägt, ist alles andere als erfreulich.

Als sich Facebook 2010 Instagram und 2014 WhatsApp einverleibt hat, hat Mark Zuckerberg einiges versprochen. Dass die Apps “unabhängig bleiben”, zum Beispiel. Dass keine Daten (ab)fließen. Dass alles so bleibt, wie es ist. Wir wissen, dass es anders gekommen ist. Es fließen sehr wohl Daten von WhatsApp und Instagram zu Facebook. Im Fall von WhatsApp ist das ein gebrochenes Versprechen. Wer Werbung schaltet auf Facebook, kann auch gleich User auf Instagram ansprechen, als wäre es ein Netzwerk. Nur ein Beleg dafür, dass von Eigenständigkeit der Dienste keine Rede sein kann.

Mark Zuckerberg in seinem Netzwerk; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg hat klare Trennung von Facebook und WhatsApp versprochen – und will sie jetzt aufheben

Nicht nur drei, alle Messenger sollten sich verstehen

Jetzt will Facebook auch noch die Messengerdienste Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram zusammenbringen. Das wurde bereits vor einem Jahr angekündigt, soll jetzt aber wirklich kommen. Jeder User in den Netzwerken soll mit jedem anderen User kommunizieren können. “Sinnvoll” sei das, meint Mark Zuckerberg. Gefährlich könne das sein, meint die FTC – und überlegt laut, ob es diesen Zusammenschluss verhindern will. Diesen Monat soll eine Entscheidung fallen.

Ja, es ist praktisch, wenn User aus dem einen Netzwerk mit den Usern aus dem anderen Netzwerk kommunizieren können. Es ist sogar generell praktisch. Deshalb: Diesen Gedanken “weiten” – und alle Netzwerke öffnen. Ob Facebook Messenger, WhatsApp, Instagram, Signal, Telegram oder Threema – alle sollen mit allen können. Interoperabilität nennt sich das. Die Politik hat erst vage Schritte unternommen, das wirklich zu fordern. Meiner Ansicht nach mehr als sinnvoll. Sinnvoller jedenfalls, als Facebook die Fusion seiner vier Dienste zu erlauben.

Interoperabilität bei Messengern

Erst Interoperabilität – und zur Not Zerschlagung

Es sind Fehler gemacht worden: Als die Behörden Facebook den Aufkauf von WhatsApp und Instagram erlaubt haben – auch hier in Europa! -, hätten die Spielregeln noch viel deutlicher definiert werden müssen. Ebenso und erst recht die Folgen, sollte der Konzern es wagen, diesen als Bedingung vorgeschriebenen Weg zu verlassen. Wie so häufig hat Facebook seine Beweglichkeit genutzt – und den Bogen sogar noch weiter gespannt. Bislang hat der Konzern nie wirklich dafür gelitten. Kein Wunder, dass das Unternehmen es immer wieder probiert.

Jetzt wäre doch der richtige Zeitpunkt, Klartext zu reden: Mark – es reicht uns. Du führst jetzt sofort und unverzüglich die Interoperabilität bei allen Messengern ein. Stopp die Weitergabe und das Zusammenführen aller Daten. Und bei weiteren Verstößen droht die unverzügliche Zerschlagung (das kann allerdings nur eine US-Behörde androhen).

Lauter Weicheier, in der Politik und in den Behörden.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Irgendwie habe ich meine Zweifel das die Dienste von Facebook separiert werden.
    Sachlich spricht vieles dafür, politisch und wirtschaftlich nicht.
    Die derzeitige Regierung Amerikas dürfte wenig Interesse haben einen Ihrer digitalen Giganten auch nur im Ansatz zu schwächen, im Gegenteil.
    Und es scheint wen dies jemand anderswo machen möchte, siehe Digitalsteuer Frankreich, dann beschwört dieses Land Unmut und damit Zölle herauf.
    Somit mein Tipp, es bleibt alles beim alten, bzw. Facebook kann seine Dienste noch enger verzahnen.

  2. Auch das Monopol der Post hinsichtlich Telefon hat lange gewährt. Sie saßen dort auf sehr hohem Ross, letztlich hat sie ihr Monopol verloren!
    Bei Fb glaubt man zur Zeit, machen zu können, was man will. Auch dies wird sich als Trugschluss erweisen!

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