Das Smarter Home: Neue Standards kommen

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Das Smarter Home: Neue Standards kommen

Kommentare zum Artikel: 6

Schon seit einigen Jahren reden wir vom Smart Home. Natürlich: Es ist schon praktisch, wenn ich Alexa oder Google Home eine Anweisung wie “Licht aus im Schlafzimmer” oder “Temperatur um 2 Grad runter” zurufen kann. Mein Favorit: “Alexa, Kaffee ein….” am Morgen – um meine Siebträger-Kaffeemaschine vorzuglühen. Das dauert halt…

Das Problem bei Smart-Home-Geräten: Es gibt viele Hersteller, viele unterschiedliche Standards – und das macht die Sache unnötig kompliziert. Wer einfach unterstellt, die neue Smart-Home-Steckdose könne gleichermaßen mit Google Home, Siri oder Alexa angesprochen werden, wird in der Regel von der Realität enttäuscht. Dasselbe gilt für praktisch jedes andere Smart-Home-Gerät. Es gibt ein für Laien undurchdringliches Durcheinander.

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Giganten schließen sich zusammen

Nun haben sich doch tatsächlich Giganten wie Apple, Amazon und Google zusammengetan, um gemeinsam (!) ein offenes Protokoll fürs Smart Home zu entwickeln: Das “Connected Home over IP” soll mehr Sicherheit bringen – und bessere Kompatibilität. Auf gut Deutsch: Künftig könnte es einfacher werden, mit allen Sprachassistenten nahezu alle Smart-Home-Geräte zu steuern und zu kontrollieren. Bislang eine Art Roulette: Klappt es oder klappt es nicht?

Ende 2020 sollen erste Referenzen fertig sein. Zu spät für dieses Weihnachtsgeschäft – und wohl auch zu spät für das nächste. Aus Sicht der Konsumenten ist es aber auf jeden Fall zu begrüßen, wenn es einheitliche Standards gibt, an die sich möglichst alle halten.

Ist das nicht nett von Apple, Google und Amazon, dass sie das für uns tun? Nicht weich werden, liebe Digitalistan-Follower: Das ist natürlich im puren Interesse der Konzerne. Sonst würden sie es nicht tun. Sie wollen noch mehr überzeugende Gründe, wieso wir uns digitale Assistenten ins Haus holen sollen. Weil wir dann so bequem alles im Haus steuern können!

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Smart Home macht uns abhängig und angreifbar

Wunderbar. Denn so bekommen Google und vor allem Amazon jede Menge Daten frei Haus. Noch mehr wertvolle Daten! Apple nehmen wir hier mal aus, denn Apple ist – bei allem, was wir wissen! – nicht an unseren Daten interessiert. Anders als Google und vor allem Amazon macht Apple unsere Daten jedenfalls nicht zu Geld.

An einer Sache wird auch der neue Standard nicht viel ändern: Wer seine Geräte (nur noch) mit Assistenten bedient, macht sich abhängig. Denn was, wenn App, Cloud oder Geräte mal ausfallen? Und: Alles, was mit dem Internet verbunden ist, lässt sich auch hacken und missbrauchen. Ein durchaus realistisches Sicherheitsrisiko – wie dieser Fall ja belegt.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

6 Kommentare

  1. Das Potential ist da, dass kann ich nachvollziehen. Derzeitig ist die Interoperabilität ein Graus. Da befürchte ich wird die Initiative von Apple, Amazon und Google ein Erfolg.

    Befürchten ? Mit Erfolg der Initiative ist es absehbar das der Elektronikschrott im nächsten Jahrzehnt noch einmal deutlich steigt. Wie Bendel schön schrieb, smart Home funktioniert am besten mit smarten Leuten. Denn jedes neue smarte Gerät bringt Energie-, Ressourcenverbrauch und Zeitbedarf mit sich, da will der Einsatz überlegt sein. Nach meinem Eindruck überschätzen aber viele den Nutzen, die Langlebigkeit solcher Geräte und unterschätzen das Know How, den Bedarf sich darum zu kümmern (Konfiguration, Sicherheitsupdates, … ). Sprich am Ende dürfte viel Geld ausgegeben, viele Elektronikschrott produziert sein, ohne das ein ädequater Nutzeffekt entstanden ist.

  2. Smart Home funktioniert hald nur mit Smart People. Ich geniesse zu Hause, dass beim öffnen des Fensters automatisch die Heizung ausgeht. Dass morgens zeitgesteuert wenn ich auf stehe das Badezimmer warm ist und tagsüber wieder abkühlt ohne dass ich etwas machen muss. Oder ein Taster neben der Haustüre alle Heizkörper drosselt. Das wichtige ist dabei allerdings auf das Internet zu verzichten. Mein Smart-Home hat keinen direkten Internet zugriff. Nur durch eine Einwahl über meinen Router, kann ich mein Smart Home bedienen. Solange mein VPN-Zugang sicher ist, so lange ist auch mein Smart Home sicher. Das ist auch deshalb notwendig, da die Software-Updates meiner Heizungssteuerung nicht existieren und nicht einmal eine aktuell erhältliche Java-Version unterstützt.

    Standards sind gut. Sicherheit entsteht allerdings erst, wenn Softwareupdates regelmässig und kostenlos verteilt werden. Und das ist leider Mangelware und bei Kaufentscheidungen ist fast nirgends ein Softwarewartungsvertrag enthalten.

  3. Off_Leiner am

    Es scheint gar keine Horror-VISION mehr zu sein, sondern droht eine Horror-WIRKLICHKEIT zu werden:
    Eine Gesellschaft aus überwiegend smartphoneSUCHTkranken Digitalzombies, die obendrein und zu allem Übel ihr ganze Leben lang psychisch auf Säuglingsniveau bleiben:
    “Ich_muß_JEDERZEIT_ÜBERALL_ALLES_SOFORT_HABEN”.
    Das alles dürfte sie dann auch lenkbarer machen nicht nur für die Datenkrakengangsterkonzerne wie Google und Komplicen, sondern auch für die Feinde unserer Demokratie, unseres Rechtsstaates und unserer freiheitlichen Ordnung.
    Und die dann noch wenigen übriggebliebenen Sehenden wie z.B. Jörg Schieb werden dann als nicht mehr der Norm entsprechend in die Psychatrie gesperrt…
    Da kann man nur hoffen, nicht mehr lange genug zu leben, um das miterleben zu müssen – aber SO lange werde ich gegen den Digitalwahn nicht nur kämpfen, sondern mich ihm ENTZIEHEN, um meine Privatphäre und meine persönliche Freiheit zu wahren..,. und eben NICHT an der Leine von irgendwem zu landen (daher der Nick!)

    • P. Gedoehns am

      Und wieder stimme ich Ihnen zu 100% zu. Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass Smart-Home bei vielen Menschen sehr umstritten ist und auch Alexa + Co wenig Zuspruch finden. Das lässt hoffen! Dennoch sind viele Menschen nach ihren Smartphones regelrecht süchtig und verdrängen die Tatsache, dass sie diese Geräte nicht primär zu ihrem Vorteil für viel Geld kaufen, sondern damit andere besser an ihre Daten kommen.
      Dass man mich als Smartphone-Verweigerer mitunter belächelt, stört mich ganz und gar nicht, denn ich lächle, wenn sich sogar erwachensene Menschen von diesen Geräten abhängig machen.

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