So filmt man 360° Videos

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So filmt man 360° Videos

Kommentare zum Artikel: 14

Zusammen mit Dennis habe ich kürzlich ein 360°-Video für die WDR Servicezeit in deren Fernsehstudio produziert. Das Ergebnis ist im folgenden Youtube-Video zu sehen (Zumindest für diejenigen, die einen aktuellen Browser nutzen; wenn das Bild nach dem Klick auf den Play Button weiterhin verzerrt bleibt, funktioniert wahrscheinlich diese Version).

Weil hier und da Fragen zur Technik auftauchten, schreibe ich hier einmal auf, wie der Clip entstanden ist.

1. Kamera

Es gibt verschiedene Aufnahmetechniken für 360° Videos. In den meisten Fällen werden dafür mehrere kleine Kameras, die in verschiedene Richtungen blicken, zusammengeschaltet. Man muss abwägen: Mehr Kameras führen meistens zu einer besseren technischen Qualität des 360° Videos, allerdings wird mit jeder zusätzlichen Kamera auch das Zusammenfügen der einzelnen Videos später aufwändiger.
Wir haben sechs kleine GoPro-Kameras verwendet. Die Kameras sind in ein Kunststoffgestell eingebaut, so dass sie in alle Richtungen blicken. Jede einzelne Kamera hat mit einer Auflösung von 1920×1440 Pixeln und 60 Bildern pro Sekunde aufgenommen.

2. Aufnahme

Für unser Video stand das Kameragestell auf einem einfachen dünnen Stativ, die sechs Kameras wurden über eine Fernbedienung gestartet und gestoppt. Die Aufnahme selbst ist ein bisschen „tricky“, es gibt viel zu beachten. So sollte man vorab prüfen, wo die Nähte zwischen den verschiedenen Kameraaufnahmen verlaufen. Wenn es geht, sollte möglichst wenig Bewegung über die Grenzen der einzelnen Kamerablickwinkel hinaus erfolgen. Das hat in unserem Video nicht immer so gut geklappt. Manchmal zuckt Dennis ein bisschen seltsam oder er ist kurzzeitig doppelt zu sehen. Das Problem ist größer, wenn die Bewegung nah an der Kamera stattfindet und sehr viel geringer, wenn die Person ein paar Meter von der Kamera entfernt über die Grenzen tritt.
Der Ton wird separat aufgenommen und muss bei der Nachbearbeitung dem Video hinzugefügt werden. Hier ist es hilfreich, wenn man in die Kamera eine Klappe schlägt, dann klappt die Synchronisierung später besser.

3. Bearbeitung

Zur Nachbearbeitung haben wir das Programm „Autopano Video“ verwendet. Hier werden die sechs aufgezeichneten Videos reingeladen und dann zusammengefügt. Das Programm hat einige Automatikfunktionen, die in vielen Fällen schon zu relativ guten Ergebnissen führen, das Feintuning muss dann aber von Hand gemacht werden. Das fertige zusammengesetzte Video wird dann noch in einem üblichen Videoschnittprogramm nachbearbeitet (Farbkorrektur, Ton).
Das sehen die sechs Kameras; Rechte: WDR/OhrndorfSo sehen die sechs Kameras das WDR Studio

4. Veröffentlichung

Es gibt inzwischen verschiedene Möglichkeiten, 360° Videos zu veröffentlichen. Leider ist keine dieser Möglichkeiten für alle Nutzer ideal.

  • Facebook macht es seinen Nutzern zwar einfach: Es muss keine neue App installiert werden, die 360°-Darstellung funktioniert mit den allermeisten Geräten. Dafür ist die Videoqualität und -größe nicht so richtig gut und man kann sich die Videos nicht mit einer Cardboard-Pappbrille anschauen.
  • Bei Youtube funktioniert die 360°-Funktion mit zunehmend mehr Browsern und die Darstellung in der kostenlosen Youtube-App ist auch ganz gut. Cardboard-Nutzung funktioniert auf iOS-Geräten aber noch nicht und die Videoqualität ist gut, aber nicht sehr gut
  • Aus meiner subjektiven Sicht die beste Videoqualität bietet Kolor Eyes, auf Desktop-Computern läuft es auch ganz gut, auf mobilen Geräten muss aber erst eine spezielle kostenlose App installiert werden. Die Editier- und Einstellmöglichkeiten sind hier auch nur sehr beschränkt.

5. Fazit

Wir sind mit dem Ergebnis soweit ganz zufrieden, haben aber auch für das nächste Video einiges gelernt. Vor allem lohnt es sich sicher, die Ausrichtung der Kameras noch genauer zu kontrollieren, um die „Nähte“ zwischen den verschiedenen Videos besser auszurichten.

Über den Autor

Elektronikbasteln hat David schon immer fasziniert. Nach BWL-Studium und WDR-Volontariat arbeitet er als Journalist für Fernseh- und Online-Redaktionen. Mit Stefan Domke hat er das Storytelling-Tool Pageflow erfunden, für das er 2014 einen Grimme Online Award bekam.

14 Kommentare

  1. 360 Grad Kameras sind auf jeden Fall ein schnell wachsender Markt und hier wird sich in den nächsten Monaten noch einigen tun. Trotzdem muss ich sagen das ich 360Grad Videos in einer herkömmlichen Anwendung nicht besonders reizvoll finde. zB auf dem Laptop im Facebookfeed oder ähnlichem. Da bevorzuge ich meistens doch noch das „normale“ Format bei dem der Kameramann genau ausgewählt hat was er denn filmen möchte.

    Bei einer VR Brille sieht es natürlich schon anders aus. Hier gibt es echt einige beeindruckende Aufnahmen!

    Gruß,
    Philipp

  2. Ich finde es super cool, was mittlerweile alles machbar ist. Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, gabs noch VHS-Aufnahmegeräte – mega klobige Dinger. Und jetzt gibts 360° Kameras, die (fast) in die Hosentasche passen.

  3. Leider ist die Endbearbeitung und der Prozess, wie man die Videos auf den Social Media Plattformen hoch lädt, noch lange nicht einheitlich und hängt stark von der Kamera, von deren Betriebssystem auf dem Smartphone und vom Procedere, eventuell über einen Computer gehen, ab. Letztes wird dann auch wieder von der Kompatibilität des Programmes mit Windows oder MacOS bestimmt.

    • Noch ist alles recht neu, aber wie immer schreitet die Entwicklung bei Technik sehr rasch voran. Deshalb denke ich das in absehbarer Zeit eine Lösung vorhanden sein wird. Hier kann ich mir eine App/Software vorstellen welche einfach das gedrehte Video für die jeweilige Plattform konvertiert.
      Ich denke sogar das so etwas ziemlich rasch am Markt sein wird, Bedarf besteht auf jeden Fall und 360 Grad wird immer beliebter ;-)

    • David Ohrndorf am

      Es gibt da eine sehr große Bandbreite. Für eine günstige Kamera mit eingeschränkter Qualität zahlen sie 300 bis 400 Euro. Bei der Konstruktion mit 6 GoPros sind sie aber auch schnell bei 2 bis 3.000 Euro. Für den privaten Einsatz würde ich persönlich noch ein halbes Jahr warten, dann müssten viele der zur Zeit angekündigten Kameras auch im Handel sein.

      • Leider bleibt es nicht nur bei den 6 GoPros. Das Video muss wie im Artikel beschrieben bearbeitet werden und diese Softwares sind nicht gerade Schnäppchen. Schade eigentlich. Aber in näherer Zukunft sind zufriedenstellende Komplettlösungen erhältlich. Beste Grüße Timo

  4. Etwas ist mir nicht klar. Wenn ich z.B ein „normales“ GoPro, oder Nikon Keymission 360 Video in 720p anschaue empfinde ich die Quali an sich als gut. Wenn ich aber nun ein 360° Video in 720p anschaue erscheint mir dies eher wie 360p. Um eine fürs Auge vernünftige Quali zu erreichen bei 360° Videos muss man schon fast auf 4K gehen. Was hat das für Gründe? Thx

    • David Ohrndorf am

      Das liegt am Ausschnitt, der auf dem Wiedergabegerät gezeigt wird. Man sieht in der 360°-Ansicht ja immer nur einen Ausschnitt des gesamten Videos und dessen Auflösung ist halt deutlich kleiner und damit pixeliger. Mal als Beispiel: Wenn das komplette Video in 1080p produziert wurde, ist die Auflösung des Ausschnitts der zu sehen ist, meist geringer als bei SD-Videos.

  5. Hallo David,
    sehr interessant, dass das tatsächlich mit 6 Kameras funktioniert. Die angesprochene Problematik bei Bewegungen über die Bildgrenzen lässt sich sicher in den meisten Fällen vernachlässigen. Mich würde noch interessieren, wer die Kamerahalterungen anbietet für 6 oder auch mehr Gopros.
    Mit besten Grüßen
    Michael

    • Ich glaube so bietet die noch keiner an, es gibt jedoch extra Dateien mit denen du den 3D Drucker füllen kannst. So bekommst du dann eine solche Halterung. Meistens muss man diese aber noch anpassen, ist ne ziemliche Fummelarbeit.

  6. Hab ich schlechten Stoff geraucht, oder seid Ihr besoffen?
    360° Videos mit „NUR“ sechs GoPros? Die bei der Veröffentlichung nichtmal mit jedem Betriebssystem und auf jedem Gerät mit der Pappbrille funktionieren?
    Das kanns ja wohl nicht sein.
    Ich hoffe, diese „Forschungsarbeit“ wurde nicht aus dem „Rundfunkbeitrag“ finanziert, der bei mir- und allen anderen Gebührenzahlern- zwangseingetrieben wird.

    • David Ohrndorf am

      Lieber Michael,

      vielen Dank für Deine Rückmeldung. Auf welchem Betriebssystem und mit welchem Gerät funktioniert es denn nicht?

      Viele Grüße
      David.

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