Mark Zuckerberg, der Realitätsverweigerer

https://blog.wdr.de/digitalistan/mark-zuckerberg-der-realitaetsverweigerer/

Mark Zuckerberg, der Realitätsverweigerer

Kommentare zum Artikel: 11

Es läuft alles andere als rund für Facebook – und das ist eine gute Nachricht. Für uns, die Gesellschaft. Denn nur unter Druck verändern sich Dinge. Nur unter Druck agiert die Politik, reagieren Unternehmen, berichten Medien.

Und deshalb freue ich mich, dass Facebook dank der Berichte im Wall Street Journal (WSJ) und vor allem dank der Whistleblowerin Frances Haugen jetzt im Fokus der Aufmerksamkeit steht.

Mark Zuckerberg in seinem Netzwerk; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg reagiert unangemessen auf Kritik

Whistleblowerin spricht aus, was alle eigentlich wissen

Es ist doch so: Im Grunde sagt Frances Haugen nichts, was jemand, der mit offenen Augen die Aktivitäten der „Social Media“ beobachtet, nicht ohnehin wüsste und empört zur Kenntnis nimmt. Es kann unmöglich gesund sein, wenn jeder in einer nie dagewesenen Öffentlichkeit alles ungefiltert raushauen kann. Wenn brutalstmöglich auf kommerziellen Profit getrimmte Algorithmen entscheiden, was vielen Userinnen und Usern angezeigt wird, man könnte auch sagen: gehypt wird.

Wenn ein Konzern und vor allem seine alle Entscheidungen treffenden Algorithmen darauf getrimmt sind, maximalen Profit zu machen, kommen Moral, Ethik und Anstand zwangsweise unter die Räder. Es liegt an der Führungsspitze, da nachzujustieren – und anderen Werten eine Priorität einzuräumen. Etwa dem Klimaschutz, dem Wohlbefinden der Arbeitnehmer oder eben gesellschaftlichen Interessen. Das kostet die Unternehmen aber meistens Geld und muss deswegen proaktiv vorangebracht werden.

Whistleblowerin Frances Haugen kritisiert Facebook öffentlich; Rechte: WDR/Schieb

Whistleblowerin Frances Haugen bringt Facebook in Bedrängnis

Zuckerberg reagiert völlig unangemessen

Alles, was man von Mark Zuckerberg hört, klingt nach Verleugnung der Probleme. Auch was der Facebook-Chef jetzt auf die Vorwürfe von Frances Haugen antwortet: Zuckerberg argumentiert, man habe vor einigen Jahren entschieden, den Usern mehr Fotos und Videos von direkten Freunden zu zeigen. Facebook verdiene mit Werbeanzeigen, deren Auftraggeber nicht wünschten, ihre Werbung „neben schädlichen oder Wut erregenden Inhalten“ zu sehen. Er kenne keinen Tech-Konzern, der Produkte herstelle, die Menschen wütend oder depressiv machten. Kann also alles nicht stimmen, was Haugen sagt? Und was kann Zuckerberg dafür?

Das ist die Logik eines Menschen, der die Realität schlichtweg nicht sehen will. Der in seiner eigenen Welt lebt, der Facebook-Bubble. Es ist ungefähr so, wie wenn ein Fabrikant unbeirrbar behauptet, der aus seinen Schloten aufsteigende dunkelgelbe Rauch sei vollkommen unbedenklich. Die Farbe sei doch so schön.

Es braucht dringend eine Intervention. Denn Facebook, Instagram und WhatsApp sind heute eine Öffentlichkeit eigener Art (was man am Montagabend gemerkt hat, als die Dienste wegen eines technischen Problems weltweit stundenlang down waren). Wir können nicht zulassen, die Kontrolle darüber einem Mann zu überlassen, der erkennbar nicht in der Lage ist, die Verantwortung für das Handeln seines Weltkonzerns zu übernehmen.

https://vimeo.com/622354067

Das Wall Street Journal veröffentlicht interne Details

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Kommentare

  1. Bundeszentrale für politische Bildung:
    „Was ist Hate Speech?
    Der Begriff „Hate Speech“ bedeutet auf Deutsch „Hassrede“ und unterliegt einer noch sehr offenen Definition. Durch die fehlende Begriffsschärfe gilt dieser als politischer Begriff mit mehr oder weniger starken Bezügen zu juristischen Tatbeständen.“
    – –
    Und wenn gefordert wird bei „weniger starken Bezügen zu juristischen Tatbeständen“ Beiträge zu löschen dann ist das schlicht und einfach Zensur.
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    Realitätsverweigerung ist es gesellschaftliche Probleme mit Zensur lösen zu wollen, oder mit politischer Korrektheit. Diskussion brauchen manchmal deutliche Worte, die Grenzen werden aber vom Strafrecht gesetzt nicht vom WDR, Zuckerberg oder Frances Haugen.
    – –
    Snoden hat den Schutz als Whistleblower verdient weil laut Wikipedia:
    „Einige US-Politiker und IT-Sicherheitsexperten sowie zahlreiche Bürgerrechtsgruppen und -aktivisten haben die ohne konkreten Verdacht vorgenommenen Überwachungsmaßnahmen im Rahmen des Programms als „illegal“ bzw. als „Bruch der US-Verfassung“ bezeichnet.“
    Dieser Ansicht schließe ich mich an, allerdings ist meine Meinung in den USA nicht besonders gefragt.
    – –
    Frances Haugen wollte aber mehr Eingriffe als das Strafrecht in den USA hergibt und das beißt sich mit der Meinungsfreiheit sowohl in der US-Verfassung als auch in unserem Grundgesetz.

  2. In diesem Blog wird doch regelmäßig mehr Medienkompetenz gefordert.
    Wenn der gewiefte Umsatzbeschleuniger Zuckerberg hier als „Realitäsverweigerer“ bezeichnet wird, wie wären dann diejenigen zu bezeichnen, die u.a. trotz der Vielzahl aufgedeckter Skandale und schwerster Datenschutzvergehen rund um dessen Konzern, sich immer noch brav dem Geschäftsmodell unterwerfen, indem sie sorglos den Diensten ihre privaten Daten spenden und sich von dem Typen dazu noch süffisant belächeln, vielmehr auslachen, belügen und v e r a******, lassen?

  3. Leute, verweigert euch einfach einem CIO der sich die Realität nach eigenem Gusto nur schönfärbt ! Verweigert euch dem Fratzenbuck und trefft euch wieder leiblich in Kneipen oder Stadtfesten auf ein reelles Gespräch unter wirklichen, leibhaftigen Freunden. Verweigert euch der Werbewirtschaft, die scheinbar nichts unversucht läßt, die Leute mit ihrem Mist zu nerven ohne Ende ! Ich habe es auch geschafft, mich den ganzen sozialen Netzwerken standhaft zu verweigern und mich mit Werbung zumüllen zu lassen, es geht auch ohne und ich muß sagen, es geht mir sehr gut dabei…

    • HERAUS_AUS_DER_SUCHT! am

      BRAVO! Volle Zustimmung!
      Auch ich hatte noch nie das Gefühl, es fehle mir etwas, weil ich weder dieses Facebook noch dieses Instagram noch dieses Twitter und wie die asozialen Netzwerke und ihre Komplicen auch heißen, jemals benutzt habe.
      Im Gegenteil tun mir diejenigen sehr leid, die sich in diese multiple Sucht – denn nichts anderes ist es! – haben treiben lassen, und erst recht tun mir natürlich die Opfer von Haß, Hetze, Cybermobbing und Ähnlichem leid, das die zumeist jungen Opfer in Suizide und Magersucht treibt.
      Allerdings: Auch junge Süchtige können clean werden und sich von Smartphone- und Asoziale-Medien-Sucht befreien!
      Zu begrüßen ist natürlich auch das stete Mahnen, Aufdecken und Warnen hier in Digitalistan, insbesondere von Jörg Schieb, dem insgesamt nur beigepflichtet werden kann.
      ABER: WARUM UNTERHÄLT DER WDR DANN WIDER BESSERES WISSEN SELBER ACCOUNTS BEI DEN ASOZIALEN NETZWERKEN…..?!
      Eine immer wieder gestellte, aber nie befriedigend resp. überhaupt nicht beantwortete Frage….

  4. Carsten Mohr am

    Na, wer gefühlt mehrere Hektomilliarden Dollar besitzt, fußt nicht mehr auf unserem Boden. Von gestern bis heute 6 Millarden Dollar weniger im Portmonai und trotzdem bekommt man das Grinsen aaus seinem Gesicht nicht heraus. Also warum wundert man sich über seine Aussagen…

    • Man darf sich nicht darueber wundern. Es ist Aufgabe von Herrn Zuckerberg Gewinn fuer seine Aktionaere zu erwirtschaften und dafuer ist alles akzeptabel das ihn nicht unmittelbar ins Gefaengnis bringt. Natuerlich gehoert dazu auch einen schicken Anzug zu tragen und im Zweifel vor der Kamera zu luegen. Jeder der Aktien hat wird dies von „seinem“ Unternehmen erwarten.
      Man darf aber nicht erwarten das er im Nutzerinteresse handelt. Erst wenn es so schlimm wird das ihm die Nutzer weglaufen und er deshalb weniger Geld von der Werbeindustrie bekommt wird er sich aendern.

      Olaf

      • Ja , du hast Recht. Aber es gibt nur ein Wort dafür : Heuchelei!
        Dies hat Jesus oft benutzt für seine Gegner.
        Gott hasst Heuchelei…

  5. Ich habe weder Facebook noch Instagram oder Twitter. Ich muss der Welt auch nicht zeigen, was ich gerade esse, wo ich gerade gehe, stehe, sitze oder wie toll mein Po im Seitenprofil meines Spiegels aussieht. In den Nachrichten gestern eine junge Dame auf das Down der Dienste angesprochen: „OMG, ich wusste gar nicht was ich tun sollte, habe aus Verzweiflung Fernsehen geguckt“. Und ich denke so: „warum ist das überhaupt eine Meldung in der Tagesschau wert? OMG Facbook musste den Rechner neu starten!!! OMG“.
    Aber das alles ist 2021. Eine Welt voller Smombies. Leute, geht mal vor die Türe und holt tief frische Luft. Den Konzern dafür verantwortlich zu machen, ist viel zu einfach. Ich beschuldige ja auch nicht Milka, nur weil Kinder wegen faulen Zähnen zum Zahnarzt müssen, oder? Apps kann man auch löschen.

    • Ich finde das ist so eine art alte Leute Gerede. Es lassen sich auch jede Menge positive Nutzerszenarios finden. Man vergleiche nur mal mit dem fruehen Usenet. Nur wie ich schon sagte, Facebook ist nicht fuer die Nutzer optimiert.

      Ansonsten koennte man auch sagen, gerade weil die Tagesschau es fuer notwendig haelt sowas zu melden ist das Fernsehen so schlecht das man verzweifelt sein muss um es zu nutzen. :-)
      Und im uebrigen hat unsere Gesellschaft ein grosses Problem mit der Lebensmittelindustrie seit dem Zucker so preiswert geworden ist und seitdem es sinnvoll geworden ist zur Gewinnmaximierung den Kunden moeglichst viel davon ins Essen zu kippen.

      Olaf

      p.s: Wuerde man die Qualitaet des WDRs steigern wenn man als Rechenaufgabe unter diesen Postings auch komplexere Rechnenoperationen verlangen wuerde? :-D Und darf man so die schlichteren Mitglieder unserer Gesellschaft ausschliessen? Das ist letztlich auch ein Problem von Facebook…

  6. Facebook ist einfach nur eine Firma die wie jede andere Firma darauf achtet Kundenfreundlich zu sein. Der Kunde ist Koenig! Nur dann kann so eine Firma Gewinn machen oder seine Gewinne steigern. Der Kunden von Facebook ist aber die Werbeindustrie. Die Nutzer stellen das Rohmaterial da was in dem Betrieb zum Produkt verarbeitet wird. Gefaellt einem das nicht muss man dafuer sorgen das die Nutzer das System finanzieren. Eine Zeitung die man am Kiosk kauft ist auch deutlich besser wie das Schmierblatt das einem Umsonst in den Briefkasten geworden wird.

    Olaf

  7. Schade, dass die Dienste schon nach 7 Stunden wieder funktionierten. Sie hätten mindestens 7 Wochen „down“ sein müssen. Dann hätten manche User vielleicht gemerkt, dass man sie nicht wirklich bzw. gar nicht braucht, diese mehr als zweifelhafte „Öffentlichkeit, eigener Art“.

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