#Christchurch: Warum darf eigentlich jeder live streamen?

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#Christchurch: Warum darf eigentlich jeder live streamen?

Kommentare zum Artikel: 17

Die sogenannten “Sozialen Medien”: Sie haben sich angesichts der schrecklichen Ereignisse in Christchurch mal wieder als alles andere als sozial erwiesen.

Wie sozial ist es, wenn ein Massenmörder mit einer Actioncam auf dem Kopf wild um sich schießend herumlaufen kann – und seine hemmungslose Tat live bei Facebook zu sehen ist? Wenn es darüber hinaus im Anschluss nicht gelingt, das Video und alle Kopien aus dem Netzwerk zu entfernen?

Facebook, YouTube und Co. haben also zweifellos dabei geholfen, die Tat und den Täter groß zu machen.

Jeder kann Live-Videos starten; Rechte: WDR/Schieb

Jeder kann Live-Videos starten: Das birgt ein hohes Risiko

Leider kein Einzelfall. Man denke nur an die vielen Videos der IS-Terroristen, die immer wieder in den Netzwerken kursieren. Aber auch an Hatespeech. Hetze. Hass. Das sind doch gute Gründe, sich mal zu fragen: Wollen wir als Gesellschaft das nicht verhindern – oder wenigstens eindämmen? Wenn wir das wollen, wie könnte das funktionieren?

Jede Form der Einschränkung wird immer gleich als Zensur gebrandmarkt. Dabei ist Zensur an sich nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Das lateinische Wort “censura”, von dem das heutige Wort Zensur abstammt, bedeutet: strenge Kontrolle. Eine Kontrolle über das, was in Massenmedien für jeden frei zugänglich verteilt wird, ist doch nun sicher alles andere als schädlich. Ich erkenne keinen Wert darin, dass ein Attentäter seine Tat live im Netz übertragen kann. Und niemand hindert ihn daran.

WDR5 Tagesgespräch: Attentat per Live-Stream zu sehen

WDR5 Tagesgespräch: Attentat per Live-Stream zu sehen

Live-Streams sind ein besonderes Problem

Daher ist es zumindest eine Überlegung wert, ob es nicht eine Art “Live”-Führerschein geben sollte. Nur wer sich offiziell registriert und als tauglich dafür erweist, darf live etwas übertragen. Denn ein Zurücknehmen von etwas, das man live gesehen hat, das geht nicht. Deshalb sind die Hürden bewusst sehr hoch gehängt, um einen Radio- oder Fernsehsender an den Start zu bringen. Warum darf also online jeder live senden?

Und sollten wir die Sozialen Medien nicht zwingend verpflichten, Videos bei Anordnung im Blitztempo zu entfernen? Im vorliegenden Fall hat das unzureichend funktioniert. Wenn Videos geteilt oder kopiert werden, könnten sie mit einer Art Prüfziffer versehen werden. 1:1-Kopien ließen sich so schnell finden und entfernen. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass die Netzwerke erst auf Anordnung aktiv werden und den ganzen Kopien hinterher jagen müssen.

Freie Meinungsäußerung? Ja, ein hohes Gut. Aber das kann wohl kaum bedeuten, dass derartige Inhalte ungehindert in den Netzwerken kursieren dürfen. Eine Gesellschaft muss in der Lage sein, so etwas zu stoppen – oder zu verhindern.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

17 Kommentare

  1. John Bernhard am

    Da muss ich klar widersprechen! Das Internet lebt gerade von der Freiheit, dass sich jeder zu Wort melden kann, ohne dass er dafür über bestimmte Mittel und Beziehungen verfügen muss.

    Das Problem an der Idee ist nicht die Zensur, sondern letztlich die vorgeschlagene Vorab-Zensur. Wenn man derartiges etabliert, dann sind wir wieder im Vor-Internetzeitalter, in dem eben nur die öffentlich Gehör finden, die Zugriff auf die Kommunikationsstrukturen haben.

    Dass der Livestream von Christchurch grausam ist, bleibt unbestritten, aber er rechtfertigt keine Vorab-Zensur.

    Ich finde es mehr als erschreckend, dass derartige Ideen immer mehr Raum greifen!

  2. Bin in den täglichen Nachrichten auf einen interessanten Begriff gestoßen.
    Was ist ein nützlicher Idiot?
    Weiß das jemand hier?

    • lol. Begriffserklärung findet sich auf wikipedia. “Blödmannsgehilfe(n)”, gefällt mir aber noch besser. ;)

  3. Keineswegs. Ich kann nicht erkennen, dass wir hier Gewalt präsentieren. Kritik ist auch möglich, ohne ein System zu verlassen. Ich räume ein: Die Frage muss man sich immer wieder stellen. Aber ich muss nicht nach Kanada auswandern, um die deutsche Politik zu kritisieren.

  4. Just vor ein paar Tagen gab es hier einen Artikel zum Darknet und das die Beförderung des Darknet per Gesetz verboten werden soll. Eine ähnliche Ausgangslage, da auch über das Darknet, Bilder von unerträglichen Taten verbreitet werden sollen. Bei Facebook/You Tube sollen Menschen arbeiten die sich tagtäglich schlimmstes ansehen und die Inhalte dann entfernen.

    Der Ruf nach mehr Kontrolle, mehr Regeln, Uploadfilter, ist hier nicht unverständlich.

    Der nächste Artikel beschäftigt sich dann wieder damit wie ein autoritäres Regime die Bevölkerung, auch mit Gewalt, unterdrückt. Infos dringen nicht nach außen. Alles ist streng reglementiert, kontrolliert und gefiltert.

    Der nächste Artikel beschäftigt sich dann damit wie ein Sozialpunktesystem in China eingeführt wird, mit umfassender Überwachung zur Durchführung. Gerade verabschiedet der russische Präsident ein Gesetz zur Kontrolle des Internet.

    Der nächste Artikel beschäftigt sich damit wie wichtig der freie Meinungsaustausch in einer funktionierenden Demokratie ist. Wo der einzelne sicher ist, das er seine Meinung auf vielfältige Art und Weise, ohne Furcht vor Überwachung und Kontrolle, äußern kann.

    Hier wird wieder deutlich wie fließend die Grenzen sind, wie grau, nicht schwarz und nicht weiß. Vieles ist enger miteinander verknüpft als den meisten lieb ist. Das alle gerne einfache Antworten und Lösungen hätten, die es aber schlicht nicht gibt.

    Jeder muss sich am Ende die Frage stellen was ihm wichtiger ist und sich der Konsequenzen bewusst sein.

  5. Ich lese diese Artikel seit einigen Wochen und es wird wirklich immer lächerlicher, was Sie hier äußern. Sehen Sie sich mal auf youtube um, als Beispiel. Dort werden Kanäle gesperrt, die nicht familienfreundlich sind. Obwohl nur eine Meinung vertreten wird, die nicht mal links oder rechts ist, oder weil große Unternehmen nicht mit bestimmten Leuten in Verbidung gebracht werden wollen.
    Soziale Netzwerke sind auch nicht das Böse. Im Fernsehen entwürdigt man auch Menschen. Andauernd. Gibt es Zensur? Nein. Nach Columbine haben Fernsehen und Presse die Täter zu „Helden“ gemacht. An denen konnte man verdienen. Jackpot, Da gab es noch gar keine Sozialen Netzwerke.

    • Klaus Lohmann am

      Evt. hätten Sie etwas länger als nur ein paar Wochen solche Artikel lesen sollen. Mir zumindest ist nach Columbine (vor 20 Jahren!) kein Medium bekannt, in dem die Täter als “Helden” dargestellt wurden. Was konsumieren Sie bitte für einen Müll??

      • Wie bitte?! Für die Medien waren sie „Helden“, weil sie eine Einschaltquoten bedeutet haben. Was ist daran schwer nachzuvollziehen???
        Und nennen Sie mich nicht LIEBE Sabine. Was fällt Ihnen ein?????
        Jeder intelligente Mensch weiß wie das Fernsehen und Zeitungen Columbine ausgeschlachtet haben.

          • Off_Leiner am

            Jetzt habe ich es auch gesehen, aber da es UNTER Ihrer zu Recht erhobenen Beschwerde über diese Anrede steht, wo man es nicht vermuten sollte, hatte ich es ÜBERsehen – ich bitte um Entschuldigung.

    • Klaus Lohmann am

      Und PS. liebe Sabine: Soziale Netze gibt es seit den 80ern, z.B. in Form des Usenet oder als Bulletin Board Systems oder als AOL, Compuserve oder oder oder. “Gnade der späten Geburt”??

      • Off_Leiner am

        Da Sprache nicht nur Ausdruck von Bewußtsein ist, sondern ja auch Bewußtsein schafft, hier diese terminologische Anmerkung:
        Es gibt keine “sozialen Netzwerke”, vielmehr handelt es sich um ASOZIALE Netzwerke.
        Ebensowenig sollte man länger von “Nutzerinnen und Nutzern” sprechen, weil das suggeriert, daß sie eine aktive Rolle hätten.
        In Wahrheit handelt es sich aber um BENUTZTE – benutzt von den Konzernen wie Facebook und seinen Komplicen und Spießgesellen und von interessierten Kreisen oder Personen, die die BENUTZTEN manipulieren und instrumentalisieren – bis diese in den USA Trump, im UK den Brexit und hierzulande die AFD wählen… :-(((

        • @Off_Leiner
          Stimme Ihnen zwar grundsätzlich zu, aber

          “… – bis diese in den USA Trump, im UK den Brexit und hierzulande die AFD wählen… :-(((”

          ist mir zu einseitig kritisiert bzw. formuliert. Denn auch die (vermeintlich) “Guten”(?) wissen ziemlich genau, wie man sich technischer/unlauterer Hilfsmittel zwecks politischer “Überzeugungsarbeit” bedient. Nachzulesen, z. B. hier:
          deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/09/die-einsame-kanzlerin-musste-merkel-tausende-facebook-likes-im-ausland-kaufen

      • PS: Sie müssen mich nicht darüber aufklären seit wann es soziale Netzwerke gibt! Ich habe den Artikel kommentiert und auch den Schreiber kritisiert. Mehr nicht. Sie können nur von oben herab Dinge schreiben, die nichts damit zu tun haben, was ich hier kommentiert habe.

    • Sabine, ich würde ja gerne diskutieren. Aber dafür müsste ich auf Argumente eingehen. Es ist vollkommen zutreffend: Auch im Fernsehen, vor allem im Privatfernsehen werden Menschen gedemütigt. Stichwort Bohlen. Ich finde das zutiefst verabscheuungswürdig und bin der erste, der einer Abschaltung solcher Sender und Sendungen zustimmt.

  6. Klaus Lohmann am

    Solange ihr auf euren Seiten weiterhin die Social-Teilen-Buttons für Fratze, Twitze und Gotze anbietet, ist die Frage nach Verbieten ein schönes Beispiel für Doppelmoral.

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