Ein klein wenig mehr Sicherheit bei digitalen Spielekäufen

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Ein klein wenig mehr Sicherheit bei digitalen Spielekäufen

Kommentare zum Artikel: 9

Wenn wir ein Spiel digital kaufen, werden wir es nie wieder los: Es wird an unseren Account gebunden und lässt sich nicht mehr umtauschen oder weiterverkaufen. In den meisten Fällen jedenfalls nicht. Sony kommt Käufern nun aber ein kleines Stück weit entgegen und experimentiert in Kanada und Großbritannien mit einer Art digitalem Rückgaberecht auf der Playstation.

Im Prinzip ist es eine Demo-Version: Wer neugierig auf die Spiele „Death Stranding“, „Biomutant“ oder „Sackboy“ ist, darf diese Spiele bis zu sechs Stunden lang ausprobieren. Wer danach überzeugt ist, kann die Spiele kaufen und unbegrenzt spielen. „Game Trials“ nennt Sony das.

Mit diesen ausgewählten Games ist das ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Game Trials gehen nicht weit genug

Wo es vor einigen Jahren zu vielen Spielen noch kostenlose Demoversionen gab, müssen sich die Spieler heute auf Testberichte verlassen und am Ende doch die Katze im Sack kaufen. Es wäre also eine gute Sache, wenn Sony mit diesen Game Trials gute Erfahrungen sammelt und sie international auf mehr Spiele anwendet. Warum nicht gleich auf den kompletten Sony-Spielekatalog?

Neu ist diese Art des Testspielens nicht: Auch auf Steam, der wichtigsten Plattform für PC-Spiele, können Games ausprobiert werden. Bedingung: Maximal zwei Stunden dürfen gespielt worden sein, so lange gibt es bei Rückgabe das Geld zurück.

Eine Szene aus dem Spiel "A Juggler's Tale". Bild: kaleidoscube

Spieleentwickler Dominik Schön über Game-Refunds auf Steam.

Gute Sache, zumal auf Steam wöchentlich Hunderte von Games veröffentlicht werden, mit vielen schlechten Produkten darunter. Vorteil für die Spieleentwickler: User, die ihr Geld wieder bekommen, können danach keine schlechte Bewertung mehr vergeben.

Missbrauch von Rückgabe-Feature

Aber dieses Feature wird ausgerechnet von denen missbraucht, deren Rechte es stärken soll: Es gibt Games, die kürzer sind als zwei Stunden, und Entwicklungsstudios klagen darüber, dass manche User sie durchspielen und sich dann ihr Geld zurückholen.

Vor allem kleine Indiegames trifft das hart. Der Entwickler von „Summer of 58“ hat deswegen Konsequenzen gezogen und die Spielebranche vorerst verlassen. Das Spiel lässt sich in 90 Minuten durchspielen, es kostet entsprechend nur ein paar Euro.

Die Möglichkeit, Videospiele vor dem Kauf zu testen oder unkompliziert zurückzugeben, ist ein überfälliger Service für alle Spieler. Wir sollten ihn nicht ausnutzen, um ein wenig Geld zu sparen. Das trickst das System aus – und macht es auf lange Sicht kaputt.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

9 Kommentare

  1. Bei Gog.com lade ich einen Installer herunter, den ich – sofern gesichert – jederzeit offline benutzen kann. Wenn ich natürlich bei DRM-Stores (STEAM, Origin, uPlay, EPIC, MS Store etc.) kaufe, muss ich mich nicht wundern, wenn das DRM eingesetzt wird und ich plötzlich keinen Zugriff mehr auf meine gekauften Medien habe.

  2. 2 Stunden bei Steam. Das ist nicht wirklich genug. Gerade bei größeren Spielen. Ich verstehe, dass Indie-Entwickler das anders sehen, aber gerade bei richtig großen (und teuren) Spielen läuft in zwei Stunden gerade mal das Tutorial.
    Aber nein, ich habe auch keine Idee, wie man das für Alle gerechter lösen kann.

    Was passiert, wenn Steam abschaltet? Da will ich gar nicht drüber nachdenken. Demnächst schaltet ein Streaminganbieter meines Vertrauens ab, bzw. wird fusioniert. Meine gekauften Filmlizenzen fallen natürlich „leider“ ersatzlos weg…

    • Thomas Ruscher am

      Eine Idee, die ich von einem Spieleentwickler gehört habe: Die Probezeit an die Spielzeit koppeln. Ein langes Spiel könnte dann auch noch nach fünf Stunden zurückgegeben werden, ein kleines Indiegame, das zwei Stunden lang ist, dann vielleicht nur 20 Minuten. Aber das sind natürlich nur Gedankenspielereien. Steam wird, vermute ich, an den zwei Stunden festhalten.

  3. Durchwinker am

    Ich habe eine Menge kleiner Indiegames, die viel kürzer sind und trotzdem auch mal gern 8 Euro kosten. Ich habe aber noch nie einen Grund gesehen hier irgendwas zurückzugeben, einfach, weil ich 1.) unterstützen will und 2.) das Spiel vielleicht danach nochmal spielen möchte, auch wenn das selten passiert aus Zeitgründen.

    Ich finde es auch ehrlich gesagt asozial bei solchen Spielen. Sollte ja möglich sein für Steam, dass man so etwas für kurze Spiele kurz überprüft, indem man dafür einen abstellt (brauchen ja eh nicht so lang dafür) und diese Feature dabei begrenzt auf zum Beispiel 30 Minuten.

  4. Nomen est omen
    Schon seit Jahren habe ich mir kein neues Spiel mehr gekauft obwohl ich noch zu denen gehöre die sich das locker leisten könnten. Jetzt bin ich auch nicht der Hardcore-Gamer und Spielspaß hängt für mich auch nicht davon ab wie sich der Prozessor anstrengen muss. Mit älteren und uralten Spielen, zum Teil mit WINE auf Linux gespielt, kann ich durchaus den Tag verbringen. Eines der besten Spiele der Geschichte bleibt Schach; ein paar Holzklötzchen auf einem Brettchen und das auch noch Klimaneutral.
    Liebe Spieleindustrie, ruft bei mir an wenn ich wieder eine Scheibe im Laden kaufen kann und die dann auch noch ohne Internet-Anmeldung läuft. Die kann ich dann meinen Kindern vererben, die auch mit Retro-Spielen klimaneutral und ohne Stromverbrauch gemacht wurden.

    • Thomas Ruscher am

      Das ist ja auch ein Problem von den digitalen Spiele-Bibliotheken: Was passiert mit den gekauften Spielen, wenn die Server abgeschaltet werden? Das ist zwar nur ein theoretisches Problem und bei Steam nicht absehbar, aber dennoch eine Überlegung wert.

      • Durchwinker am

        Ist ja schon oft passiert. Auch bei Spielen, die aufgrund unerwartet niedriger Spielerzahlen direkt wieder geschlossen haben ihre Server.
        Entweder man greift dann auf die Single-Player-Kampagne zurück, die es auch gibt oder das Geld ist einfach weg. Bei Multiplayer-Spielen wäre ich sowieso vorsichtig, wenn diese keinen Single-Player-Modus haben oder zumindest Local Mode. Aber da mag das, was man ausgibt, teilweise ja noch verkraftbar sein.

    • SUCHTBEKÄMPFUNG_TUT_NOT! am

      „Eines der besten Spiele der Geschichte bleibt Schach; ein paar Holzklötzchen auf einem Brettchen und das auch noch Klimaneutral.“
      Das ist wahr! Danke für diese Äußerung! :-)
      Auch habe ich noch nie von Schach-Süchtigen gehört oder gelesen, wohl aber sehr viel von Computer- und Online(spiel)sucht, welch letztere jetzt ja auch zu Recht endlich Eingang in die ICD gefunden hat.
      M.E. kann es nicht um „mehr Sicherheit bei digitalen Spielekäufen“ gehen, sondern muß es dringend darum gehen, die Leute dazu zu bringen, die Finger ganz davon zu lassen.
      Heroin, Crack und Kokain sind schließlich auch nicht wegen nichts illegal…
      Und was sind die sog. „Spiele“ anderes als digitales Crystal Meth…?
      Deswegen finde ich es auch gar nicht gut, wenn hier in Digitalistan der Spielesucht durch positive Artikel auch noch Vorschub geleistet wird!
      Spielt Schach, Leute! Schach, Mühle, Dame, Mensch-ärgere-Dich-nicht mit Holzfiguren auf Pappbrettern, und geht mal RAUS – und zwar OHNE Suchtphones!

      • Thomas Ruscher am

        Nichts gegen Schach und andere tolle Brettspiele. Aber „Videospiel“ ist auch nicht gleich „Videospiel“. Natürlich gibt es Games, die weniger Spaß machen sollen, als vor allem das Gehirn triggern, indem immer wieder die nächste Karotte vor die Nase gehalten wird und mit psychologischen Tricks arbeitet, damit Geld ausgegeben wird. Solche „Spiele“ (die Anführungszeichen sind da gar nicht verkehrt) kritisiere ich und rate von ihnen ab. Aber auf der anderen Seite gibt es auch Computerspiele, die spannende Geschichten erzählen, die ihre Spielerinnen und Spieler herausfordern, die mehrere Personen gegeneinander antreten lassen – ohne psychologische Tricks, aber mit klugen Ideen. Wie bei Schach.

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