Gaia X: Ab in die Europäische Wolke

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Gaia X: Ab in die Europäische Wolke

Kommentare zum Artikel: 9

Wer wollte noch ernsthaft bestreiten, dass die Cloud ein Erfolgsmodell ist. Egal ob Unternehmen, Behörden oder Privatleute: Daten in der Cloud abzulegen und dort auch Apps zu starten, hat einfach jede Menge Vorteile. Man kann überall und jederzeit auf die Daten zugreifen, die Apps sind grundsätzlich up to date. Wunderbar.

Die ebenfalls existierenden Nachteile – und davon gibt es reichlich – blenden wir angesichts des Komfortgewinns nur zu gerne aus. Und die sind unter anderem: Abhängigkeit, mangelnder Datenschutz und auch Klimaaspekte.

Fast alles landert unbemerkt in der Cloud; Rechte: WDR/Schieb

Fast alles landert unbemerkt in der Cloud

Abhängigkeit von US-Konzernen verringern

Ganz ehrlich: Die Abhängigkeit von US-Konzernen ist brandgefährlich. Niemand kann wissen, was Cloud-Dienste wie Amazon, Microsoft oder Google mit den Daten anstellen. Seit Edward Snowden wissen wir doch, wie ungeniert US-Behörden spionieren. Anstand, Ehre oder Verträge interessieren die NSA nicht. Und einige US-Konzerne nehmen es mit dem Datenschutz bekanntlich auch nicht so genau.

Deshalb ist es eine äußerst gute Idee, sich davon möglichst unabhängig zu machen – zum Beispiel mit eigenen Cloud-Diensten in Europa. Genau das hat Bundeswirtschaftsminister Altmaier nun auf dem Digitalgipfel in Dortmund angeregt: Projekt Gaia-X. Mit europäischem Datenschutz. Ohne das Risiko, dass US-Geheimdienste überall ihre Nase reinstecken, US-Gerichte die Herausgabe von Daten anordnen oder US-Präsidenten Teile der Cloud abschalten, wie kürzlich erst (indirekt) geschehen. In Venezuela ist die Adobe Cloud nicht mehr erreichbar.

https://vimeo.com/346075102

Abhängigkeit von der Cloud nimmt dramatisch zu

Wir brauchen mehr Kompetenz in Europa

Klar, dass Manager von US-Konzernen – so wie Sabine Bendiek von Microsoft – diese Idee gar nicht gut finden. Sie torpedieren den Gedanken für europäische Cloud-Lösungen. Man setzt auf “Partnerschaft”. Nur: Was nützt eine Partnerschaft, wenn am Ende das durchaus ernstzunehmende Risiko einer Abschaltung oder Belauschung durch US-Dienste besteht?

Es ist sehr viel sinnvoller, Kompetenz in Europa aufzubauen. Technisch. Logistisch. In jeder Hinsicht. Denn dann lassen sich endlich europäische Datenschutzwerte direkt umsetzen, ohne sich von US-Diensten anhören zu müssen, für sie gelte EU-Recht nicht. Auch Klimaziele lassen sich leichter und besser erreichen.

Klar, gerne können die US-Konzerne als Partner mitmachen. Aber diesmal dann vielleicht nicht als Chorleiter, sondern als Mitglied im Chor. Mal was völlig anderes.

Noch ist Gaia X nur ein Konzept – aber auch ein Ziel. Konkrete Umsetzung steht nicht unmittelbar bevor. Aber immerhin gibt es mal ein Ziel. Und ein Konzept. Und das ist schon eine ganze Menge wert.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

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  2. Die Idee einer Cloud für Europa ist an sich eine gute Idee. Allerdings sehe in Bezug auf den Standort ein Problem. Da die Server viel Wärme erzeugen und diese gekühlt werden müssen, kommt nur Norwegen oder Schweden als Standort in Betracht. Deutschland oder Frankreich sind da in der Lange nicht optimal.

  3. Und wisso hat man dies nicht längst gemacht – schon patallel zu den Anpassungsprozessen durch die DSGVO?
    Hier zeigt sich deutlich die Inkompetenz und Uneinigkeit der EU.
    Im Grunde wärden wir Europäer den Riesen CN und USA haushoch überlegen, wenn wir uns einig wären…

  4. “Seit Edward Snowden wissen wir doch, wie ungeniert US-Behörden spionieren. Anstand, Ehre oder Verträge interessieren die NSA nicht.”.
    Richtig!
    Und -ohne das irgendwie gutheißen zu wollen- auch ein ganz großes “Aber”:
    Zitat*: “…wie sehr deutsche Sicherheitsbehörden bei der Terrorabwehr auf die Hilfe der US-Geheimdienste angewiesen sind. Egal, ob bei der sogenannten Sauerland-Gruppe, der Düsseldorfer Al-Qaida-Zelle oder im Fall des Chemnitzer Bombenbauers Dschaber al-Bakr – fast alle bedeutsamen Anschlagsplanungen der vergangenen Jahre konnten erst durch Hinweise von NSA, CIA und Co. verhindert werden. Das zeigt: Deutschlands Geheimdienste sind auch fünf Jahre nach den NSA-Enthüllungen von Edward Snowden weiterhin in hohem Maße von den amerikanischen Diensten abhängig. Und das längst nicht nur bei der Jagd nach islamistischen Terroristen, sondern auch in anderen Bereichen – etwa bei der Abwehr und Aufklärung von staatlichen Cyberangriffen oder bei Satellitenaufnahmen aus Kriegs- und Krisengebieten….”
    (*Quelle: welt . de/politik/deutschland/article177809696 ).
    Kurz und knapp: Ohne die Hilfe der “Amis” geht hierzulande und auch in der EU nichts!
    Und dass auch eine europäische/”entamerikanisierte” Cloud -ohne entsprechende Geheimdiensthintertüren, insbesondere für D, FR, GB- wohl kaum zum Einsatz kommen würde, dürfte Ihnen, Herr Schieb, doch sicher auch klar sein, nicht wahr? ;)

    • Jörg Schieb am

      Nein, das isr mir nicht klar. Denn ein derart gegen jede Rechtsstaatlichkeit und sogar nach innen gerichtete Vorgehen wie bei der NSA ist mir für europäische Geheimdienste nicht vorstellbar. Ganz zu schweigen, dass diese nicht den Etat der NSA haben.

      • Dazu nur einer der ganz wenigen Fälle, die prominent bekannt wurden:
        netzpolitik . org/2018/urteil-britische-ueberwachungsprogramme-verstossen-gegen-menschenrechte
        und dazu die Bundesregierung zur Aufklärung im laufenden Verfahren:
        netzpolitik . org/2015/keine-stellungnahme-der-bundesrepublik-beim-egmr-zur-massenueberwachung-des-gchq
        Zu den Franzosen, z. B.
        *”Das Ausmaß beim Abhören von Telefonaten ist bereits gigantisch. Nun erhalten die Geheimdienste in Frankreich noch mehr Befugnisse als die NSA – und keiner regt sich auf.”
        (*Quelle: zeit . de/politik/ausland/2015-06/spionage-datenschutz-frankreich)
        “und keiner regt sich auf” vs. “… ist mir für europäische Geheimdienste nicht vorstellbar”.

        Schon klar, “wir” sind die Guten! over & out ;)

        • Zumindest wäre bei europäischen Diensten das Gefühl der Ohnmacht etwas reduziert. Klar ist leider, die Geheimdienste diesseits des Atlantik hätten doch die Daten selber gern und jeder europäische Dienst müsste sich von diesen Begehrlichkeiten befreien, bevor er wirklich zur Alternative wird. Wenn man Jens Spahn beim Datensammeln beobachtet, bekommt man vielleicht ein Gefühl, dafür, was bei uns alles möglich und erlaubt sein kann. Nach dem Brexit wird der britische Geheimdienst von niemandem mehr beeinflussbar sein. So schwer es fällt dies einzugestehen: Vielleicht ist der amerikanische Dienst, kontrolliert durch europäische Öffentlichkeit, sogar die bessere Lösung? Zumindest wird es so eher möglich, jemanden für das Problem zu sensibilisieren.

          • Jörg Schieb am

            Ich finde es falsch zu unterstellen, die einzige oder wesentliche Motivation für eine EU-Cloud sei der “bessere Zugriff auf die Daten durch Geheimdienste”.

          • @a.user:
            “Nach dem Brexit wird der britische Geheimdienst von niemandem mehr beeinflussbar sein.”.
            Nun, GB ist (als einziges Land der EU) Mitglied bei den sog. “Five Eyes”. Dem(!) Bündnis (USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland) zur weltweiten Spionage, Überwachung und Terrorbekämpfung, wovon freilich auch D, FR und die EU wertvollste Informationen erhalten und entsprechend davon profitieren. Ob der Brexit letztlich kommt oder vielleicht auch nicht, dürfte für die Praktiken der “Five Eyes”-Mitgliedsstaaten daher eher von marginaler Bedeutung sein.

            @Herr Schieb: Durchaus nachvollziehbar, dass Sie das falsch finden. Dennoch ändern Fakten gelegentlich Heile-Welt-Bilder; auch meine eigenen. Vielleicht lesen Sie nochmals Ihren selbst erstellten Beitrag “Innenminister inside!”. Und ich dachte eigentlich, dass gerade bei einem journalistisch tätigen Menschen -Stichwort “E-Evidence” (spon . de/afuNb)- die Blauäugigkeit hinsichtlich einer EU-Cloud kritischer ausgeprägt ist. ;)

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