Diffuse Angst vorm Fingerabdruck im Personalausweis

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Diffuse Angst vorm Fingerabdruck im Personalausweis

Kommentare zum Artikel: 27

Fingerabdruck? Kennen wir doch aus Krimis. Da verraten sich Kriminelle schon mal mit einer versehentlich hinterlassenen Fettspur von Finger oder Daumen. Vielleicht glauben deswegen so viele, es käme einer erkennungsdienstlichen Behandlung auf der Polizeiwache gleich, wenn der Personalausweis künftig nicht mehr nur mit einem biometrisch vermessenen Foto, sondern auch mit zwei Fingerabdrücken bestückt wird.

Soll jeder Personalausweis in der EU mit Fingerabdruck versehen sein?; Rechte: Pixabay

Soll jeder Personalausweis in der EU mit Fingerabdruck versehen sein?

Digital im Ausweis – nicht in einer Datenbank

Genau das könnte in der EU kommen. Vor allem das Bundesinnenministerium befürwortet den Vorstoß. Ein europaweit einheitlicher Personalausweis, der überall identisch aussieht und dieselben Daten bietet: Das wäre mal ein Fortschritt. Im Augenblick haben wir Dutzende verschiedener Ausweisformate.

Der digital im Ausweis gespeicherte Fingerabdruck soll den Ausweis sicherer machen vor Fälschung und Manipulation. Vor allem aber ist eine schnelle und unkomplizierte Verifizierung möglich. Ein Fingerabdruck ist schneller genommen als ein Foto biometrisch vermessen. Ein Fingerabdruck ändert sich nicht – das Aussehen schon. In Zeiten, in denen manche ständig ihre Namen und Identitäten ändern, scheint mir eine europaweite Einführung mehr als geboten.

https://vimeo.com/317020703

Fingerabdruck im Personalausweis: Landet nicht auf Servern – nur im Ausweis

Kritiker befürchten Überwachung – aber wie?

Doch es gibt Kritik. Die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger zum Beispiel erklärt im WDR5-Interview, wieso sie den Vorschlag ablehnt. Begründung: Sorge vor Überwachung. Die Sorge ist grundsätzlich berechtigt. Doch in diesem Fall halte ich sie für absolut unbegründet: Der abgenommene Fingerabdruck wird nicht zentral in EU-Datenbanken gespeichert, sondern im Ausweis. Auch noch verschlüsselt: Eine Rekonstruktion des Fingerabdrucks ist darüber nicht möglich. Nur ein Abgleich.

Bedeutet doch: Nur wenn man den Ausweis herzeigt, kann über den im Ausweis gespeicherten Abdruck überprüft werden, ob alles okay ist. Wie beim Passwort. Niemand wird dadurch überwacht. Das einzige, was erreicht wird, ist eine deutlich höhere Zuverlässigkeit bei der Überprüfung der Papiere – EU-weit. Das halte ich für eine gute Ideen.

In Zeiten, in denen mindestens jeder Zweite sein Smartphone mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung entsperrt, sollten die Vorzüge dieser Methode auf der Hand liegen.

Konzentrieren wir unsere Sorgen in punkto Überwachung lieber auf die zahlreichen Anlässe, wo das tatsächlich sinnvoll und richtig ist: Ob bei überall installierten Kameras mit Gesichtserkennung, bei Sozialen Netzwerken oder Bewegungsprofile durchs Handy.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

27 Kommentare

  1. Immer wieder toll, wie sich Befürworter für so einen Kram finden.
    Und das, während massenhaft Menschen einwandern, die gar keine Dokumente, oder gefälschte mit sich führen.
    Wie wäre es mal, Fingerabdrücke von diesen Personen zu nehmen, um den mehrfachen Missbrauch von Sozialleistungen zu unterbinden?
    Aber solche Maßnahmen sind wohl nicht gewollt.

    • Egal wie dämlich, es findet sich immer irgendein armer Tropf, der das Thema Flüchtlinge damit in Verbindung bringt.
      Nix besseres zu tun?

    • @Hase: Volle Zustimmung!
      @Michse: Falls Sie gerade “nix besseres zu tun” haben, lesen Sie z. B. vielleicht mal folgenden Artikel, auch wenn er aus Ihrer Sicht “dämlich” sein mag:
      welt.de/politik/deutschland/article187397370/Bundesregierung-Falsche-Angaben-im-Asylverfahren-nicht-strafbar.html

    • In einer richtigen Aufenthaltsgenehmigung von Leuten, die legal, mit Papieren, Visum und Bürgen gekommen sind (zB einen Deutschen in Deutschland geheiratet haben), sind biometrische Daten genauso drin wie in einem deutschen Personalausweis. Das sind aber auch nicht die, die 24 fache Sozialhilfe beziehen. Und die sind auf die papierlosen Migranten mindestens genau so sauer, wie viele Eingeborene, im Gedenken an die eigenen bürokratischen Hürden , hierher zu kommen.

  2. Wenn ich doch irgendwann mal gezwungen werde meine Fingerabdrücke abzugeben, bin ich mal gespannt, was passiert, wenn die Daten auf den Ausweis nicht mehr auszulesen gehen, da ich den immer gleich nachdem ich ihn bekommen habe kurz in die Mikrowelle schmeiße.
    Wenn das dann genügend Leute machen, ist die Idee mit der Zentralen Datenbank ganz schnell wieder im Gespräch.
    Und dann gibt man am besten noch eine Blutprobe ab, und eine Genanalyse und wenn wir schon dabei sind, warum kann man nicht einfach auch gleich noch alle ärztlichen Unterlagen darauf speichern.

  3. Nein, muss man nicht – das wurde mehrmals bewiesen. Bitte mal besser recherchieren, bevor hier unfundierte Behauptungen aufgestellt werden!

    Der Verfasser dieses Artikels kann ja gerne seine Abdrücke abgeben und sich überwachen lassen und das andere mal schön selbst entscheiden lassen. Typisch öffentlich-rechtliche Überheblichkeit.

  4. @tino: Wo ist die Bedrohung?? Es gibt keine. Das einzige, was wir erreichen, sind schnellere und zuverlässigere Kontrollen, da, wo es nötig ist. Gefälschte Dokumente werden erschwert. Ich denke, das ist sinnvoll. Ich sehe derzeit KEINEN möglichen Missbrauch.

  5. Derzeit wird der Fingerabdruck nicht gespeichert. Die Überwachungspolitik von freiheitsfeindlichen Parteien macht es aber wahrscheinlich, dass auch dies eingeführt wird. Entweder wegen Terrorismus oder um den Ausweis noch fälschungssicherer zu machen. Ausreden gibt es ja genug, wenn man unsinniges machen will.

    Natürlich sind auch die Kameras ein Problem. Arbeite beständig daran, diese zu vermindern.

  6. Ein Europäischer Ausweis. Das hört sich doch schon einmal wunderbar an.

    Ob der Fingerabdruck einen Gewinn bringt, hm, da bin ich allerdings skeptisch. Weniger aus Gründen des Trackings, mehr denn aus Gründen der Zuverlässigkeit.

    Ich glaube in einer relativ aktuellen Ausgabe der C’t wurde geschildert wie man Fingerabdrücke einfach “nachbauen” und täuschen kann. Dazu hatten biometrische Erkennungsmerkmale, nach meiner Kenntnis, bis dato eine Fehlerhäufigkeit welche diese in der Praxis unbrauchbar machten.

    Was nützt ein Fingerabdruck, wenn im Zweifel zugestanden werden muss, das dieses Merkmal nicht zuverlässig ist.

    Bitte dabei beachten, das eine Zuverlässigkeit welche vielleicht in einer Einzelfallprüfung einen Erkenntnisgewinn bringt, noch nicht zwingend für eine automatisierte und in großer Zahl von durchgeführten Prüfungen ausreicht.

    • Man muss sich schon sehr anstrengen, um einen Fingeradruck zu kopieren — und die Person müsste die Kopie dann unter Beobachtung der Polizei anwenden. Eher unwahrscheinlich, dass das klappt.

      • Nein, muss man nicht – das wurde mehrmals bewiesen. Bitte mal besser recherchieren, bevor hier unfundierte Behauptungen aufgestellt werden!

        Der Verfasser dieses Artikels kann ja gerne seine Abdrücke abgeben und sich überwachen lassen und das andere mal schön selbst entscheiden lassen. Typisch öffentlich-rechtliche Überheblichkeit.

      • Van Agaudi am

        Warum unter Aufsicht der Polizei? Angenommen, ich soll mich an einer automatisierten Station ausweisen. Dazu nehme ich einen beliebigen Personalausweis und den dazu passend gefakten Fingerabdruck. Und schon bin ich die Person, deren Daten auf dem Ausweis verfügbar sind.

  7. Ulli Zauner am

    Eins kommt zum anderen und der Weg zum Überwachungsstaat immer kürzer. Können oder wollen Sie das nicht sehen???

    • Helfen Sie mir: In welcher Hinsicht ist es Überwachung, wenn der Staat sich eine Möglichkeit verschafft zu überprüfen, ob ein Ausweisdokument echt ist oder nicht? Es dient in keiner Weise der Überwachung – lediglich zur Verifikation. Es soll Menschen geben, die ihre Identität ändern und verschleiern.

  8. Offliner am

    “Der abgenommene Fingerabdruck wird nicht zentral in EU-Datenbanken gespeichert,..”:
    Sicher…?!

      • Klaus Lohmann am

        Seit im Sommer 2017 den Behörden der *de-zentrale* Zugriff auf sämtliche *dezentral gespeicherten* Passfotos zu jeglichem verwaltungsbezogenen Zweck per Personalausweisgesetz (PAuswG) erlaubt wurde, ist diese Aussage schlicht falsch, denn Niemand ist heutzutage technisch gezwungen, Personendaten nur zentral abzurufen.

          • Hannah Faber am

            Mir persönlich ist es ja wurscht, ob der Fingerabdruck zentral oder “nur” auf der Karte gespeichert ist.

            Erstens sind Daten dann am sichersten, wenn sie gar nicht erst anfallen.

            Zweitens ist die Abnahme eines Fingerabdrucks noch immer eine so genannte “erkennungsdienstliche Behandlung”. Was impliziert, dass man irgendeine Straftat begangen haben muss.

      • Offliner am

        Och, Herr Schieb…!
        Soo unkritisch-naiv ist man Sie wirklich nicht gewohnt:
        WAS wurde im Laufe der Geschichte nicht alles “ausgehandelt” –
        und dann gebrochen und nicht eingehalten und ignoriert und “interpretiert” (ad infinitum)

        • Ich bin nun wirklich immer kritisch und wachsam – wenn ich das Risiko einer “Überwachung” sehe. Aber in diesem Fall sehe ich es im besten Fall nicht. Es muss ja nun mal auch Möglichkeiten geben, den Menschen das Handwerk zu erschweren, die allen schaden wollen. Und in diesem Fall sehe ich keinen Preis.

          • kralibes am

            Und schon getäuscht. Ihr Kommentar ist keinen Monat alt und schon bewahrheitet sich, was die Kritiker die ganze Zeit befürchten.

            Plötzlich redet keiner mehr davon, dass die Fingerabdrücke nur auf dem Ausweis gespeichert werden.

            “Die EU-Gremien haben mit ihrer Übereinkunft aber auch einen Zusatz in Artikel 10 eingebaut, wonach die Mitgliedsstaaten die biometrischen Informationen auch für andere, nicht näher bestimmte Zwecke jenseits der “Personalisierung” der Ausweise und die reine Identitätsprüfung verwenden dürfen.”
            (Heise.de)

      • Das ist lustig, dass Sie tatsächlich noch davon ausgehen, dass Sicherheitsbehörden – egal wo in der Welt – sich freiwillig auf die Informationen beschränken, die ihnen legal zur Verfügung stehen. Und wenn der Ausweis mal überprüft wird, muss natürlich auch eine Sicherheitskopie des Vorgangs erstellt werden – mit Fingerabdruck. Und natürlich zum Vergleich der auf dem Ausweis und der neu genommene. Ist ja alles zu unserer Sicherheit.

        Und zum vorgeblichen Sicherheitsgewinn: Egal wie fälschungssicher man Ausweisdokumente macht, sie werden immer irgendwann gefälscht werden, wenn es sich nur genug lohnt.

        • Ewiges Misstrauen ist eine Sache. Aber es gibt auch das Bedürfnis nach Schutz. Ist also eine Abwägung. Mir erschließt sich noch nicht, wo das Problem sein soll: Wo ist das Szenario des möglichen Misbrauch durch den Staat?

          • Hans Dampf am

            Achja, das ewige Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit – und dafür seine Freiheit aufzugeben.

            Wenn es da nach geht, dürften wir noch einmal mehr aus dem Haus gehen. Achne, stimmt nicht… die meisten Unfälle passieren ja IM Haus. Also her mit den Überwachungskameras und “smarten” Wanzen für die eignen vier Wände, damit wir ja auch maximalen Schutz genießen. Es KÖNNTE ja irgendwas passieren.

            Wie sagte mal ein kluger Kopf so richtig: “Wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, wird beides verlieren.” (Benjamin Franklin)

          • Wo werden Sie denn bitte geschützt, wenn bei allen Bürgern der Fingerabdruck im Ausweis gespeichert wird? Das erschließt sich mir nicht!

      • Herr Schieb, halten Sie sich raus. Sie hatten möglichkeit Ihre Meinung in einem kompletten Artikel darzulegen. Wenn ein Staat möchte, dann werden die Fingerabdrücke gleich bei der Abgabe an den entsprechenden Inlandsdienst 1:1 weitergeleitet.

        Sei glauben doch nicht ernsthaft, das im Jahr 2020 in Polen, Ungarn, Rumänien und dann vielleicht auch Finnland (wahre Finnen), Deutschland, Östereich……diese Möglichkeit verstreichen lassen, so so etwas tolles heranzukommen.
        Angebliche Sicherheit tausche ich nicht gegeben eine auch mal gefährdete Freiheit ein.

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