Finger weg von Games-Vorbestellungen

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Finger weg von Games-Vorbestellungen

Kommentare zum Artikel: 14

Wer braucht eigentlich Vorbestellungen? Klar, es gibt Produkte, die sind so begehrt und so rar, dass sie den Online-Shops in Sekundenbruchteilen weggekauft werden. Verhinderte Playstation- und Xbox-Käufer wissen das. Warum aber sollte sich jemand ein digitales Produkt reservieren sollen?

Wer ein Videospiel downloaden möchte, muss nicht darauf warten, bis ausreichend Stück produziert worden sind. Jede Nachfrage kann befriedigt werden.

Oder?

In einem guten halben Jahr soll das Blockbuster-Game „Horizon: Forbidden West“ erscheinen. Weltweit sind Millionen von Playstation-Fans schon lange heiß darauf, mit der Heldin Aloy in einer postapokalyptischen Zukunft gegen Roboter-Dinosaurier zu kämpfen. Seit wenigen Tagen kann das Game schon bestellt werden.

Eine Szene aus "Horizon: Forbidden West". Bild: Guerrilla Games/ Sony

Die Spieleindustrie baut Hypes auf.

70 Euro kostet die Standardversion, 90 Euro die Digital Deluxe Version. Wer richtig Geld ausgeben will, kann für 230 Euro eine Sammler-Edition mit einer Statue der Heldin kaufen. Für 300 Euro gibt es die Statue in einem etwas anderen, natürlich selteneren Design. Die 300-Euro-Version ist längst ausverkauft, die Freaks haben zugeschlagen.

300 Euro für eine Packung und einen Download-Code

Was sie aber nicht gekauft haben: das Spiel auf einem physischen Datenträger. In den teuren Varianten liegt nur ein Zettelchen mit Download-Code in der Packung.

Absurd: Wer viel Geld ausgibt, kann seine Playstation nicht einmal mit einer BluRay füttern, sondern muss auf den Download warten. Hoffentlich taugt die Internetverbindung, wenn Dutzende von Gigabyte aus dem Netz gezogen werden.

Was sollen also die Vorbestellungen, wenn die Spieler am Ende sowieso darauf warten müssen, bis ihr Download fertig ist?

Eine Antwort: „Cyberpunk 2077“. Voriges Jahr ist dieses Game erschienen, es gab grandiose acht Millionen Vorab-Bestellungen – und dann hat sich gezeigt, dass „Cyberpunk 2077“ auf den Konsolen eine technische Katastrophe ist. Mehr als neun Monate nach Veröffentlichung sind die Probleme immer noch nicht gelöst; die Entwicklungskosten sind trotzdem längst wieder eingespielt.

Man weiß nicht, was man bekommt

Wer vorbestellt, kauft die Katze im Sacke. Während die Spieleentwickler bereits massenhaft kassieren, achten sie penibel darauf, dass mögliche Schwächen und Fehler ihrer Produkte versteckt bleiben. Erst nach der Veröffentlichung – wenn die meisten schon das Spiel gekauft haben – dürfen Kritiken erscheinen und Schwächen öffentlich gemacht werden.

Also: Finger weg von Vorbestellungen – sie bringen nur den Herstellern was, nicht aber den Kunden.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

14 Kommentare

  1. Dem Hersteller schon vorab das Geld in den Rachen zu werfen, scheint auf den ersten Blick unvorteilhaft für den Käufer zu sein. Wenn man als Zocker aber komplett von einem Spiel überzeugt ist, regelrecht mitfiebert bis es komplett released wird und dem Produzenten vertraut, kann man das durchaus machen. Da spielen die Emotionen eben eine sehr wichtige und große Rolle, die sozusagen mit gekauft und durch Sammelboxen/Figuren verstärkt werden. Das Warten auf den Release ist also auch ein Erlebnis an sich, welches das Leben bereichern kann und dieses Gefühl kauft man eben am Ende mit.

    Und davon leben zum Teil auch Plattformen wie Kickstarter. Vorbestellungen und Investitionen müssen also nicht logisch/rational nachvollziehbar sein, auch wenn die Leistung also die Veröffentlichung des Spiels noch lange auf sich warten lässt.

  2. Durchwinker am

    Bei physischen Sammelboxen, wo dann zum Beispiel noch ein Artbook, eine Figur und ähnliches zusätzlich zum Spiel dabei sind, kann ich das voll verstehen und das habe ich ehrlich gesagt auch selbst schon gemacht – war aber vielleicht sogar kurz nach Release.

    Ansonsten hab ich Spiele aber auch schon teilweise, nicht oft, eher selten, aber trotzdem, auf Kickstarter unterstützt – das ist zwar per se keine Vorbestellung, aber trotzdem so etwas Ähnliches. Auch hier dann aber oft mit Paketen, wo noch einmal physischer „Merch“ dabei war – und nur bei Spielen, wo man auch bereits sah, dass es gut werden wird. Sind zwar Indiegames gewesen, und klar, da wartet man dann teilweise doch noch ein paar Monate länger als die Frist eigentlich war (mag jedenfalls vorkommen), doch am Ende bekommt man fast immer sogar noch mehr als das, was man erwartet hat.

    • Thomas Ruscher am

      Gerade bei Kickstarter ist es im Idealfall ja so, dass man ein Projekt unterstützt, dass sonst gar nicht erst realisiert worden wäre. Wobei in vielen Fällen Kickstarter zuletzt auch eher zu einer Marketingaktion geworden ist.

  3. Mike van Dijk am

    Ich spiele seit Jahrzenten selber, ob am PC oder an der Konsole soll mal dahingestellt bleiben. Hatte nie das Bedürfnis mir etwas vor dem Erscheinungsdatum zu kaufen, warum auch. Ist eh nur ein digitaler download. Von den Goodies die bei Exklusiv Vorbestellungen dabei sein können, Figur oder Sammlerstücke (welche es u. U. auch einzeln für weniger Geld zu kaufen gibt) in jeglicher Form, sollte man sich nicht blenden lassen. Meistens werden Spiele 2-3 Monate nach release deutlich günstiger. Vorteil: Nach diversen Updates dann „bug free“ und somit eher ein Erlebnis für den Käufer. Geduld ist eine Tugend, so far so good: stay smart ;)

      • Thomas Ruscher am

        Wie es eben so ist mit Hobbys und Leidenschaften: Manche geben viel Geld für ihr Auto aus, andere für Schallplatten, wieder andere für Sammlerstücke zu bestimmten Videospielen. Muss man niemanden für beleidigen, finde ich.

  4. Ja es ist schon kurios. Den „Cyberpunk 2077“ stellt ja beileibe keinen Einzelfall dar, wo ein Computerspiel zum Release fast unspielbar ist. Wo der Shitstorm danach immens erscheint und viele schwören niemals, nie, nicht wieder ein Computerspiel vorzubestellen.

    Doch der Eindruck existiert, das wie in vielen anderen Bereichen, das Wort billig ist und kaum einer wirklich Taten folgen lässt.

    Dabei hat es rational gesehen gewaltige Vorteile ein Computerspiel erst zum oder besser noch Monate nach Release zu kaufen. Oft bessere Qualität, mehr Information ob das Spiel einem auch gefallen könnte, oft direkt verfügbare Erweiterungen, die Gewissheit das es ein Spiel bis zum Release geschafft hat (siehe Star Citizen), dass die Entwickler Ihren Versprechungen nachkommen (siehe Anthem).

    Doch will ich mich wirklich beschweren ? Nein, ich persönlich profitiere davon, den dadurch werden Spiele schneller im Preis gesenkt und ich kann neben den schon genannten Vorteilen auch den Vorteil eines günstigeren Preises mitnehmen.

    • Thomas Ruscher am

      Bei dem angesprochenen „Horizon: Forbidden West“ dürfte der Preis nicht so schnell sinken, weil es ein Exklusivtitel für die Playstation ist, aber stimmt schon: Die Preise von Games rauschen oft rasend schnell in den Keller und werden teilweise schon nach wenigen Monaten zum halben Preis verkauft. So entsteht dann ja auch der Pile of Shame: Wenn ein Game nur ein paar Euro kostet, kann man es sich kaufen, auch wenn man gerade gar keine Zeit oder Lust darauf hat – irgendwann wird es schon noch gespielt (oder, wahrscheinlicher, eben doch nicht).

  5. Prinzipiell sehe ich das genau so. Man sollte allerdings schon auch sehen, dass viele Vorbestellungen nicht Resultat rationaler Überlegungen sind, sondern eher Ausdruck von Euphorie und Begeisterungsfähigkeit sowie der Absicht, einen Entwickler, der in Vergangenheit gute Arbeit geleistet hat, bereits in der Entwicklungsphase eines neuen Titels zu unterstützen. Das muss ja nicht grundsätzlich schlecht sein und den allermeisten dürfte dabei auch klar sein, dass sie die Katze im Sack kaufen. Angesichts der meist sehr überschaubaren Beträge, um die es dabei geht, stellt das offenbar auch für die wenigsten ein Problem dar.

    • Zitat: „Angesichts der meist sehr überschaubaren Beträge“

      Im einzelnen korrekt, doch es scheint nicht wenige Menschen zu geben, die über Ihre Euphorie und Begeisterungsfähigkeit die Kontrolle verlieren.

      Alleine das es einen „Fachausdruck“ dafür gibt, den sogenannten „Pile of Shame“ ist sehr bezeichnend und zeigt das sich viele dann doch nicht so wirklich im klaren darüber sind was sie gerade to tun.

      • Der Pile of Shame hat aber nichts mit Vorbestellungen zu tun, sondern mit einem generellen digitalen Überangebot von Spielen, Musik, Filmen und E-Books, das sehr preiswert oder – halblegal oder illegal – sogar kostenlos im Netz zu finden ist. Ein PoS entsteht ja zu allererst dadurch, dass man bei Bundles oder Sales zu einem Spottpreis mehr Titel in den Einkaufskorb packt als man realistisch betrachtet am Ende spielen kann (oder den Kram gleich ganz kostenlos irgendwo runtersaugt), was im Prinzip das genaue Gegenteil einer einzelnen, vergleichsweise kostspieligen Vorbestellung darstellt.

    • Thomas Ruscher am

      Stimmt, das entsteht ja zum einen durch den Hype, der oft geschürt wird, aber auch aus ehrlicher Begeisterung für das Spiel und den Wunsch, die Entwickler zu unterstützen. Wobei ich persönlich bei so großen Produktionen wie bei Cyberpunk oder Horizon eher skeptisch bin, ob die Teams wirklich noch die monetäre Unterstützung nötig haben. Horizon wird ja zum Beispiel von einem Sony-Studio entwickelt und dürfte sich finanziell keine Sorgen mehr machen müssen. Bei kleineren Indie-Entwicklern sieht das natürlich schon wieder ganz anders aus.

    • Thomas Ruscher am

      Wobei ich schon verstehen kann, dass sich Fans von einer kleinen Statue ihrer Lieblingsheldin als Sammlerstück locken lassen können. Bei digitalen Geschenken als Lockmittel, dem coolen Outfit für die Spielfigur etwa, fehlt mir das Verständnis.

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