Kundenverachtendes Schweigen bei Amazon

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Kundenverachtendes Schweigen bei Amazon

Kommentare zum Artikel: 14

Für Amazon sind es die umsatzstärksten Tage und Wochen: Black Friday, Cybermonday… Da bestellen die Leute wie verrückt. Längst nicht mehr nur in den USA. Da stört es natürlich, wenn beim weltgrößten Onlineshop die Daten der Kunden nicht sicher sind. Genau das ist aber der Fall: Es ist zu einem peinlichen Sicherheitsleck gekommen: Die E-Mail-Adressen und Klarnamen zahlloser Kunden (auch deutscher) sind auf der Webseite aufgetaucht.

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Amazon-Gründer Jeff Bezos schweigt zur aktuellen Datenpanne

Eisernes Schweigen statt Aufklärung

Wer davon betroffen ist, hat mittlerweile von Amazon eine völlig unpersönliche und vor allem auch extrem unkonkrete Mitteilung erhalten. Das war’s. Ansonsten hält sich Amazon konsequent zurück: Keine Information über die Zahl der betroffenen Kunden, keine Erläuterungen zur genauen Ursache, keine Hinweise zu den Umständen. Völlige Funkstille in dieser Sache.

Guten Tag,

wir kontaktieren Sie, um Sie darüber zu informieren, dass aufgrund eines technischen Fehlers versehentlich Ihre E-Mail-Adresse und Ihr Name auf unserer Website angezeigt wurden. Der Fehler wurde behoben. Dies ist nicht auf irgendeine Handlung Ihrerseits zurückzuführen und Sie müssen Ihr Passwort nicht ändern oder sonst etwas veranlassen.

Meiner Ansicht nach ist das ein Unding. Zugegeben: Es gibt schlimmere Datenpannen als diese. Denn angeblich gab es keinen Hackerangriff. Da sich Amazon ausschweigt, müssen wir jedoch annehmen, dass so ziemlich alles möglich ist. Meiner Ansicht nach dürfte es schlichtweg nicht gestattet sein, dass Unternehmen im großen Stil unsere Daten absaugen – und im Fall einer Veruntreuung (genau darum handelt es sich im vorliegenden Fall) einfach in meditatives Schweigen verfallen.

https://vimeo.com/290429626

Die meisten Deutschen misstrauen den großen Konzernen (Video vom 18. September 2018)

Unverantwortlich und kundenverachtend

Betroffene haben ein Recht darauf, alles über die Umstände zu erfahren. Aber auch wir anderen haben ein Recht, alles über die Umstände zu erfahren. Wer bei Amazon Kunde ist, will doch wissen, wie das passieren konnte – und ob ein Risiko besteht und wie groß es ist, dass sich das wiederholt. In völliger Arroganz jede Information zu verweigern, ist unverschämt, unverfroren und unverantwortlich. Es ist vor allem eins: kundenverachtend.

Unverantwortlich ist allerdings auch, dass der Gesetzgeber ein solches Verhalten gestattet. Wie wir alle wissen, sind Daten der Treibstoff im Internet. Wir bezahlen damit. Wenn Unternehmen dann unsere Daten veruntreuen – was nicht passieren sollte, aber passieren kann -, dann sollten Unternehmen zur lückenlosen Information verpflichtet sein.

Wir sollten es Amazon nicht so einfach machen – und erwägen, lieber woanders einzukaufen. Einfach mal Black Friday und Cybermonday ausfallen lassen. Das wäre doch eine schöne Quittung.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

14 Kommentare

  1. Kundenschlampe am

    Warum sich hier Leute über den “Boykottaufruf” echauffieren verstehe ich so wenig wie die scheinbar fehlende Betroffenheit bei den Betroffenen. Ich habe auch so eine Email bekommen und finde es extrem frech, wie Amazon mit dieser Datenpanne umgeht. Wie soll ich denn mit den Informationen aus dieser lapidaren, entschuldigungslosen Email entscheiden was ich tun solllte (was Amazon ja mit gleicher Post schon mal für mich getan hat, na danke)?

    Was ich am liebsten tun möchte ist mein mit einem entsprechenden Hinweis auf den Grund mein Konto dort zu löschen. Direkt im darauf folgenden Gedanken wird einem dann klar, was für ein fieser Irrtum es war, aus purer Bequemlichkeit Amazon so gross und so wichtig werden zu lassen – erst haben wir den Einzelhandel kaputt bestellt, besonders in sehr speziellen Dingen und nun können wir die wenigen Überlebenden nur noch durch Amazon erreichen. Für die wichtigsten Dinge gibt es auch noch andere Onlineshops, für manches gehe ich auch immer noch lieber in den Offlineshop vor Ort, für manche Dinge gibt es aber nur noch Amazon, oder sie wurden durch Amazon überhaupt erst einfach bestellbar.

    Auf einmal stellt man fest, man ist abhängig durch Bequemlichkeit, abhängig durch fehlende Alternativen, mit solchen Kunden wie mir kann Amazon sich natürlich leisten schlampig mit meinen anvertrauten Daten umzugehen, dann auch noch meine Kundenrechte mit Füssen zu treten und sich eine Entschuldigung zu sparen. Ich wollte Gedöns ins Haus geliefert bekommen und in einem der 300 Kartons steckte offenbar ein gar nicht mal so kleiner Tyrann, wie konnte ich das übersehen? Mal sehen wie lange es bis zur Revolution dauert, oder ob die überhaupt kommt, oder ob Amazon mir demnächst mal..was weiss ich…Klobürsten (100Stk, Verkauf durch Chinabürste, Versand durch Amazon, Prime bestellbar) in den Arsch rammt weil es denen so gefällt. Was mir gefällt, darum braucht sich Amazon jedenfalls keine Sorgen mehr zu machen.

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      “Was ich am liebsten tun möchte ist mein mit einem entsprechenden Hinweis auf den Grund mein Konto dort zu löschen. ”
      ICH habe genau DAS schon vor einigen Jahren getan!
      Seitdem, wenn ich etwas brauche, schaue ich ohne “Account” bei Amazon nach dem gesuchten Artikel – und kaufe ihn dann im stationären Einzelhandel!
      Ich habe mir sagen lassen, daß man das “Amazon Bashing” nennt – hübsch, nicht?
      Durch die Innenstadt zu schlendern, die Geschäfte aufzusuchen, die führen könnten, was ich suche, und mit echten, lebendigen MENSCHEN zu sprechen, ist ein unschätzbarer Gewinn und eine Labsal – das lasse ich mich auch etwas kosten, etwas mehr meinetwegen als beim asozialen und ausbeuterischen und ausspionierenden Amazon, und außerdem helfe ich vielleicht ein bißchen, NOCH mehr Sprinterfahrten zu verhindern, mit denen der säuglingshafte Narzißmus und die Zurück-ins-Baby-Alter-Regression derjenigen bedient wird, die “Immer-alles-überall-sofort” meinen haben zu müssen – aber wahrscheinlich sind deren Hirne, so weit noch vorhanden, eh’ durch asoziale Medien wie Facebook konditioniert und verblödet….
      Jedenfalls: Es ist uneingeschränkt alles zu begrüßen, was Firmen wie Amazon in den Ruin treibt!
      Jedwedem Boykottaufru

    • Kundenschlampe am

      Seit dem 22.11. kein weiterer Kommentar von Amazon, in den News ist es auch nie wieder aufgetaucht, ich habe am 22. eine Email an den Landesdatenbeauftragten geschickt und bisher keine Antwort erhalten. Vom Amazon-eigenen Datenbeauftragten habe ich eine bescheuerte Standardantwortvorlage geschickt bekommen, die in keiner Weise auf meine Fragen eingegangen ist und mir mitteilte, dass die Betroffenen “bereits informiert worden wären”. No Shit, Sherlock! Warum habe ich mich wohl da gemeldet.

      Was ist denn da los? Abteilung “ach ja das war gestern, Shit happens, denken wir einfach nicht mehr dran”?

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Na, das müßte Sie doch nun erst recht ermuntern, dem Beispiel der Amazonboykottierer*innen zu folgen und sich dort schleunigst abzumelden – Sie werden merken:
        Es wird Ihnen nicht nur nichts fehlen, sondern es wird Ihnen mit “mehr offline” viel besser gehen und Sie werden (wieder?) richtigen Menschen im echten Leben in den Läden begegnen…!
        Viel Spaß dabei! :-)

  2. Da fällt mir gerade auf, dass ich schon ewig nicht mehr bei Amazon war und es auch gar nicht vermisse. Kein Stress mit Paketboten, die angeblich niemanden angetroffen haben, obwohl man da ist. Kein Gerenne zur Post. Keine beschädigten Produkte.

    Und Bücher kaufe ich lieber beim Buchgeschäft vor Ort, wo ich das Buch am nächsten Tag habe.

  3. Ich gehe stark von einem Hacker-Angriff aus. Wieso sonst erhalte ich eine eMail, angeblich vom Absender Amazon, mit dem Hinweis, dass “ein unberechtigter Zugriff auf mein Kundenkonto erfolgte” und ich doch “bitte die folgende Bestellung verifiziere” , natürlich über einen eingebetteten Link-Button. Bestätigen soll ich die Order eines netten Menschen aus Riga in Lettland, der für €849,00 eine Canon EOS bestellt hat….

  4. Auweia: “Kundenverachtendes Schweigen”. Böses, böses Amazon!
    Verachtender, als VW & Co. hierzulande mit ihren Kunden umgehen, kann man sich wohl kaum noch vorstellen. Und was passiert? Die setzen eine Verkaufsrekordmarke nach der anderen! So entlarvt sich der, betrügerisch und absichtlich von VW & Co., verar#chte Kunde im Nachhinein auch noch als sich selbst verar#chender Konsumdepp, weil er deren Fahrzeuge immer noch kauft, anstatt denen mal eine schmerzliche “Quittung” zu verpassen!
    Amazons Panne, die, im Gegensatz zu VW & Co., sicher nicht mit Absicht geschah, wird hier zum nahezu unverzeihlichen Skandal aufgebauscht und dazu noch mit einem Boykottaufruf beendet. Sorry, aber was Sie hier darlegen, ist für mich reiner Anti-Amazon-Aktivismus, weit entfernt von neutralem Journalismus. Umso unverständlicher, zumal Sie doch selbst Ihre eigenen Bücher über Amazon vertreiben lassen.

    • @Dino, das ist vollkommen richtig: Die angesprochene Branche toppt das locker.

      Nur bin ich kein Auto-Journalist. :) Ich beschäftige mich mit IT-Themen und dem Einfluss auf die Gesellschaft. Ich bin der Ansicht, dass Pannen wie diese in jedem Fall gemeldet und dokumentiert werden müssten. Öffentlich. Für jeden. Da ist der vorliegende Fall, immerhin von einem der wertvollsten Unternehmen der Welt, ein gelungenes Beispiel.

      Dies hier ist eine Kolumne – und darf deswegen zuspitzen und viel Meinung enthalten. Diese ist natürlich anfechtbar. Aber bitte inhaltlich, nicht als Argumentum ad hominem.

      • Ich bereue und bitte um Entschuldigung. War ich doch, als eifriger Verfolger bundesdeutscher Qualitätsberichterstattung, von der irrigen Ansicht geblendet, das Stilmittel “Argumentum ad hominem” sei inzwischen salon- und damit auch für den Normalbürger übernahmefähig. Ich, als offensichtlich Geblendeter, übersah jedoch grob fahrlässig, dass dieses Stilmittel nur dann zum Einsatz kommt bzw. kommen darf, sobald es sich gegen Personae non gratae (wie z. B. gegen Orban, Putin, Trump oder, wie aktuell, gegen Merz, Spahn und Weidel), also gegen das, durch die meinungsproduzierende Mehrheit definierte, “Böse” richtet. Da Sie, so jedenfalls meine Einschätzung, als journalistisch tätiger IT-Spezialist, ganz bestimmt nicht zu jenen Bösewichten, die bei bundesdeutschen Meinungsmachern häufig zu wutschnaubenden (ad hominem-)Tiraden führen, gehören dürften, war mein “Argumentum ad hominem”, hinsichtlich des Verkaufs Ihrer eigenen Erzeugnisse über den Amazon-Vertriebsweg, hier tatsächlich unangebracht und damit nicht der aktuellen, konformistischen Diskussionskultur entsprechend . Sowohl die Grenzen der Netiquette als auch des beschriebenen “Zuspitzens” und “Meinung enthalten” wurden meinerseits erheblich überschritten. Sorry!

        • Ironie ist ja was Schönes… ;-) Ich bin derselben Ansicht wie Sie: Ich finde grundsätzliche Verunglimpfungen gegen die genannten Personen auch vollkommen fehl am Platze. Kann man vielleicht im Kabarett machen, aber sollte nicht im Journalismus stattfinden – denn denn setzt man sich nicht mit den Argumenten auseinander. Also: Es stört mich generell, nicht nur, wenn es hier passiert.

    • Svetlana am

      Ich stimme ihnen zu. Dieser Boykottaufruf geht mal überhaupt gar nicht!
      Die Polemik beginnt aber bereits in der Überschrift ”
      Kundenverachtendes Schweigen bei Amazon”.
      Erinnert mich an den Ex-Tagesthemen-Moderator Thomas Roth, bei dem auch jeder Satz über Rußland mindest ein negatives Attribut enthielt.
      Journalismus soll informieren und nicht werten – so sehe ich das jedenfalls.

      • Es gibt unterschiedliche Arten von Journalismus. Die Blogs hier sind Kommentare und dadurch erheblich meinungsgeprägt. Es sind keine Nachrichten, wo dies nicht hingehört, da haben Sie Recht. Hier aber schon.

  5. Ich gebe Ihnen Recht, aber Ihr Artikel enthält in meinen Augen auch wenig Aufklärung.
    Woher wissen Sie, dass alle Betroffenen eine E-Mail bekommen haben, wenn sie gar nicht wissen, wer betroffen ist?
    Haben vielleicht ein paar Leute Fake-E-Mails bekommen, die täglich im Namen von Amazon unterwegs sind? Wenn Sie das ausschließen: warum?

    • Wie kann ich zur Aufklärung beitragen? Das ist Aufgabe von Amazon. Ich ordne das – in meinen Augen – Fehlverhalten von Amazon ein und fordere strengere Richtlinien ein, die der Gesetzgeber einrichten sollte. Ob alle Betroffenen informiert wurden, habe ich nicht gesagt und kann ich in der Tat nicht wissen. Es gibt lediglich Berichte von diesen – kläglich dünnen – Informationen.

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