Retrogaming: Uralt-Spiele für teures Geld

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Retrogaming: Uralt-Spiele für teures Geld

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Das Intellivision ist eine inzwischen 42 Jahre alte Spielkonsole, und anscheinend hat sie heute noch Fans: Ende des Jahres soll ein neues Intellivision herauskommen. Damit schwimmt das “Amico” getaufte Gerät auf einer Revival-Welle. Gaming von gestern ist angesagt.

Das zeigen schon andere Retro-Konsolen: Nintendo Classic Mini, Playstation Classic, Mini-C64 und so weiter sollen mit ein paar vorinstallierten Games das Spielgefühl von damals erlebbar machen. Da gibt sich das neue Intellivision Amico auf den ersten Blick moderner: schickes Design, familienfreundlich, keine Zusatzkosten, zeitgemäße Remakes der Retrospiele.

Intellivision Amico: Viel Geld für wenig Technik

Aber: Für die Vorbestellung der Spielkonsole werden 280 Euro fällig. Die Technik hingegen soll laut einem Bericht von Ars Technica einem günstigen Smartphone entsprechen, sie koste nur etwa 50 Dollar, also knapp 43 Euro.

Spiele können jetzt schon in einer Sammleredition vorbestellt werden: Für 150 Euro gibt es Games wie “Missile Command”, “Dynablaster” oder “Moon Patrol”. Dazu gibt es ein Wackelbild, eine Sammlermünze und eine RFID-Karte, mit der die Games heruntergeladen werden können, wenn es die Konsole schließlich gibt.

Es werden also Spiele für eine noch nicht verfügbare Konsole verkauft. Die Spiele sind neu aufgelegte Klassiker oder exklusive Amico-Spiele, teilweise übrigens in Deutschland entwickelt und mit Steuergeldern der Games-Förderung unterstützt.

Aber muss man dafür ein 50-Dollar-Gerät für 280 Euro kaufen?

Eine Szene aus dem NES-Spiel "Micro Mages". Bild: Morphcat Games

Das Berliner Team “Morphcat Games” entwickelt neue Spiele für alte Konsolen.

Da haben Retro-Fans heute mehr Möglichkeiten. Die Zeiten, in denen sie im Netz illegale irgendwelche Dateien runtergeladen und mit Emulatoren und Technik-Frickelei zum Funktionieren gebracht haben, sind vorbei.

Nintendo bietet Klassiker im Abo an, im Online-Shop Gog gibt es alte PC-Spiele zu kaufen, auf dem Gamesportal Piepacker lassen sich Retrogames kostenlos im Browser spielen.

Vor allem ist die Retro-Community lebendig: Enthusiasten programmieren Spiele fürs Nintendo-System NES, für den Gameboy oder den Commodore Amiga, sie produzieren Uralt-Cartridges und lassen ihre Spiele auf Röhrenfernsehern laufen. Manche sind damit so erfolgreich, dass ihre Retroleidenschaft vom Hobby zum Beruf geworden ist.

Das hätte es damals nicht gegeben

Der Clou: Diese Teams entwickeln Spiele mit den technischen Möglichkeiten von damals, nutzen aber ihr Gamedesign-Wissen von heute – und bringen so die alte Hardware an neue Grenzen.

Ich finde das faszinierend. Es zeigt, wie lebendig Retro-Gaming ist. Und auch, dass man dafür keine teure, neue Konsole kaufen muss.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

7 Kommentare

  1. Für Retro-Liebhaber gibt es jetzt mehr Alternativen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man heimlich Dinge aus dem Internet herunterlud und sie mit Emulatoren und anderen technischen Tricks zum Laufen brachte.

  2. Ich finde es spannend zu sehen, wie Retrogaming in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen hat.
    Allerdings finde ich es fragwürdig, dass für das neue Intellivision Amico so viel Geld verlangt wird, obwohl die Technik hinter der Konsole nicht besonders hochwertig zu sein scheint. Es ist gut zu wissen, dass es Alternativen gibt, um Retrogaming zu genießen, ohne eine teure Konsole kaufen zu müssen.
    Die Kreativität und Leidenschaft der Retro-Community ist inspirierend und ich freue mich darauf zu sehen, was in Zukunft noch auf diesem Gebiet passieren wird.

  3. Die Leistung der verbauten Chips in dieser Konsole befinden sich auf dem Niveau eines 100 Dollar Low-Budget Smartphones aus 2016. Jetzt soll ich bei Amazon knapp 280 Euro für diese Konsole ausgeben – bei Lieferung im DEZEMBER 2022, lächerlich! Zudem sind einige “exklusive” Titel bereits lange frei online verfügbar (Sesam Street), wozu also die Spiele kaufen? Ich bekomme Lachkrämpfe…. Tip: Kauft euch einen Raspberry, da könnt ihr Retrodaddeln bis zum abwinken.

  4. Der Preis ist schon happig… Aber als Retro-Sammler hat man es im Moment ja sowieso nicht so leicht, die Preise haben ziemlich angezogen. Und dann kommt auch noch dieser VGA-/Grading-Unsinn dazu ;)

    Neu entwickelte Spiele für alte Systeme finde ich aber grundsätzlich sehr interessant, in Sachen Gameplay hat sich da seit damals schon einiges getan.

  5. Mit Doom fing es an, also ‘n newbie :o).
    Für Retrospiele braucht man kein Geld auszugeben. Spielekonsolen gibt’s mit VICE oder UAE in Software und nach den Spielen selbst braucht man nur Google zu fragen.

    • Thomas Ruscher am

      “Doom” ist ja quasi vorgestern erschienen! ;)
      Das erste Spiel, das ich selbst gespielt habe und an das ich mich halbwegs erinnern kann, war vielleicht “Donald Duck’s Playground”? Das erste “Doom” ist allerdings der Titel, den ich bis heute immer wieder mal durchspielen kann.

  6. Die Intellivision ist eigentlich ganz schick und das Konzept ist ja auch, dass sie auf gemeinsames Zocken setzt. Gerade für Kinder ins Familien ist das cool. Für sowas ging’s aber aber auch mit der Switch. Die ist teurer aber sich nur ein bisschen. Und die cooleren Spiele gibt es da auch. Auch bisschen Retro, aber auch viele gute neue Sachen. So erfolgreich wie die Switch wird diese neue Konsole garantiert nicht.

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