Und wie viele Eco-Punkte hat Dein Smartphone?

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Und wie viele Eco-Punkte hat Dein Smartphone?

Kommentare zum Artikel: 6

Bessere Kamera, schnellerer Prozessor, mehr Funktionen – und bitte möglichst schick und dünn: Bislang haben Smartphone-Käufer vor allem auf solche Aspekte geachtet, wenn sie sich ein neues Gerät angeschafft haben. Nur „stylische“ Geräte mit möglichst viel (neuem) technischen Schnickschnack hatten lange Zeit eine Chance, möglichst viele Kunden zu begeistern.

Eco Rating: Hardware wird nach diversen Aspekten bewertet; Rechte: WDR/Schieb

Eco Rating: Hardware wird nach diversen Aspekten bewertet

Neue Hardware belastet immer die Umwelt

Doch das ändert sich allmählich. Zwar nicht unbedingt rasend schnell, doch es hat sich herumgesprochen: Die Nutzung digitaler Medien verursacht einen hohen CO2-Ausstoß, vor allem das Streaming. Aber auch die Geräte selbst werden alles andere als umweltschonend hergestellt – und entsorgt. Das alles kostet Ressourcen und belastet die Umwelt – und sorgt zunehmend für einen gewissen Scham-Faktor beim Hardwarekauf.

Immer mehr Kunden achten auf Nachhaltigkeit. Die Art der Herstellung wird langsam zu einem Verkaufsargument. Das haben auch die Mobilfunk-Provider erkannt. Die europäischen Mobilfunk-Anbieter haben jetzt ein gemeinsam betriebenes „Eco Rating“ angekündigt: Schon bald wollen die Provider alle Smartphones nach diversen Öko-Gesichtspunkten vermessen und Punkte vergeben.

Wie nachhaltig ist die Herstellung, wie langlebig ist das Gerät, wie gut lässt sich das Gerät reparieren – und wie umweltschonend (oder eben nicht) wird es hergestellt. Für alles gibt es Punkte – bis zu 100 Punkte sind möglich.

Nicht alle Handy-Hersteller mit von der Partie

Die Idee ist grundsätzlich gut. Aber noch wollen nicht alle Handy-Hersteller mitmachen. Ausgerechnet Apple, Sony und Google sind noch nicht mit an Bord. Eine Kooperation ist erforderlich, da die Hersteller Auskunft geben müssen, etwa über die genauen Herstellungsbedingungen – oder wo die verwendeten Ressourcen herkommen.

Erstaunlicherweise macht auch Fairphone nicht mit – dabei bauen die Niederländer die mit Abstand nachhaltigsten und umweltfreundlichsten Smartphones. Fairphone gefällt das Bewertungssystem nicht. Es würden nicht alle relevanten Aspekte bei der Bewertung berücksichtigt.

Der große Wurf ist das geplante „Eco Rating“ also noch nicht, aber eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung: Hin zu mehr Sensibilität beim Einkauf von Hardware.

Alte Smartphones sollten fachgerecht entsorgt werden; Rechte: Pixabay

Alte Smartphones sollten fachgerecht entsorgt werden können

Ein Schritt in Richtung „Klima Awareness“

Allerdings könnten und sollten die Mobilfunk-Anbieter nicht nur auf die Hardware schauen, sondern auch auf ihre eigene Öko-Bilanz.  Wer weiß: Möglicherweise soll die Bewertung der Hardware nur von der Tatsache ablenken, dass auch Mobilfunk alles andere als klimafreundlich ist. Denn die Mobilfunk-Anbieter verbrauchen enorme Mengen Energie für ihre Netzwerke und Rechenzentren.

Auch hier müssen wir unbedingt genauer hinschauen: Wie ökologisch werden Rechenzentren betrieben? Auch hier wäre ein Öko-Siegel denkbar – ja, sogar dringend erforderlich. Damit die Verbraucher entscheiden können, in welchem Netzwerk sie unterwegs sein wollen.

Wir stehen eben erst am Anfang.

Auch beim Handy-Kauf spielt Klimaschutz eine Rolle

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

6 Kommentare

  1. Rauchzeichengeber am

    Bis heute habe ich kein Smartphone und ich benötige auch keines. Im Gegenteil, ich telefoniere fast nur mit meinem kabelgebundenen Festnetz-Telefon und für unterwegs für alle Fälle habe ich ein Kult-Handy aus Finnland. So verfahre ich in vielen Lebenslagen wie Auto, Elektrogeräte, Möbel, Werkzeug etc. Ich muss nicht immer auf dem neuesten Stand sein und unterwerfe mich keinem Gruppenzwang. Ohne jemals grün gewählt zu haben, handele ich schon lange so umweltfreundlich. Zu manchen Dingen sage ich konsequent nein und ich würde mir wünsche, dass mehr Menschen nein sagen – auch bezüglich der aktuellen C-Thematik.

  2. Mein Smartphone hat sehr viele „Eco-Punkte“. Ich habe nämlich keines. Aus Gründen des Umweltschutzes und vor allem benötige ich keines. Ich habe ein Festnetztelefon. Das reicht mir völlig aus, erst recht zu Coranazeiten, wo ich sowieso dauernd im Homeoffice bin.

  3. Buschtrommelkommunizierer am

    Braucht man ein Smartphone? Braucht man ein Handy?
    .
    Wer beim Thema Umwelt auf der Skala in die Nähe von Öko-Radikalen kommt dürfte den Krempel gar nicht besitzen. Auf dieser Skala wäre ich eher in der Nähe der Klima-Leugner (blöder Begriff), habe aber beides nicht. An der frischen Luft will ich einfach nur nicht genervt werden und irgendwann habe ich mich dann gefragt welchen Sinn es macht mit einem ausgeschalteten Handy rumzulaufen.
    .
    Das darf jeder anders sehen aber dann muss man abwägen zwischen
    – „Eco-Rating“
    – Kosten-Rating
    – Leistungs-Rating
    – Angeber-Rating

  4. Carsten Mohr am

    Konsum = Wirtschaft = Arbeit = Löhne = Steuern = Sozialsysteme = …
    Immer Neu muß sein. Denn wenn alle ein iPhone haben und sich, wie ich, kein neues mehr kaufen…dann kann keiner mehr Geld verdienen und hat sich „abgeschafft“.
    VWL, 1. Semester…
    Also, Neuerungen müssen sein.
    Klima?! Für wen, wenn es keinen mehr gibt, dem das sein wichtigstes Problem wäre?!

  5. „Klima Awareness“?
    Entweder „climate (change) awareness“ oder „Klima(wandel)bewusstsein“. Aber diese abstrusen bis peinlichen Sprachmischformen.
    Was soll das eigentlich bezwecken? Leute, wir können auch Englisch. Wir sind coole, voll hippe „Sprachswitcher“. ;)
    So auch z.B. bei Sky: „ohne Werbebreaks“, statt „ohne Werbepausen“ bzw. „no commercial breaks“.
    Hilfe! Help! — Helpfe! ;)

    • Ja, es stimmt: Viel zu viele englischsprachige Begriffe in unserer Sprache. Da stimme ich zu. Und „Klima Awareness“ ist kein schöner Begriff.

      Allerdings ist dieser Aspekt gleichzeitig nun wirklich auch nicht das wichtigste am Thema/Artikel. :)

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