Netflix will Games machen – und das wird richtig schwierig

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Netflix will Games machen – und das wird richtig schwierig

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Netflix ist eine Erfolgsgeschichte: Vom DVD-Verleihshop zum Streaming-Marktführer mit weltweit mehr als 200 Millionen Abonnenten. Aber das Wachstum ist ins Stocken geraten und die Konkurrenz riesig. Eine erhoffte Lösung: Videospiele. Netflix will auch Games ins Portfolio aufnehmen.

Wenn wir über Netflix-Konkurrenz sprechen, sind nämlich nicht nur andere Streaming-Dienste wie Disney Plus oder Amazon Prime Video gemeint. Es geht auch um „Fortnite“, „Genshin Impact“, „Minecraft“ und all die anderen Videospiele, die Zeitvertreib für hunderte Stunden bieten.

Netflix will seine User mit Games binden

Und das ist die Währung: die Zeit der User. Wer täglich mehrere Stunden „Fifa“ zockt, hat keine Zeit mehr für Netflix – könnte also auf die Idee kommen, das Abo zu kündigen.

Für den Anfang soll es nun auf Netflix Mobile-Games geben, integriert in bestehende Abos, ohne Zusatzkosten. Denkbar wären aber auch aufwändigere Spiele zu beliebten Netflix-Produktionen, „Stranger Things“, „Dark“ und so weiter. Den Usern dürfte das gefallen – und sie verbrächten ihre Zeit weiterhin mit Netflix.

Ein Mann guckt Netflix auf dem Tablet. Bild: CardMapr.nl / Unsplash

So könnte das Games-Angebot von Netflix erfolgreich sein.

So gesehen ist der Schritt von Netflix logisch. Vor allem ist er auch gar nicht so überraschend, schon andere Tech-Unternehmen versuchen sich daran: Google hat den Cloud-Gaming-Service Stadia ins Leben gerufen, Apple wildert mit dem Abo-Dienst Apple Arcade im Gamesmarkt, Amazon produziert eigene Games.

Sie alle wollen was vom fetten Kuchen abhaben. Voriges Jahr sind laut Marktforschungsunternehmen Superdata weltweit ungefähr 115 Milliarden Euro für Videospiele ausgegeben worden.

Das Problem: Games sind schwierig. Aufwändige Produktionen dauern drei und mehr Jahre, verschlingen Unsummen an Geld, und am Ende kann etwas herauskommen, das keinen Spaß macht und nur einen Bruchteil der Kosten wieder einspielt.

Ernüchterung bei Google und Amazon

Das bekommen auch die Großen zu spüren: Google hat seine internen Spielestudios geschlossen, bevor die auch nur ein einziges Spiel veröffentlicht haben. Auch Amazon hat die Produktion eines „Herr der Ringe“-Games eingestampft. Und das vorige Jahr erschienenen Multiplayer-Actionspiel „Crucible“ stellte der Online-Versandhandel nach einem halben Jahr wieder ein. Das waren spektakulär schmerzhafte Bruchlandungen in der Spielebranche.

Netflix will Filme und Serien auf Blockbuster-Niveau produzieren. Will es auch Blockbuster-Games machen, braucht das Unternehmen viel Geld und einen langen Atem. Sonst bleibt es eine Stippvisite in der Gameswelt – und für die User nur ein kurzer Zeitvertreib.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

3 Kommentare

  1. Wenn Netflix Mobilespiele macht, braucht die doch eigentlich niemand. Mobile ist sowieso meistens umsonst oder fast umsonst. Dafür muss ich nicht noch ein Abo bei Netflix abschließen. Die sollten lieber Serien machen, warum nicht noch mehr zu irgendwelchen Games. War bei Witcher auch ganz gut.

  2. Davon ab das es extremst schwierig ist gute, fehlerfreie Spiele zu produzieren, willkommen im Spielemarkt „Netflix“.

    Der Spieler selbst kann davon nur profitieren. Geht es Netflix am Ende so wie Google, kein Verlust. Schafft es Netflix aber, so wie just Amazon mit New World, ein gutes Spiel an den Markt zu bringen, dann freut sich der Spieler über mehr Vielfalt und ein gutes Spiel.

    Ungleich trauriger ist es wenn Größen wie EA, Ubisoft, Studios wie Bioware, Blizzard aufkaufen, welche über viele Jahre Qualität lieferten und diese dann zugrunde richten.

    • Thomas Ruscher am

      Zumindest dürfte Netflix keine größeren Studios aufkaufen, um exklusive Netflix-Titel produzieren zu lassen. Das scheint mir zu amibioniert für den Streamingdienst. Vielleicht finden sie aber eine Nische, Casual-Titel oder kurze, nicht ganz so aufwändige Titel zu bekannten Netflix-Marken. Es gab ja auch mal dieses relativ simple Spiel zu „Stranger Things“.

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