Apple kämpft gegen Tracking – und macht Datenschutz zum Luxusgut

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Apple kämpft gegen Tracking – und macht Datenschutz zum Luxusgut

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Nächsten Monat erscheint eine neue Version des iPhone-Betriebssystems, die Fakten schaffen wird. iOS 14.5 klingt nach ein paar neuen Funktionen, nach geschlossenen Sicherheitslücken, nach klassischer Betriebssystempflege. Doch in Version 14.5 steckt Zündstoff: Sie erschwert Trackern ihre Arbeit. Zugriff auf die Geräte-ID gibt es nur noch gegen die Zustimmung der Nutzer – die einzelne Tracker auch abschalten können.

Das gefällt vor allem zwei Unternehmen nicht: Google und Facebook – deren Geschäft im Gegensatz zu dem von Apple daraus besteht, Profile über ihre Nutzer zu bilden, um viel Geld für passgenaue Werbeanzeigen zu verlangen. Facebook protestiert gegen die Pläne mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen und Kampagnenwebsites, mit denen es sich als Verteidiger kleiner Unternehmen geriert – und des Internets an sich.

Werbeanzeigen von Facebook

„Wir setzen uns für kleine Unternehmen überall gegen Apple ein“ und „Apple gegen das freie Internet“ – die ganzseitigen Anzeigen von Facebook, die unter anderem in der „New York Times“ und der „Washington Post“ erschienen sind.

Google verhält sich deutlich leiser als Facebook. Das dürfte auch daran liegen, dass das eigene Smartphone-Betriebssystem Android der einzige große Konkurrent von iOS ist. Und während Android in Europa auf einen Marktanteil von 80 Prozent kommt, liegen in den USA beide Unternehmen gleichauf: iOS kommt auf 50 Prozent Marktanteil. Und wieso sollte Google auf den großen Vorteil der Konkurrenz hinweisen?

Doch so gut und wichtig die Maßnahme von Apple auch ist: Sie findet in einer Gerätewelt statt, die sich viele Menschen nicht leisten können. Android-Smartphones sind schon für unter 100 Euro zu haben. Das preiswerteste iPhone SE dagegen kostet aktuell 479 Euro. Apple ist kein reiner Technologiekonzern. Apple ist ein Luxusgüterkonzern.

Audioplayer

Facebook vs. Apple – Tagesschau

Mit iOS 14.5 wird auch der Datenschutz zum Luxusgut. Hunderte Millionen Menschen, die es sich leisten können, können in Zukunft mit ein paar einfachen Einstellungen Google und Facebook in die Schranken weisen. Und Android-Nutzer werden weiter getrackt – zumindest von dem Unternehmen, von dem ihr Betriebssystem stammt.

Lösen kann dieses Problem nur der Gesetzgeber: Es ist eine Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen für die Sammlung und Auswertung von Daten so zu gestalten, dass es keine Frage des eigenen Kontostands ist, ob Menschen sich schützen können.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Digitalexperte in der ARD. Für Tagesschau und Morgenmagazin ordnet er die Entwicklungen in der digitalen Welt ein - und in Digitalistan bloggt er seit vielen Jahren darüber.

9 Kommentare

  1. Ich finde es in Ordnung wenn ein Teil des Smartphones der Apps/Dienste mit den eigenen Daten bezahlt werden können. Es sollte sich nur jeder bewusst darüber sein.

    Vielleicht gibt es halt kein Smartphone für 100€ ohne die Subventionen durch die Daten.

  2. Was Dennis hier nicht betrachtet ist das Google an der Stelle nicht mehr Konkurrenzfähig sein wird wenn sie nicht ebenfalls die Daumenschrauben anziehen werden. Ein wenig Wettbewerb – auch beim Datenschutz – kann auch insgesamt für alle Vorteile beim Tracking ergeben.

  3. Es muss ja nicht das über 1.000 EURO teure Flagschiff sein oder? Vergleichbare Android Geräte liegen in der gleichen Preisregion. Ein iPhone SE kostet neu 479,00 EURO. Zudem erhalten iPhones mindestens 5 Jahre, zuletzt waren es sogar teilweise 6 Jahre, Updates für ihr Gerät. Die Nutzungsdauer ist also sehr viel länger. Viele insbesondere günstige Android Geräte kann man zum Teil schon nach 1-2 Jahren in die Tonne werfen.

  4. Finde es immer sehr spannend, wie alle nur über Google/Facebook sprechen. Spätestens wenn man sich die DSGVO der Internetseiten anschaut, weiß man, das es schon lange nicht mehr kur Facebook/Google/Amazon sind, die fleißig sammeln. Das sind die Firmen, die über die leisten Nutzer verfügen und deren Geschäftsmodell ist für ALLE, sogar den Rundfunk scheinbar essenziell geworden. Zumindest hat ZDF in der DSGVO Google angegeben. In DE gibt es keinen „Datenschutz made in Germany“, und so sehr ich mir wünsche, das die Politik der Datensammelei einen Riegel vorschiebt: Es wird nicht passieren. Der Kapitalismus ist schon längst im iNet angekommen

    • In diesem Fall sind Google und Facebook relevant, nicht, weil sie die Datensammler sind, sondern weil sie die Betriebssysteme bereitstellen. Das hat Dennis ja auch gut herausgearbeitet.

  5. Hallo! Ich möchte mal eine repräsentative Gesamtkostenrechnung Android Hardware / IOS sehen. Alle Apple User die ich kenne nutzen ihr smartphone deutlich länger als Android Nutzer. Und wie lange beschäftige ich mich mit einem IOS gesteuerten Gerät gegenüber einem Android basierten Gerät um den gleichen Nutzungserfolg zu erreichen. Da dürfte erstmal rein gefühlt die Gesamtkostenrechnung ganz anders aussehen. Wer dazu verifizierbare Fakten hat… ich bin gespannt.

    • Das ist ein legitimes (und bekanntes) Argument, wenn man für seine Zeit Geld bekommt. Das ist leider nicht bei allen der Fall. Es liegt auf der Hand, dass ein Smartphone >1000 EUR nun keineswegs ein Massenprodukt sein kann. :)

  6. „Google verhält sich deutlich leiser als Facebook. Das dürfte auch daran liegen, dass das eigene Smartphone-Betriebssystem Android der einzige große Konkurrent von iOS ist.“
    Das dürfte vielmehr daran liegen, dass Google „Milliarden für den Suchmaschinendeal mit Apple“ bezahlt. Ca. 8-12 Milliarden USD/Jahr (vgl. heise-Meldung -4938841, 26.10.2020*):
    [*] „… die Summe mache zwischen 14 und 21 Prozent von Apples Jahresgewinn aus. […] Das US-Justizministerium hat Ermittlungen aufgenommen – und auch in der EU oder in Großbritannien schaut man sich den Vertrag genau an. Neben der Standard-Suchmaschine im Apple-Browser Safari ist Google auch in Apples Sprachassistenzsystem Siri integriert sowie in die Suchfunktion der Apple-Betriebssysteme. Nutzer können dies in Safari zwar ändern, „das machen aber nur wenige“. Entsprechend sei „Google praktisch die Exklusivsuchmaschine“, schreibt das US-Justizministerium. […]“.
    Kein Wunder, dass Google sich „deutlich leiser“ als FB verhält. ;-)

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