Immer mehr Cybercrime auf Telegram statt im Darknet

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Immer mehr Cybercrime auf Telegram statt im Darknet

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Die meisten haben sicher schon mal vom Darknet gehört, ohne selbst jemals dort gewesen zu sein. Im „Dunkelnetz“ bewegen sich Nutzer anonym. Es ist kaum möglich, Nutzer zu identifizieren oder ihren Weg nachzuverfolgen.

Deshalb wird das Darknet intensiv als Handelsplatz für illegale Geschäfte genutzt (dabei gibt es durchaus auch nützliche Anwendungen im Darknet). Drogen, pornografisches Material, entwendete Login-Daten oder Passwörter – so etwas wird im Darknet gehandelt.

Im Darknet herrscht ein hohes Maß an Anonymität (Sinnbild); Rechte: WDR/Schieb

Im Darknet herrscht ein hohes Maß an Anonymität (Sinnbild)

Telegram ist bequemer – und genauso sicher

Doch nicht jeder hat Lust, den technischen Aufwand zu betreiben, um ins Darknet abzusteigen. Auch Kriminelle sind bequem – und die haben ein neues Lieblingswerkzeug für sich entdeckt: Telegram. Der Messenger also, den Attila Hildmann nutzt (oder besser: genutzt hat), um mal eben zum „Blitzkrieg“ aufzurufen. Schnell installiert. Verschlüsselte Kommunikation. Check.

Laut einer Studie, die die Financial Times veröffentlicht hat, entwickelt sich Telegram immer mehr zum neuen Lieblingshort für Cybercrime. Demnach werden vor allem erbeutete Zugangsdaten (etwa Login-Daten) oder auch Hacker-Werkzeuge über den verschlüsselten Messenger-Dienst angeboten und verkauft. Laut Studie bietet Telegram „eine immer wichtigere Alternative zum Darknet“. Die meisten denken sich wohl: Warum aufwändig, wenn es auch einfach geht.

Telegram Atila Hildmann; Rechte: WDR/Schieb

Auch Attila Hildmann war und ist auf Telegram aktiv

Alles, was das kriminelle Herz begehrt

Hacker-Ausbeute, Drogenhandel, Antisemitismus, Pornografie: Auf der russischen Messenger-App scheint alles erlaubt. Ursprünglich gegründet wurde Telegram in Russland. Die Betreiber der App, die mittlerweile offiziell in Dubai sitzen, kooperieren grundsätzlich nicht mit Polizei und Sicherheitsbehörden. Hier unterscheidet sich Telegram offensichtlich deutlich von anderen Anbietern wie Facebook oder Google – und das zieht Kriminelle natürlich an, wie Motten das Licht.

Die Entwicklung kann uns nicht egal sein, denn wir sind alle betroffen. Ein konkretes Beispiel: Geleakte Datenbestände (etwa aus einem Hacker-Angriff erbeutete Zugangsdaten zu einem Portal oder auch persönlich Daten) werden heute auf Telegram-Kanälen mit zehntausenden Abonnenten zum Verkauf angeboten. Der kriminelle Handel geht schneller über die Bühne und erreicht mehr Leute. Bedeutet am Ende: Die Kriminalität nimmt deutlich zu.

Telegram ist nur schwer zu packen

Nur gelegentlich wird Telegram aktiv: Attila Hildmanns Reichweite hat Telegram empfindlich eingeschränkt. Auch dschihadistische Kanäle wurden gelöscht – oder nach dem Sturm aufs Capitol rechte Kanäle. Doch das sind Ausnahmen.

Das Problem hier bei uns: Telegram fällt nur bedingt unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG). Telegram ist halt nicht wirklich „öffentlich“. Eine Lücke, die eine neue Bundesregierung unbedingt nachbessern muss.

Warum Messenger mehr Sicherheit bei der Kommunikation bieten

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Carsten Mohr am

    Einfache Lösung: Nachverfolgung von Zahlungsströmen umbedingt ausweiten. Denn irgendwann muß Geld in irgendeiner Form fließen. Kryptowährung ist nur unter Ganoven eine konvertible „Währung“. Jeder gesund denkende „investiert“ nicht in Währungen dieser Sorte.
    Also, so kann man sehen, wann unten was bei wem heraus kommt und zack, zieht man es ein. Spätestens wenn bei Bulgari und Co. die Umsätze weggepfändet werden. Der Besitz an zu unrecht erlangtem Geld ist eben genausowenig möglich wie an Diebesgut, und da kann der Käufer auch nicht auf guten Glauben setzen.
    Liege ich da völlig falsch???

    • Hallo Carsten, das sehe ich anders. Es gibt mittlerweile etliche Dienste und Möglichkeiten um auch im Geschäft um die Ecke mit Kryptowährungen bezahlen zu können.
      Das bedeutet jedoch nicht, dass sie anonym seien. Im Grunde sind die Zahlungsströme deutlich einfacher nachzuverfolgen als bei Bargeld. Die Wallets sind ja schließlich auf der Blockchain öffentlich einsehbar ;)

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