Mark Zuckerberg fordert mehr Regulierung

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Mark Zuckerberg fordert mehr Regulierung

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Facebook befindet sich seit einer Weile unter Dauerfeuer. Weil über Facebook Wahlverhalten manipuliert wird. Weil auf Facebook Hatespeech und Dummheit einen Turbo verpasst bekommen. Weil im großen Stil Datenberge angehäuft und die Daten immer wieder veruntreut werden. Weil live Terrorakte zu sehen sind. Weil Jugendliche nichts ausreichend geschützt sind. Weil der Kommerz an erster Stelle steht … Die Liste ließe sich noch erheblich erweitern.

Mark Zuckerberg in seinem Netzwerk; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg überrascht mit Forderung nach mehr Regeln

Kein Aprilscherz: Zuckerberg will mehr Regeln

Facebook ist das mit Abstand größte, erfolgreichste, mächtigste Netzwerk der Welt. Nahezu alle “Phänomene” – so nenne ich die vielen Ungeheuerlichkeiten mal, die bei Facebook und Co. mitunter stattfinden – gibt es im von Mark Zuckerberg verantworteten Netzwerk. Bislang war Zuckerberg auf großer “Wir-haben-verstanden-sorry-kommt-nicht-wieder-vor”-Tour. Irgendwann hat ihm das niemand mehr wirklich geglaubt. Hoffe ich zumindest.

Was also tun? Am Wochenende hatte Mark Zuckerberg in einigen europäischen Zeitungen wie in der FAZ etwas gefordert, was viele überraschen dürfte: Zuckerberg will global einheitliche Regeln – und vor allem mehr Regulierung des Internets. Aber überall dieselbe.

Er fordert klare Regeln für Sperrungen von Inhalten, für Live-Streams, Wahlmanipulation und Dateitransfers. Und mehr Datenschutz für die User – weltweit einheitlich.

https://vimeo.com/277608645

Facebook sammelt Daten ohne Ende über die User

Die Politik ist jetzt doppelt gefordert

Auch wenn diese Initiative vor allem dem Interesse dient, Ruhe bei Facebook reinzubringen und verloren gegangenes Vertrauen der User zurückzugewinnen, so hat Zuckerberg doch einen wahren Kern getroffen: Man kann nicht ernsthaft erwarten, dass ein kommerzielles Unternehmen dem Gemeinwohl dient. Die Spielregeln muss schon der Staat vorgeben.

Genau daran mangelt es bekanntlich häufig. Wie schwierig es ist, klare Regeln zu formulieren, mit denen auch alle zufrieden sind (außer den Konzernen), zeigt die Debatte um Upload-Filter. Die Politik ist wenig kompetent und noch weniger weitsichtig.

Verwertbare Ergebnisse in 100 Jahren?

Um klare Regeln zu definieren, die alle relevanten Bereiche des Internets fair und klug regeln, braucht es viel Sachverstand sowie einen entschlossenen Willen. Und, bitteschön: bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Weltweit einheitliche Regeln wären natürlich erstrebenswert. Auch das Thema müsste mal angegangen werden. In den Vereinten Nationen. Clever von Zuckerberg, genau das nun zu fordern. Es wird vermutlich 100 Jahre dauern, bis da verwertbare Ergebnisse herauskommen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Linuxium am

    Also, ich denke, wer heute noch das Gesichtsbuch nutzt, der hat wirklich nichts zu verbergen!? Gibt doch genug alternativen, wenn es überhaupt einen Sinn ergibt, außer das man all seinen Mist offen ins Netz stellt.

  2. Welcher Staat soll Facebook regulieren? Auf Donald Trump würde ich mich für die erforderlichen Änderungen jedenfalls nicht verlassen wollen. Die EU verhängt zwar saftige Strafen, von denen habe ich als Betroffener aber nichts. Und die armen Facebook-Leibeigenen, die nicht von einer EU vertreten sind, haben diese Chance gar nicht. Außerdem hechelt die EU der Entwicklung immer nur hinterher.
    Regulieren sollen Facebook bitte seine Nutzer. Herr Zuckerberg kann einen Nutzerbeirat einführen, demokratisch gewählt, von den Nutzern. Der könnte dann auch die Geschäftsbedingungen prüfen und bestätigen. Kandidieren können alle Nutzer von Facebook. Der Beirat braucht noch einen Sprecher, der mit Marc Zuckerberg auf Augenhöhe verhandeln kann. Es braucht natürlich noch Kriterien: eine Verfassung, Machtmittel, Restriktionen, Strafen. Wäre doch toll, ein digitaler Staat Facebook. Wenn es nicht schon da wäre, müsste es erfunden werden. Halt nicht als Monarchie mit Leibeigenen, wie es jetzt strukturiert ist. Aber die Revolution kann man wohl nur von innen anzetteln. Muss man da dann eine Facebook-Gruppe gründen: Demokratische Facebook-user? Jedenfalls habe ich Zuckerbergs Manifesto seinerzeit sehr genau gelesen. Das hörte sich eher nach einem Stasi-Staat an. Wollen wir nicht eine Revolution anzetteln? Muss ich dafür erst Mitglied in Facebook werden? Die Zeit ist eigentlich längst reif, für einen digitalen Staat, mit digitalen Bürgern. Ich wollte den mal Digitalistan nennen, aber der WDR war schneller. Würde ich aber nur machen, wenn genug mitmachen, die sich besser auskennen als ich. In Digitalistan gibt es da einige, die mir als renitente Mitbürger gut gefallen würden. Die Piraten würde ich um Liquid democracy bitten… Die Piraten wären im internationalen Digitalstaat ohnehin viel besser aufgehoben, als in den jetzigen Nationalstaaten aus dem 18. Jahrhundert. Die Verfassung muss verhindern, dass das ganze zur Quatsch-, Spiel- oder Kommerzbude verkommt. Ein neues Second World soll es also nicht sein.
    Vielleicht wäre die digitale Revolution auch in Estland möglich. Dort hätten alle Bürger schon mal einen Ausweis. Leider hat Estland seine digitalen Bürger nicht zu demokratischer Teilhabe berechtigt; sondern nur als Zähl- und Kommerzbürger. Hat auch nicht so viele Bürger wie Facebook.
    Da gefällt mir die Facebook-Revolution doch besser.

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