Corona: Desinformation weit verbreitet

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Corona: Desinformation weit verbreitet

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Der Trend setzt sich fort: Das Internet wird für die Nachrichtennutzung zunehmend wichtiger. Bei jüngeren Menschen ist es sogar die mit großem Abstand wichtigste Nachrichtenquelle, wie der neue „Reuters Digital News Report“ zeigt.

Für ein Viertel der 18-25-jährigen sind die Sozialen Medien Hauptnachrichtenquelle, obwohl ihnen vollkommen klar ist, dass gerade dort die Wahrscheinlichkeit groß ist auf Desinformation zu treffen – vor allem zu Corona.

Desinformation zu Corona: Viel oder wenig?

Fast die Hälfte aller Befragten gibt an, schon mal in Kontakt mit falschen oder irreführenden Informationen zu Corona gekommen zu sein. Doch ist das wirklich viel?

Bei keinem anderen Thema ist Desinformation laut Befragung so präsent. Faktenchecker und auch Behörden weisen auf eine Vielzahl von Falschinformationen über Corona hin. Von der reinen Menge ist es also definitiv viel.

Offen bleibt trotzdem, ob nicht noch viel mehr Leuten solche falschen oder irreführenden Informationen hätten auffallen können oder müssen?

Wem fällt Desinformation überhaupt auf?

Laut Report haben 45 Prozent der 18-25-jährigen Bedenken, Falschmeldungen von Fakten überhaupt unterscheiden zu können. Bei keiner anderen Altersgruppe ist diese Befürchtung so groß. Alarmierend? Ja und Nein.

Andere Erhebungen zeigen recht klar: Gerade jüngere Leute erkennen Desinformation tendenziell eher als Ältere. Desinformation ist also ein großes Problem. Das Ausmaß ist aber wohl eher größer, als die Daten zunächst annehmen lassen. Viele erkennen Desinformation schlicht erst gar nicht – wahrscheinlich vor allem Ältere.

zwei die für Desinformation bekannt sind: Michael ballweg von der Initiative "Querdenken" und Ken Jebsen, der hinter Internetportal "KenFM" steht.

Verbündete: Ken Jebsen der hinter „KenFM“ steht und „Querdenken“-Gründer Michael Ballweg. Beide verbreiten Desinformationen zu Corona. (imago images)

Wer tut etwas dagegen?

Für die Ergebnisse gibt es möglicherweise noch eine Erklärung: Die vielen Faktenchecker, unter anderem von Correctiv, dpa und Tagesschau, machen einen ziemlich guten Job. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass Desinformation erkannt wird – vor allem bei Corona.

Eben wegen Corona können sich die Faktenchecker aber sicherlich nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Das wird auch so bleiben, denn viele Urheber der Desinformation können relativ ungestört arbeiten, zum Beispiel RT Deutsch.

So langsam tut sich aber doch was: Die Medienanstalten der Bundesländer dürfen inzwischen gegen Falschinformation im Netz vorgehen – wie im Fall des einschlägig bekannten Angebots KenFM.

Dieses Eingreifen ist notwendig, aber der Reuters Report zeigt deutlich, dass an dieser Stelle mehr passieren muss.

Über den Autor

Christopher Ophoven arbeitet vor allem für die Wissenschaftsredaktion und das Medienmagazin „Töne, Texte, Bilder“. Er geht der Frage nach, wie wir uns im Internet informieren. Er selber liest gerne Zeitung, allerdings immer seltener auf Papier.

6 Kommentare

  1. FairBert am

    Wenn 100 Personen eine „Fake“ Meldung erhalten, dann sind das nicht 100 verschiedene, sondern könnte nur 1 oder nur 50 verschiedene sein.
    Ich glaube, dass diese Angaben zu allgemein und deshalb nicht korrekt sind.

    Dann gibt es unterschiedliche Arten von Nachrichten und unterschiedliche Beweggründe, Nachrichten zu posten.
    Dh es sind nicht alles bewusst falsch formulierte Nachrichten.

    Meldungen werden bestens durch unsere „Gruppenmedien“ verteilt.
    Sie müssen nur plausibel klingen.
    Und da kommen wir zum eigentlichen Kern.

    Pro und Kontra am 25.06.2021 11:54 beschrieb bereits einige Beispiele.
    Viele Medien ebenfals als „Echokammer“, übernehmen ebenfalls ungeprüft (?) Nachrichten.
    Nur weil unsere Medien den Anspruch „Wir sind Demokraten und verteidigen unsere Demokratie und Freiheit“ haben, ist das kein Persilschein für korrekte Fakten/ Nachrichten.

    Bestes Coronabeispiel sind die veröffentlichen Zahlen:
    Es wird einfach nicht die gleiche Einheit (Prozent) für alles genommen, Haupsache größer 10. Komischerweise ist nur die Zahl der geimpften und die der besetzten Intensivbetten in % angegeben.
    Warum wohl ?
    Weil bewusst Zahlen „sehr hoch/gross“ aussehen sollen.
    Einen anderen Grund gibt es dafür nicht.

    Letztes Beispiel das EM Fußballspiel:
    Obwohl es ein beschränktes Ein- Ausreisegebot gegenüber England besteht, findet jetzt dort Fußball statt, mit Zuschauern (Englan-Deutschland).
    Da müssen wir uns doch wirklich fragen, wie ernst meinen es PolitikerInnen denn mit Corona ?

    P.S.
    Herzlichen Dank für diese angenehme Möglichkeit, hier diskutieren zu können :)

  2. Pro und Kontra am

    Die Frage was Desinformation ist beantwortet jede Filterblase für sich anders. Öffentlich rechtliche Medien zeigen Haltung, nicht mehr die Meinungsvielfalt als Gegenüberstellung von Pro und Kontra. Russia Today manipuliert nicht mehr als unser Haltungsjournalismus, nur wird aus einem anderen Weltbild heraus anders manipuliert.

    Die Haltung bei Corona in öffentlich rechtlichen Medien ist, alles in den Vordergrund zu rücken was in Richtung Verschärfung der Regeln geht, fast alles auszulassen was gegen Verschärfung spricht und möglichst pauschal alle zu diffamieren die nicht in Richtung schärferer Verschärfung argumentieren. Talkshow gestern mit Maybritt illner; schon in den ersten Minuten einer Sendung über Corona hatte sie Nazis auf dem Schirm gebracht, diesmal die aus Ungarn.

    Wenn mich mich über Filterblasen beschwere muss ich wohl auch selbst Pro und Kontra gegenüber stellen. Gut war gestern, neben Dauergast Lauterbach hatte sie auch einen Aerosolforscher eingeladen. Gut war, in meiner Wahrnehmung war der WDR der erste Sender der überhaupt mal Aerosolforscher zitiert hat. Allerdings erst nach einem Jahr Maskenpflicht an der frischen Luft und ob ich auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt eine Maske trage oder einen Aluhut ist als Idiotie gleichwertig.

    Wie macht man es besser? Nicht durch Gegenhalten einer anderen Filterblase.
    1. Anonymisierende Suchmaschinen, sonst bekommt man nur Ergebnisse die der eigenen Meinung entsprechen. Die Suchmaschine weiß was schon was eine ID gerne liest.
    2. Wikipedia hat mit Abstand den besten Schutz gegen Einseitigkeit
    3. Selbst Quellen wie Gesetze, Abkommen oder Pressemitteilungen lesen
    4. Verschiedene Einordnungen lesen, auch ausländische Presse

    Ich stimme zu, der Faktenfinder der Tagesschau macht tatsächlich oft „einen ziemlich guten Job“. Im FAQ „Asylbewerber, Flüchtlinge, Migranten – was sind die Unterschiede?“ (Stand: 07.08.2015 16:35 Uhr) steht z.B. der Satz: „Bei einer Einreise über einen sicheren Drittstaat ist eine Anerkennung als Asylberechtigter ausgeschlossen.“ Das weis man aber auch wenn man Grundgesetz Art. 16a selbst mal liest und nicht nur den ersten Absatz. Nur die Haltungsjournalisten ignorieren das völlig und ob Anja Reschke die beste Wahl ist um Fakten auf jeder Seite zu finden bezweifel ich auch.

  3. Ich sende voraus ich möchte den Artikel nicht diskreditieren, sondern sinnvoll ergänzen. Ich hoffe es gelingt mir.

    Desinformation ist ähnlich wie die Lüge das bewusste, vorsätzliche verbreiten falscher Information, mit der Betonung auf „bewusst und vorsätzlich“. Falschinformation oder eine Falschmeldung kann auch einfach aufgrund von Schludrigkeit oder schlicht Unkenntnis entstehen. In diesem Artikel scheint mir beides ziemlich durcheinander geworfen zu werden.

    Ich persönlich denke es ist nicht unwichtig hier zu unterscheiden. Desinformation hat eine andere Qualität als Falschinformation, eine Lüge hat eine andere Qualität als eine Falschaussage.

    • „… eine Lüge hat eine andere Qualität als eine Falschaussage.“.
      Ändert am Ergebnis bzw. an dem, was beim Empfänger ankommt, genau was?
      A: „Ich habe im Zeugenstand Richter und Staatsanwalt gegenüber eine Falschaussage gemacht.“
      B: „Puh, dann geht’s ja noch. Nur gut, dass Du sie nicht belogen hast.“
      ;)
      Anlassbezogen ;): Ein frei erfundener/erlogener Lebenslauf, wäre nach Ihnen also „schlechter“ einzustufen, als ein bewusst korrigiertes/frisiertes Pendant.
      Nö, ist beides Täuschung – gleich schlecht und gleich schäbig!

      • Mit einer Lüge oder einer Desinformation wird ein Ziel verfolgt. Meist zum Nutzen des Lügners oder zum Schaden des Belogenen. Lügen, Desinformation können aufeinander aufbauen. Das Verfolgen einer Strategie ist möglich.

        Bei unbewussten Falschaussagen, Falschinformationen steht die Falschaussage/Information für sich. Schaden, Nutzen, wenn er den entsteht, sind willkürlicher, nicht beabsichtigt und meist gering.

        Und ich weiß nicht wie es Ihnen geht. Wenn mir jemand aus reiner Unkenntnis eine Falschinformation gibt, dann empfinde ich das nicht als schäbig, es passiert jedem. Wenn mich jemand bewusst anlügt und mir dadurch Schaden zufügt, spätestens dann kommt „schäbig“ ins Spiel.

        Das macht übrigens auch juristisch im Zeugenstand einen Unterschied, wenn es um die potentielle Strafbarkeit einer Aussage geht.

        • Ich verstehe Ihren Standpunkt schon.
          Ich sage Ihnen um 19:10 Uhr: „Es ist jetzt 18:20 Uhr! Sie erreichen Ihren Anschlusszug locker!“. Nun kann ich das als bewusste Falschaussage/Lüge getan haben, weil ich ein boshafter Mensch bin, ich kann das bewusst als „Scherzkeks“ getan haben, weil ich es irgendwie lustig finde oder ich habe es schlicht getan, weil ich meiner falschgehenden Armbanduhr vertraut habe und deren Information an Sie weitergab – eine unbewusste Falschaussage.
          Worum es mir geht: das Ergebnis! aber, ist in allen! Fällen immer gleich und für Sie, verspätend am Bahnhof ankommend sowie den Zug verpassend, immer gleich unangenehm und ich bin (was nur allzu menschlich ist) in Ihren Augen natürlich irgendwo des Übels verantwortliche Ursache; gelinde formuliert. Meine tatsächlichen Beweggründe, dürften Sie im Nachhinein recht wenig interessieren, oder? Sie haben mir vertraut! und deshalb Ihren Zug verpasst, nur das zählt; nicht die analytisch-nuancierte Differenzierung zwischen Lüge, Desinformation, bewusster oder unbewusster Falschaussage. Das meinte ich und dieses Spiel, um ein ganz bestimmtes Ergebnis gezielt zu erreichen, kann man auch ganz bewusst mit anderen spielen, was es mitunter recht gefährlich machen kann.
          Haben Sie detailliert den Fall um das „Ibiza-Video“ verfolgt und was daraus geworden ist? Ein wunderschönes Praxisbeispiel rund um die Welt von Falschaussagen, Lügen, Desinformation, Drahtzieher (und deren Motivation) und um die Rolle(nspiele) sog. Faktenfinder, -erfinder und -korrigierer sowie um die Macht der Medien ganz allgemein; aber ganz besonders (und mit den Erkenntnissen des Nachhineins) um Unmengen von unglaublich heißer Luft und damit verbundener Empörung. Dennoch: das originär verfolgte Ziel wurde glänzend erreicht. Verstehen Sie nun etwas besser, was ich meine? Wir sind eigentlich gar nicht so weit auseinander. ;)

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