Wie Ellie eine E-Sport-Affäre verursachte

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Wie Ellie eine E-Sport-Affäre verursachte

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Eigentlich fing es ganz harmlos an. Kurz vor Weihnachten präsentierte der amerikanische E-Sport-Verein Second Wind seine neueste Spielerin im Team: Ellie. Ihre Disziplin: Das fröhlich-bunte Actionspiel “Overwatch” vom Entwickler Blizzard, in dem sich zwei Teams mit allerlei schwerem Geschütz zu Leibe rücken. Und Ellie ist gut. Innerhalb kürzester Zeit erspielte sie sich eine Topplatzierung in der Spielerrangliste Nordamerikas. Und das sorgt für Aufsehen in der Community.

https://www.youtube.com/watch?v=dushZybUYnM

Das ist “Overwatch”.

Die Fans wollen wissen: Wer ist Ellie? Vor allem ist sie eine der wenigen Frauen in ihrer Spielklasse. Spieleentwickler Blizzard legt zwar großen Wert auf Diversität in “Overwatch”, die Spielfiguren haben vielfältige kulturelle Hintergründe und die Heldin Tracer etwa ist lesbisch. Doch in Ellies Liga dominieren die Männer. Und während die mit Vor- und Nachnamen bekannt sind, so wie auch die Frauen in der Liga, bleibt Ellie einfach nur Ellie.

Das wirft Fragen in der Community auf. Wo kommt Ellie her? Warum schweigt sie während der Matches die meiste Zeit? Kann es wirklich sein, dass eine Frau so schnell eine so gute Overwatch-Spielerin wird? Und es wird toxischer: Auch andere E-Sportler spekulieren, es könne sich nicht um eine Frau handeln, sondern es müsse ein männlicher Spieler sein, der sich einen Zweit-Account zugelegt hat.

Ellie schmeißt hin

Es gibt die ersten Beleidigungen, ein Shitstorm entwickelt sich, dann wird zum Doxing aufgerufen: Die Community soll persönliche Daten, Adressen, Telefonnummern und so weiter von Ellie sammeln und veröffentlichen, damit endlich bekannt wird, wer Ellie wirklich ist. Schnell hat Ellie die Schnauze voll. Noch vor ihrem ersten offiziellen Match für ihr neues Team gibt sie auf und schmeißt hin.

Eigentlich könnte diese Geschichte an dieser Stelle zu Ende sein. Wir hätten ein weiteres hässliches Beispiel dafür, wie Frauen in der Gaming-Szene und im E-Sport behandelt werden können. Doch die Geschichte geht weiter.

https://www.youtube.com/watch?v=GXuk8MBT77w

Sexismus und Beleidigungen kommen in der Gaming-Szene immer wieder vor.

Kurz nach Ellies Rücktritt erhärten sich die Gerüchte: Ellie gebe es nicht, sie soll von einem männlichen Top-500-Spieler namens Punisher gespielt worden sein. Dann bestätigt der Spieler Coluge: Ja, ich habe zusammen mit Punisher unter dem Ellie-Account gespielt. Es habe sich um ein soziales Experiment gehandelt. Schließlich bestätigt Overwatch- Hersteller Blizzard: Ellie ist nicht, wer sie vorgibt zu sein. Der Mob, der zuvor schon die Jagd aufgenommen hatte, fühlt sich im Recht.

Was bleibt, ist eine Posse im E-Sport, bei der es nur Verlierer gibt. Teile der Community haben ihr hässlichstes Gesicht gezeigt, das Team Second Wind ist in die Blamage geschlittert und das vermeintliche “soziale Experiment” dürfte dafür sorgen, dass talentierte Spielerinnen noch kritischer beäugt werden – und es künftig noch ein wenig schwieriger haben, sich im E-Sport durchzusetzen.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

7 Kommentare

  1. Taiquera am

    Frau erfindet Story, wird beim lügen ertappt, Männer werden als Bösewichte dargestellt.

    Und täglich grüßt das Murmeltier.

    Immer wieder wird versucht sich mit liebreiz Vorteile zu verschaffen, wenn man aufliegt oder es nicht klappt ist die Männerschaft schuld.

    Kein Wunder, dass niemand die Frauen ernst nimmt die sich ihren Erfolg hart erarbeiten.

  2. Wie traurig, dass vorwiegend junge Männer im 21. Jahrhundert geistig immer noch im 19. Jahrhundert stecken. Dabei weiß man im Internet doch eigentlich nie, wen man da vor sich hat. Vielleicht sind die ganzen guten Gamer ja in Wirklichkeit Frauen? Ich z. B. bin fast überall als Mann unterwegs, weil ich keine Lust auf die Anfeindungen habe, denen man als Frau im Internet überall ausgesetzt ist. Komischerweise werde ich auf meinen männlichen Accounts immer viel mehr respektiert als auf meinen weiblichen, obwohl ich genau das gleiche sage und gleich gut spiele.

    • Und nach Ihren bisherigen Erfahrungen:
      Wie würden Sie sich fühlen, wenn einer Ihrer Kritiker oder Gegenspieler Teile einer Community dazu aufriefe, jedes Komma, jeden Smiley, den Sie je im Netz gepostet haben, aufzufinden – nur um Sie besser kennenzulernen und sich ein vollständigeres Bild von Ihnen machen zu können?
      Und das, obwohl Sie gerade in diesem Bereich Ihres Lebens aus persönlichen oder strategischen Gründen lieber weitestgehend anonym oder geheimnisvoll-anonym bleiben möchten?
      Wenn diese Meute dann tatsächlich Jagd auf Ihr Online-Leben machte, wie ginge es Ihnen dabei?
      ———
      Es gibt Dienstleister, die z. B. für Arbeitgeber bereits Online-Aktivitäten eines potentiellen neuen Mitarbeiters durchleuchten. Das läuft unter “(diskretes) Geschäft”.
      Doch wenn das eine Horde Privatleute macht, was ist es dann? – Interesse, Recherche, Ermittlungen, digitale Menschenjagd?
      Wäre das in Deutschland schon irgendwie (zivil-) rechtlich relevant oder gilt der Grundsatz, dass jeder für seine Daten einstehen muss?
      ——–
      Der Aufruf zum Schwarm-Doxing, weil ein mutmaßlich männlicher Gamer als angemeldeter wortkarger weiblicher Gamer zu schnell zu gut auf (Profi-) Wettbewerbsniveau spielt, ist für mich unter aller Kanone.
      – “Ellie” hätte ja auch sprachliche Probleme haben können: Einen “grauenhaften” Akzent, Stottern … irgend etwas, für das sie sich schämt. Trotzdem hätte sie heiß auf “Overwatch” und Wettbewerbe sein können.

  3. Ihr gamer seid krank! einfach süchtig und krank.
    Ihr habt jeden Sinn für die Realität verloren, genauso wie Fussballfans, die jedes Spiel ihrer Idole verfolgen, auch in Turkmenistan…

    • Thomas Ruscher am

      Ach, DEN Gamer gibt es ja nicht, DEN E-Sportler oder Fan auch nicht. Und die meisten von ihnen sind schlichtweg begeistert von bestimmten Computerspielen und können sich für die Leistungen der Profis begeistern. Das soll die schwarzen Schafe unter ihnen nicht relativieren, aber es gibt eben auch viele, sehr viele von den “Guten”.

  4. Ganz toll.
    Aufruf zum Schwarm-Doxing!
    Vergesst Dystopien, die Realität kann noch schlimmer sein.
    Läuft der Ausgang dieses sozialen Experiments eher unter Fake oder metoo?
    Schade, dass zwei Spieler unter “Ellie” spielten … wenns nur einer gewesen wäre, würde der Fake-Vorwurf vllt weniger schwer wiegen und in der Szene könnte unbeschwerter diskutiert werden.
    Sehr gute Auge-Finger/Hand-Befehls-Koordination bei “Overwatch” ist unweiblich, sporttreibende Naturwissenschaftlerinnen gibt es nicht?
    Wow.

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