Auf der Gamescom steht Deutschland in der zweiten Reihe

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Auf der Gamescom steht Deutschland in der zweiten Reihe

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Wem fallen spontan drei gute und aktuelle Computer- und Videospiele aus Deutschland ein? Das ist keine einfache Frage, aber gerade jetzt für Spiele-Deutschland eine wichtige. Denn heute beginnt die Gamescom, wieder als digitales Event.

Ab dem Abend, mit der Eröffnungsshow Opening Night Live, schauen internationale Medien und Fans nach Deutschland, hören sich Interviews mit Spieleentwicklern und Influencern an und konsumiert eine neue Spielankündigung nach der anderen.

Schlechte Stimmung in der Branche

Doch während sich die deutsche Gamesbranche feiert, rumort es hinter den Kulissen. Denn die eigentlichen Stars der Messe sind die internationalen Spieleproduktionen. Deutsche Spiele gibt es natürlich auch – eine große Rolle spielen sie aber nicht.

Das zeigen auch die aktuellen Zahlen vom Branchenverband Game: Im Corona-Jahr 2020 ist der Umsatz mit Videospielen in Deutschland auf 8,5 Milliarden Euro geklettert, Rekord. Im ersten Halbjahr 2021 sind es bereits 4,6 Milliarden Euro.

Das Problem: Diese riesigen Umsatzzahlen rauschen an den deutschen Spieleproduktionen vorbei. Von 100 ausgegebenen Euro entfallen nur 4,2 Euro auf hiesige Produktionen.

Felix Falk ist Geschäftsführer vom Branchenverband Game. Bild: Koelnmesse

Der Anteil der deutschen Branche am Gamesmarkt ist zu klein, sagt Felix Falk, Branchenverband Game.

Wer ist schuld? Der Game-Verband hat die Spieleentwickler gefragt und die Antwort lautet: der Staat Oder zumindest die hiesigen Rahmenbedingungen. Digitale Bildung ist eher schlecht, Internet-Infrastruktur sowieso, es gibt zu wenige Fachkräfte, Deutschland hat ein schlechtes Image als Games-Standort und so weiter.

50 Millionen Euro jährliche Förderung – macht was draus!

Ja, das ist berechtigte Kritik. Aber: Es laufen auch einige Dinge ziemlich gut in Deutschland. Die Ausbildung für die Fachkräfte von morgen kommt in Fahrt. Manche Bundesländer, vor allem Bayern, Berlin und NRW, haben die wirtschaftliche und kreative Kraft von Games erkannt und fördern ihre Entwicklung.

Auch der Bund selbst steckt jedes Jahr 50 Millionen Euro in die Spieleindustrie als Förderung. Nach einigen Ankaufschwierigkeiten scheinen inzwischen im verantwortlichen Verkehrsministerium Menschen zu sitzen, die ihrerseits Bock auf Games haben und das Medium verstehen. An Geld mangelt es also nicht.

Trotzdem werden uns während der Gamescom vor allem die internationalen Produktionen blenden. Die Förderspiele aus Deutschland werden noch ein, zwei Jahre in Produktion sein – und dann sind vielleicht auch endlich Spitzenspiele made in germany auf der Gamescom. Mit ihnen werden sich die Rahmenbedingungen verbessern, die deutschen Spielestudios haben es in der Hand.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

2 Kommentare

  1. Haben die deutschen Spielestudios nicht einen starken Wettbewerbsnachteil aufgrund der hohen Löhne im Vergleich zu anderen Ländern? Am Ende sind doch insbesondere die Anzahl der Entwickler entscheidend, um ein richtiges Blockbuster Game zu bewältigen und erfolgreich machen zu können.

    • Thomas Ruscher am

      Im Vergleich zu einigen Ländern mag das sicher stimmen, Polen hat etwa eine ordentliche Gamesindustrie aufgebaut, auch in osteuropäischen Staaten sitzen Spielestudios. Andererseits gehören auch USA, Kanada, Japan, Frankreich zur Spitze, wenn es um Spieleentwicklung geht und – ohne jetzt Zahlen parat zu haben – gering sind die Löhne dort auch nicht.

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