Künstliche Intelligenz soll für den Spieler spielen

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Künstliche Intelligenz soll für den Spieler spielen

Kommentare zum Artikel: 8

Die Idee liest sich auf den ersten Blick absurd: Eine Künstliche Intelligenz soll Videospiele anstelle der eigentlichen Spielerinnen und Spieler zocken können. Genau diese Idee hat sich der Playstation-Konzern Sony patentieren lassen.

Der Clou: Die KI soll nicht irgendwie vor sich hin spielen, sondern sie soll den Spielstil des Spielers analysieren und nachahmen können. Je mehr sie lernt, umso mehr würde sich der Spielstil dem des menschlichen Vorbilds ähneln. Eigentlich braucht es den echten Spieler dann nicht mehr, die KI selbst könnte ihn ersetzen.

In Teilen der Gaming-Communitys sorgt dieser Gedanke für Unbehagen und Spott. Wer will schon von einem Computerprogramm ersetzt werden? Wer will schon einem Algorithmus beim Spielen zugucken? Einige argumentieren, dass Spiele nur dann Spaß machen, wenn man sie selbst meistert. Wenn man auch die hartnäckigsten Gegner selbst besiegt, ganz alleine, ohne fremde Hilfe.

In der KI steckt mehr drin

Diese Spielefans übersehen aber die Möglichkeiten, die eine selbstspielende KI bietet. Und die sind faszinierend.

Im Patentantrag stellt Sony selbst eine mögliche Anwendung vor: Wer in Multiplayer-Spielen wie „Fortnite“ oder „Destiny“ im Team mit Freunden spielt, aber kurzfristig das Game beenden muss, könnte wenigstens seine persönliche KI weiterspielen lassen. Das Team hätte die Illusion, dass ihr Spielgefährte mit seinem typischen Spielstil noch an Bord wäre.

Was aber wichtiger ist: Menschen mit körperlichen Einschränkungen könnten so die Chance bekommen, mehr zu spielen.

Inzwischen gibt es mehr Spiele mit Barrierefreiheit als noch vor einigen Jahren, und viele große Spielekonzerne sind sensibel geworden für das Thema. Aber das ist noch nicht genug.

Der Adaptive Controller von Microsoft. Bild: Thomas Ruscher / WDR

Wie mit technischen Hilfsmitteln barrierefreies Spielen möglich gemacht wird.

Wer eine körperliche Beeinträchtigung hat, kann vielleicht den Knopf auf dem Controller nicht 20 Sekunden lang am Stück festdrücken, das kann zu anstrengend sein. Oder eine Person kann eine bestimmte Spielsituation nicht im vorgegebenen Zeitlimit schaffen.

Games können so schwierig sein, dass sie unschaffbar sind. Durch solche unmöglichen Spielsituationen werden Menschen ausgeschlossen.

KI könnte Barrierefreiheit möglich machen

Eine Künstliche Intelligenz, die an den schwierigen Stellen auf Wunsch des Spielers die Kontrolle übernimmt, könnte ein Segen sein für alle, die eben hier das Game abbrechen müssten. Diese Barriere wäre eingerissen.

Noch ist die selbstspielende KI nur ein Projekt. Wenn es aber Realität werden sollte, muss Sony diesen Aspekt unbedingt mitdenken.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

8 Kommentare

  1. Interesta am

    SEHR INTERESSANTE IDEE:
    Ich finde es besonders insofern in interessant, wenn man dadurch individualisiertere Spielerlebnisse erleben könnte. Dass das Spiel z.B. weiss, dass dieser Spieler nicht so früh wie andere einen Tipp erhalten möchte. Oder, dass sich die Gegner automatisch an die Fähigkeiten des Spielers anpassen. Dadurch würde eine Schwierigkeitsauswahl am Anfang (welche vorgängig ofs selber schwer zu bestimmen ist) überflüssig oder zumindest mit der Zeit automatisch angepasst.

  2. Wenn man sieht wo KI schon zum Einsatz kommt, kann man die von Menschen geschaffenen Dinge nicht mehr ernst nehmen.

    Es sollte eine Pflicht geben die anzeigt wann welche KI zum Einsatz kommt, also ob man einen Mensch oder Maschine gegebenüber hat. ebenso bei texten, bildern, videos ect.

    • Durchwinker am

      Das finde ich auch. Es ist wichtig, da auf Langzeit einen Unterschied zu machen, einfach, weil es sonst Überhand nimmt und fremde Leistungen noch einfacher als eigene ausgegeben werden können.
      Ich finde es nachvollziehbar an einigen Stellen, trotzdem muss man damit dann aber auch sehr transparent umgehen.

  3. Huh, schon jetzt verderben sogenannte „Bots“ den online-Spielern den Spielspaß. Spieler welche automatisiert von rudimentären Algorithmen gesteuert werden und durch Ihre Ausdauer Ressourcen verknappen oder in kompetetiven Spielen, dazu führen das das eigene Team verliert.

    Eine intelligente KI ist ein konsequenter Schritt. Doch wenn Computer und Spieler nicht mehr unterscheidbar sind, wenn KI’s die Online Strukturen noch mehr verzerrt als es ohne hin der Fall ist, dann gibt es eigentlich keine Gründe mehr „massive“ online Spiele zu spielen.

    Und schon heute sind die Unternehmen damit überfordert, der Masse an Bots Herr zu werden. Es gibt wenig Anlass zu glauben, dass sich das in Zukunft ändern würde, im Gegenteil.

    • Das stimmt auch wiederum. Ich glaube allerdings, dass es da gar nicht so primär um diese Online-Spiele geht, weil diese werden ja dann mit eigenen Skill weitergespielt – wenngleich das trotzdem gekennzeichnet werden sollte, einfach der Fairness halber, der Bot wird in einer Stresssituation vermutlich ja dann doch noch einmal etwas anders reagieren und wahrscheinlich entspannter als der Mensch, der mal so und mal so drauf ist.
      Für Offline-Spiele macht es aber schon Sinn, auch wenn man hier ebenfalls transparent bleiben sollte, jedenfalls dann, wenn man das Gameplay mit Anderen teilt.

  4. Die Gefahr des potentiellen Missbrauchs liegt meiner Meinung nach weitaus höher als die angesprochenen ‚Vorteile‘. Und wenn man schon in Spielen jemanden übernehmen lassen kann, wenn Frust droht, dann lernt man es im echten Leben auch nie, sich Herausforderungen zu stellen (nur kurz angerissen, es gibt ganze Bücher zu dem Thema)

    • Carsten Mohr am

      „…wenn Frust droht, dann lernt man es im echten Leben auch nie, sich Herausforderungen zu stellen…“
      Also, das sehe ich nicht so. Spielerische Ausdauer mit beruflicher oder gar interaktiver menschlicher Ausdauer gleichzusetzen. Ich spiele nicht, Frustfaktor definitiv zu groß, keine Geduld. Duke Nukem war eines der letzten Titel – auf einem 486DX gespielt. Jedoch habe ich ganz sicher im beruflichen Bereich als auch in privaten Bereichen eine auserordentliche Ausdauer und Liebe zum Detail.
      Dennoch halte ich KI-Spieler für eher problematisch. Der mit Einschränkung lebende Mitspieler wird sich eine Gruppe suchen müssen, die seine Fähigkeiten schöpft und er sich und sie ihn integrieren. Das wäre ein echter Gewinn, für alle.

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