“Facebook News” – Was steckt dahinter?

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“Facebook News” – Was steckt dahinter?

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Als vor knapp eineinhalb Jahren Facebook News in den USA startete, war der Aufschrei groß. Facebook-Chef Marc Zuckerberg hatte zwar „high-quality journalism“ versprochen – doch neben “New York Times” und Co. erhielt auch das mindestens rechtspopulistische Portal “Breitbart” eine Plattform.

Als Facebook dann im vergangenen Jahr ankündigte, mit seinem News-Angebot auch nach Deutschland kommen zu wollen, waren die Befürchtungen groß, hier könne sich Ähnliches wiederholen – das scheint aber nicht der Fall zu sein.

Spiegel, Zeit und viele Regional-Verlage

Wenn Facebook News im Mai in Deutschland startet, dann werden viele große Medienhäuser wie „Der Spiegel“, „Die Zeit“ und auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ dabei sein – das sind definitiv vertrauenswürdige Quellen mit guten Inhalten.

Angebote wie Breitbart wird es in der deutschen Ausgabe nicht geben. Sicherlich lässt sich darüber streiten ob Portale wie „Promiflash“ „high-quality journalism“ sind, aber Desinformation ist das nicht.

Gespaltene Verlage – Es geht ums Geld

Nicht in allen Medienhäusern wird Facebook News so positiv bewertet, viele große Titel werden zum Start nicht dabei sein: Die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Bild“ sind beispielsweise nicht dabei und auch in anderen Medienhäusern ist die Skepsis groß.

Facebook bezahlt die Medienhäuser dafür, dass sie Inhalte in Facebook News zu Verfügung stellen – wie viel ist aber unklar. Bekannt ist nur, dass es nicht allen genug ist.

Im Covid-19 Informationszentrum von Facebook erfolgt eine Nachrichtenauswahl von Menschen

Im Covid-19 Informationszentrum von Facebook werden bereits Artikel von Journalisten ausgewählt. Facebook bezahlt dafür den News-Aggregator “Upday”, der zum Springer-Konzern gehört.

Menschliche Nachrichtenauswahl – teilweise

Ein häufig genannter Kritikpunkt ist, dass es nur Algorithmen seien, die in Facebook News eine Nachrichtenauswahl treffen und deshalb populistische Inhalte mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Die meisten Artikel werden zwar tatsächlich von Algorithmen vorgeschlagen, wichtige Nachrichten des Tages werden aber von echten Menschen ausgewählt.

In Deutschland geschieht das bereits in „Informationszentren“ zu Covid-19 und Klima und es sind ausgerechnet Springer-Leute, die diese Nachrichtenauswahl treffen. Springer will sich zwar nicht mit „Bild“ und „Welt“ an Facebook News beteiligen, hat aber gleichzeitig keine Probleme damit an anderer Stelle Geld zu verdienen.

Es geht ums Geld

Facebook News ist sicherlich kein selbstloser Akt, sondern der Versuch, sein eigenes Produkt zu verbessern und vor allem weiteren Ärger mit Verlagen zu vermeiden. Die wollen an den hohen Werbeumsätzen Facebooks beteiligt werden.

Dieser Streit tobt in vielen Ländern und in Australien zeigte Facebook sehr deutlich, dass der Konzern keine Skrupel hat seine Marktmacht auszuspielen – er sperrte kurzfristig journalistische Angebote komplett aus.

Über den Autor

Christopher Ophoven arbeitet vor allem für die Wissenschaftsredaktion und das Medienmagazin „Töne, Texte, Bilder“. Er geht der Frage nach, wie wir uns im Internet informieren. Er selber liest gerne Zeitung, allerdings immer seltener auf Papier.

4 Kommentare

  1. Irgendwie hab ich das Gefühl es geht bei zu vielen Entscheidungen nur noch ums schnelle Geld. Echter, investigativer Journalismus ist nicht mehr gefragt. Seichte Unterhaltung und bloß nicht zu sehr anecken, dazu ein paar Klick Baits und gut ist.

  2. Ich verstehe den Rummel nicht: Die Medienhäuser kriege etlichen Traffic kostenlos von Google & Facebook und wollen dafür auch noch Geld haben?

  3. DollyToll am

    Zuckerberg ist rechtslastig und der Spinger-Verlag populistisch aus dem Hintergrund …. Keine schlechte Mischung für den ‘Umbau’ Deutschlands!

  4. Dass das “mindestens rechtspopulistische Portal ‘Breitbart'” nicht darauf erscheint bzw. erscheinen darf oder soll, finde ich okay. Was hat aber dann die, mindestens linkspopulistisch agierende, taz da verloren? Dann könnte auch gleich indymedia da mitmischen. Und ob “Der Spiegel” (nicht erst seit Relotius) noch als “definitiv vertrauenswürdige Quelle mit guten Inhalten” gilt, sei mal dahingestellt.
    Btw: Wer definiert und entscheidet eigentlich, wann Inhalte “gute Inhalte” sind?

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