Wie ein deutsches Game den Crowdfunding-Traum platzen lässt

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Wie ein deutsches Game den Crowdfunding-Traum platzen lässt

Kommentare zum Artikel: 4

Kickstarter ist ein Versprechen: Auf der Crowdfunding-Plattform können Computerspieler und Entwickler ihre Lieblingsspiele verwirklichen. Für die Spieler springt im besten Fall ein Spiel ganz nach ihren Wünschen heraus. Im schlechtesten Fall ist das Geld weg.

Doch die Traummaschine Kickstarter funktioniert nicht mehr. Das zeigt gerade ein kleines Team aus Deutschland mit seinem Spieleprojekt “Raw“. 170.000 Euro sammelten die Fürther Entwickler von den Fans ein. Dann brach Kickstarter das Projekt ab, die Unterstützer behalten ihr Geld.

https://youtu.be/E-zglbhIdJM

Mit diesem Video haben die Entwickler “Raw” beworben.

Denn “Raw” war unglaublich überambitioniert: eine riesige Open-World-Simulation für Hunderte Spieler mit nahezu grenzenlosen Spielmöglichkeiten. Nur: Für eine solche Spieleentwicklung braucht man ein paar Millionen Euro und jahrelange Erfahrung. Die Entwickler selbst haben gesagt: Das Kickstarter-Geld reicht nie und nimmer.

Tim Schafer startete den Hype

Vor sieben Jahren war das noch anders. Da ging es mit Tim Schafer und seinen Double Fine Studios los: 3,3 Millionen US-Dollar sammelte er ein. Sein Ziel: ein klassisches Adventure-Game, ganz wie früher. Das war seinerzeit das mit Abstand erfolgreichste Projekt auf Kickstarter und rauschte durch die Medien.

Der Hype war da. Viele wollten den Erfolg Schafers auf Kickstarter wiederholen und haben mit der Unterstützung der sogenannten Backer hervorragende Games geschaffen. Auch deutsche Studios wie die Bremer King Art Games haben so erfolgreich gleich mehrere Spiele verwirklicht.

Auf der anderen Seite stehen die Entwickler, bei denen das Geld nicht gereicht hat, und die ihre Produktion abbrechen mussten. Und ganz am Rande stehen die schwarzen Schafe: Betrüger, die nur Geld einsammeln wollen und nie vorhaben, ein versprochenes Game zu entwickeln.

“Raw” hat das Vertrauen der Spieler zerstört

“Raw” hatte auf Kickstarter etwa 4.000 Unterstützer, die an das Team und das Spiel geglaubt haben. Vorzuweisen hatten die Macher allerdings nicht viel: nur ihre Ideen und einen hübschen Trailer. Es war ein Fantasie-Projekt. Und die 4.000 Unterstützer werden sich beim nächsten Kickstarter-Versprechen sehr genau überlegen, ob sie es glauben sollen.

Das ist eine Chance: Kickstarter sollte strenger prüfen, was für Projekte auf der Plattform eingestellt werden und ob sie tatsächlich realisiert werden können – und nicht bis zum letzten Moment warten, bis sie Projekte wie “Raw” einstellen. Das würde Vertrauen aufbauen und Spieler könnten wieder ruhigen Gewissens Geld in die Versprechen stecken.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

4 Kommentare

  1. Ralf Singh am

    Die Leute können kein Geld zurück bekommen, wenn die Kampagne noch nicht beendet war. Denn es hat noch keine Abbuchung stattgefunden. Abgebucht wird immer nach Abschluss einer Kampagne. So wie es hier aber beschrieben wird wurde die Kampagne vor Abschluss abgebrochen, also kann man auch kein Geld zurück geben…

    • Thomas Ruscher am

      Das ist richtig, danke für den Hinweis! Ich korrigiere das. Die Kampagne zu “Raw” wurde sozusagen auf den letzten Drücker von Kickstarter abgebrochen, also kurz bevor tatsächlich Geld abgebucht worden wäre. Ob die Backer dann ihr Geld zurück bekommen hätten – oder eben ob sie eine entsprechende Gegenleistung erhalten hätten – scheint nach derzeitigem Kenntnisstand fraglich.

  2. Prüft Kickstarter überhaupt derzeitig? Wenn ja wie?

    Ich könnte mir vorstellen das ein Projekt z.B. einen Projekt-Plan einreichen muss. Dort sind sämtliche Eckdaten des Projektes dokumentiert. Wenn gut gemacht ist eine Plausibilitätsprüfung möglich.

    Das dumme ist selbst das Lesen und Verstehen eines solchen Dokumentes ist nicht trivial. Wenn man dann auch noch Anfängt mit den Autoren zu Diskutieren geht noch einmal viel Zeit ins Land.

    Notwendig um Vertrauen zu gewinnen vielleicht, ob solch ein Ansatz aufgrund der Kosten für Kickstarter realistisch ist ???

    • Thomas Ruscher am

      Kickstarter schreibt, dass die Projekte durch einen Algorithmus geprüft werden, ob sie bereit zur Veröffentlichung sind: “Hier werden Dinge wie die Projektbeschreibung, die Belohnungen, das Finanzierungsziel und etwaige vorherige Projekte des Projektgründers überprüft.”, heißt es. Entscheidend für Kickstarter in diesem Fall ist, dass ein Projekt mit dem auf Kickstarter eingesammelten Geld realisierbar sein muss. Bei “Raw” haben die Entwickler selbst auf Nachfrage zugegeben, dass das Kickstarter-Geld nicht reiche und sie zusätzliche Mittel über andere Plattformen einsammelt wollen.

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