Gekaufter Beifall: Viel zu viele Likes sind gekauft

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Gekaufter Beifall: Viel zu viele Likes sind gekauft

Kommentare zum Artikel: 7

Es ist ein Phänomen, das schon lange bekannt ist: Likes – also der leise, dafür aber für jeden sichtbare Applaus – auf Facebook, Instagram, YouTube und Co. ist käuflich. Wenn neben dem Foto auf Instagram 100 Herzchen stehen, muss das nichts bedeuten. Vielleicht sind 80 gekauft. Oder 99. Oder 100.

Es ist Realität: Wer nicht darauf warten will, dass Heerscharen von Besuchern herbeiströmen und den “Gefällt mir”-Button anklicken oder antippen, kauft sich diesen Crowd-Jubel einfach kurzerhand ein. Es gibt diverse Agenturen, die gegen Bezahlung für einen Like-Teppich sorgen. Damit die anderen denken: Wow – er oder sie hat aber eine Menge Zustimmung. Da mach ich doch mit… Je mehr jemand investiert, desto mehr Likes gibt es.

Einen Kaffee für einen Like

Gefällt mir gar nicht: Likes sind käuflich – einen Kaffee für einen Like

Wer Likes will, kann sie haben – gegen Bezahlung

Kollegen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung haben in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum untersucht, wer von solchen Likes profitiert. Ausgewertet wurde ein umfangreicher Datensatz des nach eigenen Angaben größten Anbieters dieser Art, der Firma Paidlikes aus Magdeburg. Die Firma beauftragt in großem Stil Clickworker – und die setzen ihre Likes je nach Wunsch des Auftraggebers. Es geht um rund 90.000 Social-Media-Seiten. Darunter die Seiten von Politikern und Parteien, von Unternehmen und Influencern, Friseuren und Fitnesstrainern – allerdings kaum bekannte Namen.

Wer es nötig hat, sich Likes einzukaufen, ist zu bedauern. Aber überraschen kann es nicht: In der Welt der Sozialen Netzwerke gilt eben nur der etwas, der viele Follower hat – und möglichst viele Likes bekommt. Reichweite ist eine Ressource. Je größer sie ist, desto höher die Preise, wenn ein Influencer etwas in die Kamera hält. Kapitalismus pur. Gefakte “Gefällt mir”-Zahlen können deshalb mittelbar zum Erfolg führen – und die Investition kann sich lohnen. Das Unternehmen „Paid Likes“ sagt übrigens, die Sehnsucht nach Ruhm im Netz sei ein legales und legitimes  Geschäftsmodell.

https://vimeo.com/379055375

Ab zu TikTok: Hier werden jetzt Likes gesammelt

Die Recherche zeigt: Dem Daumen nach oben bei Facebook oder dem Herzchen bei Instagram ist einfach nicht immer zu trauen. Neu ist diese Erkenntnis nicht – aber wichtig, sie bis in den letzten dunklen Winkel zu verteilen. Denn je mehr Menschen darum wissen, desto geringer ist das Risiko, dass Unternehmen, die Heerscharen von Anklick-Sklaven beschäftigen, weiterhin beauftragt werden, die “Gefällt mir”-Statistiken zu schönen.

Was die Menschen nicht alles anstellen, nur um Klick-Applaus zu bekommen, kann man derzeit besonders gut auf TikTok beobachten. Das neueste Netz-Phänomen: Die Nutzerzahlen explodieren hier aktuell. Vielleicht, weil auf Instagram teilweise schon keine Like-Zahlen mehr angezeigt werden. Instagram testet, wie es ankommt, wenn die Herzchen für die Allgemeinheit unsichtbar sind.

Gefällt keineswegs allen. Viele Menschen sind eben süchtig nach dieser fragwürdigen Art der Anerkennung.

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Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Danke für den Artikel! Auch wir haben oft über Käufe von Likes nachgedacht. Jedoch haben wir unsere Reichweiter auf Facebook organisch aufgebaut. Langfristig gesehen, bringt dies mehr. Aktuell liegen wir bei über 15.000 Likes auf der Seite und in der Gruppe. Es erfordert viel Mühe aber es zahlt sich irgendwann aus.

  2. A string trimmer is known by a variety of names across the world, the most popular ones being ‘line trimmer’, ‘weed eater’ and ‘strimmer’. It is a power tool used in gardens and farms for weeding or cutting grass or unnecessary smaller plants that have overgrown around objects.

  3. “Viele Menschen sind eben süchtig nach dieser fragwürdigen Art der Anerkennung.”
    Selbst die “Guten” wissen ziemlich genau, wie man sich technischer/unlauterer Hilfsmittel zwecks politischer “Überzeugungsarbeit” bedient. Sogar höchst prominent, z. B. hier nachzulesen,:
    deutsche-wirtschafts-nachrichten . de/2014/06/09/die-einsame-kanzlerin-musste-merkel-tausende-facebook-likes-im-ausland-kaufen

  4. Es geht übrigens nicht nur darum sich bei Facebook im Ruhm zu sonnen. Ob bei Google die Links, bei Facebook die Follower/Likes, bei Amazon die Bewertungen, bei YouTube die Clicks und Abonennten, das alles resultiert in handfesten Vorteilen beim Ranking.

    Nur wer beim Ranking vorne dabei ist wird gefunden und findet Beachtung, der Rest ist Hintergrundrauschen. Somit geht es um Geld, zum Teil um viel Geld.

    Es steht auch keine besondere Leistung dahinter Geld zu haben und sich solch einer Dienstleistung zu bedienen.

    Somit Schaden käufliche Likes/Follower, Links, Bewertungen anderen, welche dies nicht machen und der Gesellschaft als ganzes.

    Schluß der Gedankenkette ist, dass man jetzt darauf kommen könnte solch ein Geschäftsmodell zur gänze gesetzlich zu verbieten.

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